Assyrtiko: Griechenlands großer Weißwein
- Griechische Weine

- vor 9 Stunden
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Niedrig erzogene Reben in einem Weinberg auf Santorini, mit Blick auf die Ägäis. Foto: Joye~, CC BY 2.0.
Assyrtiko (griechisch Ασύρτικο, gesprochen a-SIR-ti-ko) ist die bekannteste und wohl edelste weiße Rebsorte Griechenlands – ihre Heimat ist die Vulkaninsel Santorini. Typisch sind eine markante Säure, salzige Mineralität, Zitrusnoten und eine für Weißwein außergewöhnliche Reifefähigkeit. Hier erfährst du, wie Assyrtiko schmeckt, wo er wächst (Santorini vs. Festland), wozu er passt – und welche Assyrtiko-Weine wir am besten fanden.
Alle Punktzahlen in diesem Guide stammen aus unseren eigenen, überwiegend blind durchgeführten Verkostungen; wir verkaufen keinen Wein. (Ältere verlinkte Artikel nutzen noch unsere frühere 20-Punkte-Skala – 18,5/20 entspricht etwa 95/100.)
Was ist Assyrtiko?
Assyrtiko ist eine weiße, autochthon griechische Rebsorte mit Ursprung auf Santorini, der windigen Vulkaninsel in der südlichen Ägäis. Auf den kargen, mineralreichen Lavaböden dort behält die Sorte selbst bei großer Hitze und voller Reife eine ungewöhnlich hohe, frische Säure – die Eigenschaft, die sie so besonders macht. Aus einer Insel-Spezialität ist längst die Leitsorte des griechischen Weißweins geworden: Assyrtiko wächst heute in ganz Griechenland, vom nordgriechischen Festland (Drama, Pangeon, Florina) über Zentralgriechenland bis auf die Peloponnes und nach Kreta.

Alte Assyrtiko-Reben in traditioneller Kouloura-Erziehung bei Domaine Sigalas auf Santorini. Foto: Treephoto, CC BY-SA 4.0.
International ist die Sorte fest etabliert: Bei den renommierten „50 Great Greek Wines" ist Assyrtiko regelmäßig die am stärksten vertretene weiße Rebsorte. Der Löwenanteil stammt von Santorini – umso spannender sind die Festland-Gewächse, von denen eines, unser Liebling Areti von Biblia Chora, dort sogar als bester Assyrtiko außerhalb Santorinis geführt wurde. Genau da wird es für Entdecker interessant (dazu unten mehr).
Wie schmeckt Assyrtiko?
Das Rückgrat ist immer die Säure – zitrusgetrieben, an Zitrone, Limette und grünen Apfel erinnernd. Doch „den" Assyrtiko-Geschmack gibt es nicht; in unseren Verkostungen begegnen uns immer wieder zwei Pole. Der Santorini-Typ ist streng und puristisch: salzig-mineralisch, fast feuersteinartig, knochentrockene Zitrusfrucht. Der Festland-Typ fällt dagegen deutlich fruchtiger aus – da reicht das Spektrum von Pfirsich und Litschi bis zu Kirsche und Nektarine, bei unserem Festland-Star vom Olympia Land Estate sogar bis zu Quitte und Thymianhonig. Diese Weine suchen die salzige Strenge gar nicht erst und sind oft die zugänglicheren.
Eine zweite Achse ist der Ausbau – Stahl oder Holz. Im Edelstahl bleibt Assyrtiko geradlinig, kühl und zitrisch-mineralisch. Im Fass nimmt er Cremigkeit, Nuss und Körper an, ohne seine Säure zu verlieren – die Frage, ob man Assyrtiko gewinnbringend ins Holz stecken darf, haben Güter wie Evampelos Ghi oder Erithrou Rodou für uns längst eindrucksvoll beantwortet. Beide Stile haben ihre Berechtigung; man sollte nur wissen, was im Glas ist.
Das eigentlich Verblüffende ist, was Zeit aus diesem Wein macht – eine für trockenen Weißwein außergewöhnliche Langlebigkeit. Wie weit das reicht, zeigte uns ein gereifter Antoniou Santorini von 1994 (80 % Assyrtiko, ergänzt um Aidani & Athiri): knapp drei Jahrzehnte alt und immer noch großartig – für uns 98 Punkte. Kaum eine andere griechische Weißweinsorte altert so würdevoll.
Assyrtiko von Santorini vs. Festland: zwei Gesichter einer Rebe
Santorini ist der Klassiker: Weine von puristischer, salzig-mineralischer Strenge, geprägt vom Vulkanboden – ikonisch, international gefragt und entsprechend teuer. Aus der jüngeren Generation hat uns Mikra Thira begeistert, deren Santorini Assyrtiko 2021 und der von der Nachbarinsel Thirasia stammende Terrasea 2021 je 94 Punkte holten (die ganze Serie in unserer Santorini-Assyrtiko-Verkostung „Santorinische Perlen").

Eine traditionell in Kouloura-Form erzogene Assyrtiko-Rebe auf Santorini: Der zum Korb geflochtene Stamm schützt die Trauben vor Wind und Sonne. Foto: AkatsukiKuro, CC0.
Doch – und das ist unsere Lieblingsbotschaft – es muss nicht immer Santorini sein. Assyrtiko-Weine vom Festland fallen fruchtiger und häufig deutlich günstiger aus, ohne an Klasse einzubüßen. In zwei großen Blindverkostungen quer über das Festland stießen wir auf echte Entdeckungen: das Olympia Land Estate aus der PGI Ilia (Jahrgang 2019 phänomenale 95 Punkte), den Testsieger Areti weiß von Ktima Biblia Chora aus dem Pangeon (2019, 95+) und die überraschende Alepotrypa von Domaine Hatzimichalis (2020, 94), in Deutschland für unter 10 € zu haben. Die ganzen Reiseberichte: Die besten Assyrtiko-Weine vom griechischen Festland und warum es beim Assyrtiko nicht immer Santorini sein muss.
Und es bleibt nicht beim Festland: Auch Kreta kann Assyrtiko. Der Petali 2021 von Diamantakis (90 Punkte) besticht durch Eleganz, erfrischende Salzigkeit und einen langen Abgang – blind wird jeder an die Vulkaninsel denken. Für um die 10 € bekommt man das auf Santorini nie und nimmer. Wer es strenger und struktureller mag, findet auf derselben Insel im „Phi" von Domaine Economou (2017, 93+) einen Assyrtiko, der Aufmerksamkeit einfordert.
Kurz: Santorini liefert die mineralische Ikone, das Festland und die anderen Inseln das oft bessere Preis-Leistungs-Verhältnis und mehr Frucht. Beides lohnt sich.
Assyrtiko im Holz und als Cuvée
Assyrtikos hohe Säure macht ihn zum idealen Cuvée-Partner. Zwei Kombinationen sind besonders verbreitet: mit Sauvignon Blanc (der die exotische Frucht liefert, während Assyrtiko für Frische und Gerüst sorgt – Klassiker wie der Thema von Ktima Pavlidis) und mit der aromatischen Malagousia (etwa im weißen Einstiegswein von Ktima Gerovassiliou, 93). Eine dritte, edlere Ehe ist die mit Sémillon – die Bordeaux-Antwort auf Griechisch, wie der Ovilos von Biblia Chora zeigt (50 % Sémillon, 50 % Assyrtiko, bei uns 95+). Warum diese Verbindungen so gut funktionieren, haben wir in Assyrtiko-Cuvées im Detail: „Assyrtiko als Teamplayer" auseinandergenommen.
Auch Holz verträgt Assyrtiko erstaunlich gut, sofern der Winzer behutsam vorgeht – die Sorte nimmt Cremigkeit und Nussigkeit an, ohne ihre Säure zu verlieren. Und süß? Kann er auch: Auf Santorini wird aus sonnengetrockneten Trauben, überwiegend Assyrtiko, der berühmte Vinsanto gekeltert (der von Hatzidakis holte bei uns 94 Punkte).
Wozu passt Assyrtiko?
Assyrtiko ist ein Essenswein par excellence. Seine Säure und die salzige Ader machen ihn zum Traumpartner von allem, was aus dem Meer kommt: Fisch, Muscheln, Austern, gegrillter Oktopus, Calamari. Ebenso gut funktioniert er zur mediterranen Küche allgemein – Zitronen-Kräuter-Gerichte, gegrilltes Gemüse, Feta und Salate. Kräftigere, im Holz gereifte Assyrtikos vertragen auch mal Geflügel oder festeren Fisch in Sahnesauce. Wichtig: kühl servieren, aber nicht eiskalt, sonst verschenkst du die Aromatik.
Assyrtiko als Alternative zu Riesling
Wer trockenen Riesling mag, sollte Assyrtiko unbedingt probieren. Die Gemeinsamkeiten: hohe, tragende Säure, ausgeprägte Mineralität, knochentrockener Ausbau und ein bemerkenswertes Reifepotenzial. Der Unterschied: Assyrtiko ist salziger, mediterraner, weniger floral – statt Petrol und Apfel eher Feuerstein, Zitrusschale und Meeresbrise. Ein spannender Tapetenwechsel für Riesling-Fans, der zugleich hervorragend zu südlicher Küche passt.

Weinbau und die weiße St.-Marina-Kapelle nahe Megalochori auf Santorini. Foto: Norbert Nagel, CC BY-SA 3.0.
Die besten Assyrtiko-Weine: unsere Empfehlungen
Aus unseren Verkostungen – hier die Weine, die uns am stärksten überzeugt haben. Jeder Name führt zur ausführlichen Verkostungsnotiz.
Von Santorini:
Antoniou Santorini 1994 – 98 – gereifter Beweis für Assyrtikos Langlebigkeit (mit Aidani & Athiri)
Mikra Thira Terrasea 2021 – 94 – von der kleinen Kraterinsel Thirasia
Mikra Thira Nykteri 2021 – 92+
Zwei Santorini-Besonderheiten verdienen ein eigenes Wort. Der Nykteri ist ein traditioneller, spät gelesener Santorini-Weißwein – bei Mikra Thira aus Assyrtiko, Aidani und Athiri, in französischer Eiche vergoren: am Gaumen fordernd, mit einer anfänglichen Bitterkeit, die sich zu geschmeidiger Komplexität wandelt. Und der Vinsanto ist Santorinis legendärer Süßwein aus sonnengetrockneten Trauben: Der Hatzidakis von 2013 reifte fast ein Jahrzehnt im Fass und zeigt tiefen Bernstein, getrocknete Aprikose, Feige und Honig – üppige Süße, getragen von lebhafter Säure, bei nur 9,5 % Alkohol.
Assyrtiko-Weine vom Festland (und anderen Inseln):
Olympia Land Estate Assyrtiko 2019 – 95 – PGI Ilia, unser Festland-Star
Ktima Biblia Chora Areti weiß 2019 – 95+ – PGI Pangeon
Domaine Hatzimichalis Alepotrypa 2020 – 94 – PGI Atalanti, top Preis-Leistung (unter 10 €)
Ktima Erithrou Rodou Assyrtiko 2021 – 94 – PGI Drama, im Holz gereift
Tsililis Edenia Bella 2021 – 94 – PGI Meteora
Vriniotis Assyrtiko 2022 – 94 – PGI Evia; man sucht lange, bis man auf Santorini einen derart kompletten Wein findet – erst recht zu diesem Preis
Papargyriou Le Roi des Montagnes 2022 – 93+ – PGI Korinth, 100 % Assyrtiko
Alpha Estate Aghia Kiriaki 2018 – 93 – PGI Florina
Ktima Kir-Yianni Assyrtiko 2020 – 93 – PGI Florina
Domaine Economou Assyrtiko „Phi" 2017 – 93+ – Kreta
Cuvées & Süßweine mit Assyrtiko:
Koutsogiannopoulos Kamaritis 2002 – 96 – gereifte Kykladen-Rarität
Montofoli Estate 2013 – 96 – PGI Karystos (Evia)
Ktima Biblia Chora Ovilos weiß 2022 – 95+ – Sémillon & Assyrtiko
Ktima Biblia Chora Etos 2012 – 95 – Sémillon & Assyrtiko
Hatzidakis Vinsanto 2013 – 94 – Santorini-Süßwein
Ktima Gerovassiliou White 2021 – 93 – Assyrtiko & Malagousia
Außerdem von uns verkostet (jeweils mit Verkostungsnotiz): Barafakas Winery Idea weiß 2021, Canava Chrissou – Tselepos Santorini 2022, Diamantakis Diamantopetra weiß 2021, Dionysos Winery Orizontes weiß 2021, Domaine Costa Lazaridi Château Julia Assyrtiko 2019, Domaine Paliomylos Satyr 2021, Domaine Paliomylos Sauvignon Blanc & Assyrtiko 2019, Domaine Paterianakis Melissokipos 2019, Efrosini Winery Kleftis 2021, Evampelos Ghi Geraklis Boreas Assyrtiko 2018, Ktima Biblia Chora weiß 2020, Ktima Biblia Chora Ovilos weiß 2020, Ktima Biblia Chora Plagios weiß 2018, Ktima Dyio Ipsi Dialogos weiß 2021, Ktima Erithrou Rodou Assyrtiko 2024, Ktima Gerovassiliou White 2019, Ktima Pavlidis Emphasis Assyrtiko 2019, Ktima Pavlidis Thema weiß 2020, Ktima Toplou Samonion 2021, Liappas Winery Roggia weiß 2019, Lyrarakis Liastos 2017, Matamis Winery Luna Blu NV, Mega Spileo Assyrtiko 2021, Melidou Winery Lefki Poli White 2021, Muses Winery 9 2023, Mylonas Winery Assyrtiko 2021, Nemea Winery Assyrtiko 2021, Oenops Apla weiß 2021, Olympia Land Estate Arethousa 2017, Olympia Land Estate Assyrtiko 2020, Olympia Land Estate Ekecheiria 2020, Palivou Estate Stone Hills 2021, Passas Winery Mavra Nera weiß 2020, Patistis Matzaraki 2020, Patistis Retsinalism NV, T-Oinos Clos Stegasta Rosé 2022.
Die komplette Übersicht findest du unter alle Assyrtiko-Verkostungsnotizen in unserer Datenbank.
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Assyrtiko günstig – geht das? (Discounter & Lidl)
Kurze Antwort: als solider Einstieg ja, für die große Faszination eher nicht. Wir haben sogar den Assyrtiko von Lidl verkostet (Jahrgang 2019, verkostet 2022) – von Greek Wine Cellars aus der PGI Zentralgriechenland gekeltert, in Deutschland für rund 4,99 €. Das Ergebnis: sortentypisch mit grünem Apfel und ordentlicher Struktur, aber eindimensional und schnell verflogen – 78 Punkte, ein fairer Einstieg zum kleinen Preis. Das Discounter-Sortiment wechselt allerdings ständig; die Original-Verkostung steht in Es muss nicht immer Santorini sein…. Für das, was Assyrtiko wirklich kann, lohnt sich der Griff eine Preisklasse höher. (Einen ausführlichen Lidl-Check bereiten wir gerade vor.)
Fazit
Assyrtiko ist beides: ein zugänglicher, erfrischender Sommerweißwein für wenig Geld – und eine der ernsthaftesten, langlebigsten Weißweinsorten des Mittelmeers. Wer bei Santorini anfängt, sollte unbedingt auch die fruchtigeren, oft günstigeren Festland-Gewächse probieren. Am schnellsten findest du deinen Assyrtiko über alle Assyrtiko-Verkostungsnotizen in unserer Datenbank – wir verkosten laufend weiter. Und wenn du die nächsten Entdeckungen nicht verpassen willst: Hier geht es zum Newsletter.



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