Ktima Erithrou Rodou — Assyrtiko 2024
French Oak
PGI Drama
100% Assyrtiko
Makedonien, Griechenland
Weißwein | trocken
13%
Das Ktima Erithrou Rodou ist ein junges Boutique-Familienweingut in Drama, gegründet um 2019, wobei der Weinberg schon 2009 gepflanzt wurde. Der Name heißt übersetzt „Weingut der roten Rose" und spielt gleich dreifach an: auf die rote Erde von Kokkinogeia, auf den Familiennamen Triantafyllidis (griechisch „Rose") und auf die wilden Rosen am Rebstock. Verantwortlich sind Giannis Triantafyllidis, der Weinberg, Keller und Abfüllung in einer Hand hält, und Dr. Katerina Karampatea, Chemikerin und promovierte Önologin mit burgundischer Prägung — und genau diese burgundische Schulung erklärt die ernsthafte Fass- und Feinhefe-Ästhetik dieses Weins.
Die Machart ist entsprechend aufwendig: 100% Assyrtiko aus der Lage Ammoudies bei Kokkinogeia im Aggitis-Tal, auf 200 Metern, in einem sehr kühlen Mikroklima, das zwei bis fünf Grad unter der übrigen PGI-Drama-Zone liegt. Die Reben sind 15 Jahre alt. Verarbeitet wird nur der Vorlaufmost, ohne Pressung, nach einer präfermentativen Kaltmazeration von zwölf Stunden bei acht Grad. Die alkoholische Gärung läuft komplett in französischen Barriques ab, gefolgt von acht Monaten auf der Feinhefe mit Bâtonnage. Vom 2024er entstanden nur 2.500 Flaschen. In Deutschland kostet er rund 28,90 bis 29,50 Euro — für einen Assyrtiko außerhalb Santorinis ein Premium-Preis, den die Kleinstmenge und der Fassausbau aber tragen.
Als Jahrgang war 2024 in Makedonien eine Zerreißprobe: Griechenlands heißestes und trockenstes Jahr der Messreihe, massiver Trockenstress, früheste Lese überhaupt. Bei der Farbenspaltung waren die Weißen die Verlierer — Extremhitze verbrennt die Aromatik, die Säure kollabiert, und die makedonischen Weißen waren damit die härteste Übung des Jahres, was Frische und Straffheit angeht. Zu erwarten wäre also eher ein reifer, wuchtiger, körperbetonter Wein mit Überreife-Risiko.
Umso bemerkenswerter, dass hier Grip und Eleganz zusammenkommen. In der Nase ist der Assyrtiko erkennbar, die Mineralik macht sich bemerkbar, dazu ein wenig Aprikose. Am Gaumen guter Grip und zugleich Eleganz, sich konstant entfaltend. Der Nachhall ist fruchtig-exotisch, mit Papaya — so, wie man es bei den sehr ernsten Santorini-Assyrtikos eben selten bekommt. Mir gefällt dieser Stil besser als die reine Strenge. Ein Hinweis noch: nicht zu kalt servieren, sonst kommt das Holz mit seinen Vanillenoten zu stark durch.
Ich habe den Wein im Juni 2026 gemeinsam mit dem Malagousia 2024 desselben Guts verkostet, und der direkte Vergleich war aufschlussreich. Der Assyrtiko wurde früher gelesen und ist merklich besser durchs Hitzejahr gekommen als der später geerntete, ungeholzte Malagousia. Das deckt sich mit dem Wettbewerbsgefälle — der Assyrtiko holte auf der Thessaloniki Wine & Spirits Trophy 2026 Gold mit 92 Punkten, der Malagousia nur Bronze mit 86 — und mit meinen eigenen Wertungen, denn ich sehe den Assyrtiko bei 93 und den Malagousia bei 92. Zusätzlich wurde der Assyrtiko beim Mondial des Vins Blancs in Straßburg 2026 mit Gold prämiert.
In der Vertikale ist das mein zweiter Jahrgang dieses Weins. Den Erstlingsjahrgang, den Assyrtiko French Oak 2021, hatte ich 2022 mit einem Jahr Alter bei 94 Punkten gesehen: überraschend frisch und riesling-artig, mit Limette und grünem Apfel, kreidig-körnigem Gaumen und lang anhaltender Säure, dahinter Süße und würzige Holznoten — der Winzer las darin Muskatnuss, ich eher Nelke —, und trotz französischer Eiche nicht schwer oder cremig, bei 13,5%. Der 2024er liegt mit 93 Punkten knapp darunter, und der Unterschied ist stilistisch: Er ist reifer und exotischer, Papaya statt der frisch-strikten Riesling-Linie — klar vom Hitzejahr getrieben. Mir aber auf jeden Fall immer noch lieber als die meisten Weine dieser Rebsorte von Santorini. Und für den Preis sowieso.
93 Punkte, ohne Plus.
Verkostet: Juni 2026