Jahrgang 2023
spät · gespalten · ein Viertel weniger Wein
Landesweit 6,0 von 10 · Sicherheit der Einstufung: hoch
Makedonien
Amyndeon · PDO – Rot 8,5 · Weiß 7,5 (Sicherheit: hoch)
Naoussa · PDO – Rot 8,0 · Weiß 6,5 (Sicherheit: hoch)
Goumenissa · PDO – Rot 7,5 · Weiß 6,5 (Sicherheit: mittel)
Thessaloniki · PGI – Rot 5,5 · Weiß 5,5 (Sicherheit: niedrig)
Epirus
Metsovo · PGI – Rot 6,0 · Weiß 6,0 (Sicherheit: mittel)
Thessalien
Meteora · PGI – Rot 5,0 · Weiß 6,0 (Sicherheit: mittel)
Mittelgriechenland
Attika und Thessalien · PGI – Rot 7,0 · Weiß 5,0 (Sicherheit: hoch)
Atalanti und Opountia Lokridas · PGI – Rot 6,0 · Weiß 6,0 (Sicherheit: mittel)
Peloponnes
Nemea · PDO – Rot 6,0 (Sicherheit: hoch)
Mantinia · PDO – Weiß 5,0 (Sicherheit: hoch)
Kykladen
Santorini und Kykladen · PDO/PGI – Rot 6,0 · Weiß 6,0 (Sicherheit: hoch)
Kreta 7,0 · Pangeon 7,0 · Drama 6,5 · Epanomi 6,0 · Peloponnes außerhalb von Nemea und Mantinia 5,5 (jeweils als Gesamtwert ohne Farbtrennung)
Epanomi liegt in der Regionaleinheit Thessaloniki; beide tragen für diesen Jahrgang einen eigenen Wert.
Der Attika-Wert gilt für die Ebene um Athen, nicht für Lokris in Phthiotis; das trägt einen eigenen.
Selten hat ein einzelnes Jahr so viele Extreme über Griechenland gebracht. Ein zu warmer, zu trockener Winter ohne Schnee im Norden. Ein kaltes, nasses Frühjahr mit der spätesten Blüte seit Jahrzehnten und einer Epidemie des Falschen Mehltaus. Eine der längsten Hitzewellen, die je gemessen wurden, zwei Juliwochen lang, vielerorts über dreiundvierzig Grad. Dann die Brände – Rhodos, Korfu, und im Evros der bis dahin größte in der Europäischen Union je registrierte Waldbrand. Und schließlich, Anfang September, der Medicane Daniel: vier Tage Regen, im Mittel dreihundertsechzig Millimeter über dem Becken des Pinios, überflutete Weinberge und Keller, siebzehn Tote. Am Ende fehlte dem Land fast ein Viertel seiner Ernte.
Und trotzdem steht dieses Jahr für einen der besten Xinomavro-Jahrgänge seit langem. 2023 entschied sich am Lesetermin. Die kalte Frühjahrsphase hatte alles nach hinten geschoben. Wer früh reifte, lief von der Peronospora in die Julihitze und stand im September mit dichten, dünnschaligen Trauben im Regen. Wer spät reifte, kam in ein Fenster, das nach Daniel trocken und ruhig blieb, mit kurzen, kühlen Herbsttagen.
Deshalb liegen zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wert dieser Seite dreieinhalb Punkte, und sie trennen weniger Nord von Süd als spät von früh und rot von weiß. In den Rückblicken heißt 2023 einer der herausforderndsten Jahrgänge der letzten Jahrzehnte.
Amyndeon – Rot 8,5 · Weiß 7,5
Der höchste Wert dieser Seite, und der schärfste positive Ausschlag dieses Jahrgangs. Der Winter war sehr trocken und blieb ohne Schnee, was im Hochland, das seine Wasserreserven im Winter anlegt, zunächst wie ein schlechtes Vorzeichen aussah. Es folgte ein schönes, kaltes Frühjahr, das die Reife verzögerte – und genau diese Verzögerung entschied das Jahr. Der Befund aus dem Gebiet: eine phenolische Reife ohne Beispiel.
Die Weißen standen einen Punkt darunter. Sie blieben frisch und aromatisch, hatten aber den Mehltaudruck des Frühsommers mitgenommen.
Naoussa – Rot 8,0 · Weiß 6,5
Knapp hinter Amyndeon, aus demselben Grund: Der Xinomavro reift ohnehin spät, und 2023 schob der kalte Frühjahrsstart ihn noch weiter nach hinten, bis in kurze, kühle Herbsttage nach dem Durchzug von Daniel, der Makedonien nördlich liegen ließ. Gelesen wurde ab dem sechsundzwanzigsten September, die letzten Blöcke rund eine Woche darauf. Was in die Keller kam, war aromatisch präzise und frisch, mit glatten, hochwertigen Gerbstoffen, und die Urteile reichten bis hinauf zu „außergewöhnlich".
Der Preis war die Menge: dreißig bis vierzig Prozent weniger als üblich. Auf die Qualität schlug das nicht durch, weil die verbliebene Frucht gesund war. Bei Kir-Yianni heißt es schlicht, das Wetter habe dem Xinomavro in die Hände gespielt, und man stellt das Jahr neben 2017.
Die Weißen standen anderthalb Punkte darunter, mit demselben Mehltaudruck des Frühsommers wie im übrigen Norden.
Goumenissa – Rot 7,5 · Weiß 6,5
An den Südosthängen des Paiko zeigt sich dieselbe Bewegung, aber mit einer Beobachtung, die den Jahrgang erklärt. Von April bis Juni fiel Dauerregen, die Vegetation lag fünfzehn Tage zurück, und die Peronospora setzte sich vor allem an den Blättern fest. Sie traf nicht alle gleich: Die weißen Sorten und die französischen Roten litten, das Xinomavro hielt stand. Im Mai kam Hagel über die höheren Lagen, ab Juni Dürre und Hitzewellen mit Sonnenbrand, im Juli rund zehn Tage bei dreiundvierzig Grad. Am Ende fehlten dreißig Prozent bei den Weißen und fünfzehn bei den Roten.
Was übrig blieb, war ungewöhnlich gut, und zwar aus zwei nachvollziehbaren Gründen: Die Beeren konzentrierten sich, und Botrytis blieb aus, weil die Stöcke nicht wüchsig genug waren, um dichte Trauben zu bilden. Die Weißen kamen unter zwölfeinhalb Grad Alkohol herein, die Roten unter dreizehn, beide mit guten Säuren. Der Sturm Daniel streifte die Zone nur mit kleinen Regenfällen.
Anderthalb Punkte über dem Landeswert ist der größte Aufschlag, den dieses Gebiet in unserer Reihe trägt. Er steht auf dem Xinomavro, für das 2023 hier eines der besten Jahre überhaupt war.
Attika und Thessalien – Rot 7,0 · Weiß 5,0
Zwei Punkte zwischen den Farben, der größte Abstand dieser Seite. Dahinter steht ein Landstrich, den dasselbe Jahr zweimal verschieden behandelt hat.
Über der Kernzone von Daniel – Thessalien und das mittlere Griechenland – standen die Weinberge unter Wasser, in den Kellern ebenso, und was noch am Stock hing, ging in Botrytis. Für alles, was zu diesem Zeitpunkt reif oder fast reif war, war der Jahrgang damit gelaufen. Der Ertragsverlust war hier härter als irgendwo sonst im Land.
Die Spätreifer standen anders da. In Rapsani am Osthang des Olymp, wo Krassato und Stavroto neben Xinomavro stehen, hatten die verschonten Hanglagen gutes Material; die alten Savatiano-Stöcke Attikas kamen mit Hitze und Trockenheit besser zurecht als fast jede andere weiße Sorte des Landes. Bei den früh und mittelfrüh reifenden Weißen kam alles zusammen, was das Jahr zu bieten hatte: erst Peronospora, dann Julihitze, dann Daniel.
Lokris, die Landschaft am Nordeuböischen Golf, steht mit dem landesweiten Wert dazwischen und zeigt denselben Verlauf in kleinerem Maßstab. Ein milder Winter mit einer Frostwelle Anfang Februar, ein kühles, nasses Frühjahr mit spätem Austrieb und hohem Pilzdruck, dann die beispiellosen Julihitzen, die den Stoffwechsel der Rebe ausbremsten und die Beeren leichter bleiben ließen. Daniel erreichte auch diese Küste und brachte größere Wassermengen, aber keine Überschwemmung. Gelesen wurde ab der zweiten Augustwoche mit Chardonnay und Sauvignon Blanc, zuletzt Ende September mit dem Cabernet Sauvignon.
Kreta – 7,0
Auf Kreta traf das Jahr auf eine Insel, die den Falschen Mehltau kaum kannte. Die hohe Morgenfeuchte des nassen Frühjahrs führte zu einem Ausbruch, wie es ihn dort historisch nicht gegeben hat, und viele Betriebe hatten mit dieser Krankheit keine Routine. Dann stoppte die Julihitze die Reife und schob die Lese um rund drei Wochen bis Ende August. Die Produktion brach um siebzig Prozent ein.
Was blieb, verteilte sich sehr ungleich auf die Farben. Die späten Roten – Liatiko, Kotsifali, Mandilaria – profitierten von der verzögerten Reife und brachten hochwertige Gerbstoffe. Vidiano, Vilana und Thrapsathiri kamen mengenreduziert und von Lage zu Lage uneinheitlich herein. Die Roten tragen den kretischen Wert dieses Jahrgangs, die Weißen liegen deutlich darunter.
Pangeon 7,0 · Drama 6,5 · Epanomi 6,0
Der Nordosten hielt sich. Im Pangeon und in Drama blieben die Extreme des Jahres eine Stufe unter dem, was sie andernorts anrichteten; beide Gebiete stehen über dem Landeswert, Epanomi genau darauf.
In Epanomi am Thermaischen Golf war 2023 ein später und, wie es von dort heißt, sehr besonderer Jahrgang: eine unübliche Verteilung von Temperatur und Regen, die den Pilzkrankheiten in die Hände spielte, dazu ständige Wachsamkeit im Weinberg. Gelesen wurde in einem Zug vom einundzwanzigsten August bis Ende September, von den internationalen Sorten bis zum Xinomavro. Das Urteil am Ende: anspruchsvoll, aber sehr gut. Dem Sprung, den der Xinomavro weiter nördlich machte, folgte Epanomi nicht.
Thessaloniki – 5,5
In der Regionaleinheit um Thessaloniki, in der auch Epanomi liegt, verlief das Frühjahr besonders ungünstig. Im Mai und in der ersten Junihälfte regnete es fast durchgehend, bei für die Jahreszeit niedrigen Temperaturen, und die Reben trockneten morgens nicht ab. Der Falsche Mehltau setzte sich vor allem an den Traubenstielen fest.
Am härtesten traf das die biologisch bewirtschafteten Weinberge, wo gegen den Pilz allein Kupfer erlaubt ist; dort war am Ende nur ein minimaler Teil der Ernte zu retten. Für das Gebiet als Ganzes blieb es bei einem Jahr unter Druck, nicht bei einem Totalausfall.
Santorini und die Kykladen – Rot 6,0 · Weiß 6,0
Eine Mengenkatastrophe, keine Qualitätskatastrophe. Von Oktober bis Juni fielen auf der Insel rund einhundertneunzig Millimeter Regen statt der dreihundertzwanzig des Zwanzigjahresmittels, und für Buschreben, die ohne Bewässerung an einer harten Wasserobergrenze arbeiten, ist das die Zahl, an der alles hängt. Am dreiundzwanzigsten April kam Hagel dazu und dezimierte die südliche Kernzone; der Norden blieb verschont und hatte es allein mit der Dürre und zwei Julihitzewellen zu tun. Fäulnis gab es nicht.
Gelesen wurde ab dem sechzehnten August, spät genug, um die Säure zu sichern. Was hereinkam, war nach dem Urteil eines der besten Häuser der Insel sehr gut bis außergewöhnlich, mit korrekter phenolischer Reife. Nur war es fast nichts: je nach Lage fünfzig bis neunzig Prozent Ausfall, im Inselschnitt etwa dreißig Prozent eines normalen Ertrags, und die Preise zogen um ein Viertel an. Die Sechs steht deshalb nicht für schwache Weine, sondern für den Einbruch und für die Spreizung zwischen den Lagen. Der Rest der Ägäis lag ähnlich – Kefalonia verlor bei der Robola sechzig Prozent, Tinos brachte vierzig Prozent eines Normaljahres ein, während der Limnio auf Limnos hohe Qualität mit weichen Gerbstoffen erreichte.
Nemea – Rot 6,0
Der ehrliche Schwachpunkt unter den Roten. Agiorgitiko ist dünnschalig und wächst in dichten Trauben, und das war 2023 die falsche Konstitution. Der warme Trockenwinter hatte die Reserven klein gehalten, der Mai- und Juniregen brachte Peronospora und kostete Ertrag, die Julihitze schob die Reife, und als im September die Feuchtigkeit kam, wurde aus Angst vor Botrytis schnell gelesen.
Wer dabei die Extraktion nicht anpasste, bekommt grüne, unreife Gerbstoffe ins Fass. Große Weine entstanden dort, wo in den Höhenparzellen streng selektiert wurde; die Talsohle liegt klar darunter.
Mantinia – Weiß 5,0 · übriger Peloponnes 5,5
Der Tiefpunkt des Jahrgangs, und ausgerechnet auf der Hochebene, die sonst von schwierigen Jahren profitiert. Der Austrieb kam rund zehn Tage zu spät, im Frühjahr stand der Pilzdruck, und dann zerstörte ein Regen- und Hagelereignis im September große Teile der nördlichen Appellation. Gelesen wurde erst nach der Monatsmitte des Oktobers. Der Moschofilero daraus ist schlank und leicht, teilweise mager; die große Tag-Nacht-Spanne der Hochebene hielt zwar die Frische, aber die Reifetiefe fehlt. Manche Betriebe lasen früh und machten Rosé daraus, um wenigstens etwas einzubringen.
Für den Rest der Halbinsel jenseits der beiden Appellationen steht der Jahrgang bei 5,5.
Unsere Weine
Zwanzig griechische Weine aus 2023 haben wir verkostet, von sechzehn Erzeugern. Der Median liegt bei 91 Punkten.
An der Spitze steht der Silphium von La Tour Melas aus Mittelgriechenland, ein Rosé aus Grenache und Syrah. Knapp dahinter, gleichauf: der Amethystos rot von Domaine Costa Lazaridi aus Drama, das Assyrtiko Wild Ferment von GAIA aus Santorini und zwei Weiße vom Ktima Biblia Chora aus dem Pangeon, der Plagios und der Sole Vidiano.
Aus dem Gebiet, das diesen Jahrgang gewonnen hat, steht bei uns kein einziger roter Xinomavro: Von Amyndeon haben wir aus 2023 nur zwei Roséweine vom Ktima Kir-Yianni, den L'Esprit du Lac mit 91 und den Akakies Sparkling mit 88. Aus Naoussa, dem knapp zweithöchsten Gebiet, haben wir aus 2023 gar nichts geöffnet. Beide Rosés sind früh gelesene Weine aus einer Sorte, deren Jahr sich am späten Lesetermin entschied. Beim L'Esprit du Lac lässt sich das gegenrechnen: Denselben Wein aus 2021 hatten wir am selben Tag im Glas, er stand bei 93 – zwei Punkte über dem 2023er, obwohl der Jahrgang für den roten Xinomavro in Amyndeon selbst zwei Punkte höher liegt.
Der Peloponnes verhält sich in unseren Notizen so, wie die Werte es erwarten lassen. Von den Appellationen Nemea und Mantinia haben wir aus 2023 nichts, aber drei Weine von der übrigen Halbinsel – 87, 88 und 90 Punkte, alle drei unter dem Median dieses Jahrgangs.
Ein Wein geht deutlich in die andere Richtung. Der Amethystos rot aus Drama steht mit 93 höher als die beiden älteren Jahrgänge desselben Weins, die wir kennen, obwohl Drama in diesem Jahr nur einen halben Punkt über dem Landeswert liegt.
Der Silphium von La Tour Melas stand als 2021er bei 93 und als 2023er bei 94 Punkten. Die zwei Flaschen kamen allerdings ein Jahr auseinander ins Glas.
Vom Ktima Gerovassiliou haben wir die Malagousia aus Epanomi zweimal verkostet, mit 91 und zuletzt mit 92. Sie hat in der Flasche nicht nachgelassen.
Top 3 der eigenen Verkostungen
Rang 1 – 94 Punkte La Tour Melas Silphium
Rang 2 – 93 Punkte Domaine Costa Lazaridi Amethystos rot · GAIA Wines Assyrtiko Wild Ferment · Ktima Biblia Chora Plagios weiß · Ktima Biblia Chora Sole Vidiano
Alle Verkostungsnotizen aus 2023
· Alpha Estate Syrah Single Vineyard Turtles · 91
· Domaine Costa Lazaridi Amethystos rot · 93
· GAIA Wines Assyrtiko Wild Ferment · 93
· Jima Winery Plein Soleil Day 22 · 92
· Ktima Biblia Chora Plagios weiß Sideways · 93
· Ktima Biblia Chora rot Merlot - Cabernet Sauvignon - Agiorgitiko · 90
· Ktima Biblia Chora Sole Vidiano · 93
· Ktima Gerovassiliou Malagousia Single Vineyard · 91
· Ktima Gerovassiliou Malagousia Single Vineyard · 92
· Ktima Kir-Yianni Akakies Sparkling · 88
Alle 20 Verkostungsnotizen aus 2023 anzeigen
· Ktima Kir-Yianni L'Esprit du Lac Vieilles Vignes · 91
· Ktima Merkouri Foloi Roditis - Viognier · 87
· La Tour Melas Silphium · 94
· Lafazanis Winery Geometria Agiorgitiko · 88
· Liepouris Winery Malagousia · 89
· Lyrarakis Kotsifali Queen · 88
· Muses Winery 9 Assyrtiko - Trebbiano - Sauvignon Blanc · 88
· Nico Lazaridi To Mavro Provato · 82
· Papargyriou Winery Cuvée Hélène Goustolidi · 90
· T-Oinos Clos Stegasta Rosé · 91
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