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Ktima Gerovassiliou – Malagousia 2023

Single Vineyard

PGI Epanomi
100% Malagousia
Makedonien, Griechenland
Weißwein | trocken
13,5%

Wer griechische Weine verkostet, will nicht unkritisch sein, konstruktive Kritik gehört zur Sache. Manchmal merkt man aber im Nachhinein, dass man dabei über das Ziel hinausgeschossen ist. Bei diesem 2023er ist mir genau das passiert, und diese Notiz ist die Korrektur.

Zur Vorgeschichte. Der Malagousia vom Ktima Gerovassiliou war bei mir über die Jahrgänge hinweg ein ziemliches Auf und Ab. Den 2020er hatte ich 2021 mit einem Jahr Flaschenreife bei 95 Punkten gesehen, und das war kein Zufallstreffer, sondern ein Wein, bei dem sich schon beim Entkorken ein Schwall Pfirsich in den Raum ergoss. Den 2021er habe ich 2022 im gleichen Alter probiert und kam auf 91. Ihm fehlte die Frucht, sie kämpfte gegen eine florale Überlagerung an, und der schwierige Sommer machte sich bemerkbar. Den 2023er hatte ich dann 2024, wieder mit einem Jahr Flaschenreife, ebenfalls bei 91 und eher am unteren Ende dieser Reihe eingeordnet. Weil alle drei Verkostungen beim gleichen Weinalter stattfanden, ist der Vergleich ungewöhnlich sauber. Was sich unterscheidet, ist tatsächlich der Jahrgang und nicht die Reife.

Und der Jahrgang gab Anlass zur Zurückhaltung. Epanomi liegt als maritime Flachlage am Thermaischen Golf, klimatisch das Gegenteil der makedonischen Nachbarn, mit denen man die Appellation gern in einen Topf wirft. Naoussa ist kontinentale Hanglage, Amyndeon liegt auf 600 bis 700 Metern, Drama hat gar keinen Meerzugang. Die Küstenlage puffert Hitze und bestraft Feuchte, und 2023 war ein feuchtes Jahr. Das Gut selbst beschreibt den Jahrgang als spät und arbeitsintensiv, mit starkem Pilzdruck, meldet die Trauben aber gesund im Keller; die Malagousia war bis spätestens 7. September gelesen, also noch vor den Septemberniederschlägen. Für Epanomi bleibt 2023 damit ein durchschnittliches Jahr, das den Sprung, den Naoussa im selben Jahr machte, ausdrücklich nicht mitgeht, und es liegt sehr deutlich unter 2020. Dazu gehört der Hinweis, dass die Berichterstattung über Epanomi im Kern der Erntebericht dieses Guts selbst ist. Eine unabhängige zweite Stimme gibt es für diese Appellation nicht.

Der Zusatz „Single Vineyard" meint hier übrigens nicht eine Einzelparzelle, sondern den zusammenhängenden Gutsweinberg bei Papamola, der inzwischen über 110 Hektar umfasst und damit ein ungewöhnlich groß dimensionierter Einzelweinberg ist. Er liegt auf 110 bis 150 Metern, auf sandigen Böden mit tonigen Unterlagen und kalkhaltigem Gestein, in dem sich marine Fossilien finden, und ist auf drei Seiten vom nur vier Kilometer entfernten Meer umgeben. Evangelos Gerovassiliou, der die Malagousia als Önologe in Porto Carras vor dem Verschwinden bewahrt hat, begann 1981 mit der Wiederbelebung des damals 2,5 Hektar großen Familienweinbergs; 1986 wurde hier zum ersten Mal vinifiziert. Der Wein selbst geht nach kaltem Schalenkontakt überwiegend im Edelstahl bei 18 Grad in die Gärung, ein kleinerer Teil in französischer Eiche, danach liegt er mehrere Monate auf der Hefe.

Mit dieser Erwartung im Kopf, also schwächerer Jahrgang, knapp drei Jahre auf dem Buckel und eine Sorte, die als Jungtrinker gilt, war der Wein im Glas eine Überraschung. Gut gelagert hat er sich hervorragend weiterentwickelt. In der Nase zeigt er durchaus Steinobstfrucht. Am Gaumen besitzt er mittlerweile eine wunderbare Textur, richtig gute Säure für einen Wein aus dieser Rebsorte und dazu eine schöne Cremigkeit; mehr braucht es eigentlich gar nicht. Die 13,5 % stehen ihm ausgesprochen gut, da ist nichts Brandiges, das Ganze wirkt rund und ausgewogen. Auch knapp drei Jahre nach der Ernte zeigen sich keinerlei oxidative Noten. Vor allem im Mittelteil und im Nachhall präsentiert er sich bemerkenswert konstant, und er gibt inzwischen einen hervorragenden Essensbegleiter ab, der durchaus auch deftigere Gerichte verträgt. Es ist diese Textur, verbunden mit der sich immer wieder regenden Frucht, die selbst in einem zweiten und dritten Nachhall noch ganz sachte den Kopf herausstreckt und an die fruchtigeren Jahrgänge dieses Weins erinnert, die ihn für mich inzwischen wirklich hervorragend macht.

Verglichen mit dem 2020er fehlt natürlich die satte Nektarine, jener Pfirsichschwall von damals. Mittlerweile sehe ich den 2023er aber weniger als enttäuschenden Kompromiss denn als Wein mit Rückgrat, über dessen grundsätzlich ernstere, strukturbetontere Art sich immer wieder fruchtige Obertöne legen.

Bemerkenswert ist das auch jenseits dieser einen Flasche. Von den Weinen, bei denen ich denselben Jahrgang mehrfach über die Jahre im Glas hatte, haben knapp zwei Drittel gehalten oder nachgelassen, gut ein Drittel hat zugelegt. Ausgerechnet ein Malagousia gehört jetzt dazu, während der einzige andere Malagousia in dieser Reihe, der Microcosmos von Domaine Zafeirakis im Jahrgang 2022, zwischen 2023 und 2024 den umgekehrten Weg genommen hat.

Die externe Kritik lag bei diesem Wein von Anfang an über meiner. Peter Moser gab ihm für Falstaff im April 2024 93 Punkte und attestierte ihm ausdrücklich Reifepotenzial, Monica Larner im Wine Advocate im September 2025 92 Punkte, die Decanter World Wine Awards 2024 Silber mit 91 Punkten, dazu kam Gold beim Concours Mondial de Bruxelles. Vor allem Mosers Hinweis auf das Reifepotenzial liest sich aus heutiger Sicht richtiger als meine damalige Zurückhaltung.

Preislich ist der Wein ohnehin eine Ansage. In Griechenland steht er bei rund 17,70 Euro, in Deutschland bei etwa 24 Euro, und der aktuelle Jahrgang kostet in Griechenland unverändert dasselbe. Für einen Weißwein, der nach drei Jahren nicht müde, sondern besser wirkt, ist das ein sehr gutes Verhältnis. Deshalb korrigiere ich meine damalige Bewertung nach oben. Für mich sind das 92 Punkte.

Verkostet: August 2026

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