Ktima Kir-Yianni – Tarsanas 2023
Assyrtiko Single Block
PGI Florina
100% Assyrtiko
Makedonien, Griechenland
Weißwein | trocken
14%
Tarsanas heißt eine kleine Werft, ein Unterstand für Boote. Yiannis Boutaris, der Kir-Yianni 1997 nach seinem Ausscheiden aus dem Familienunternehmen Boutari gegründet hat, wünschte sich laut Familienerzählung einen solchen Ort auf der Lieblingsinsel der Familie. Sein Sohn Stellios, der das Gut heute leitet, hat diesen Wunsch mit dem Namen dieses Weins eingelöst. Ein maritimer Name also für einen Bergwein. Der Assyrtiko Tarsanas Single Block wächst in Westmakedonien, im Gebiet von Amyndeon bei Agios Panteleimonas, in der Lage Samaropetra, die laut Gut auf über 700 Metern liegt. Genauer stammt er aus Block 10, einem nach Nordwesten ausgerichteten Hang mit 10 Prozent Neigung. Der Boden ist flachgründig, arm und sandig-tonig über Kalkgestein. Das Gut beschreibt das Umfeld als kühl und kontinental geprägt, mit den Seen als Temperaturpuffer.
Gepflanzt wurde der Block 2004, zur Lese 2023 waren die Reben also rund 19 Jahre alt. Bis zum ersten Jahrgang 2016 vergingen laut Kir-Yianni zwölf Jahre Arbeit und Experimente, und diesen 2016er beschreibt das Gut nach neun Jahren Flaschenreife als weiterhin entwicklungsfähig. Erzogen wird im einfachen Guyot mit 3.800 Reben je Hektar, 2023 bei höchstens 5.000 Kilogramm je Hektar. Die PDO Amyndeon beruht auf Xinomavro, Assyrtiko ist dagegen in der PGI Florina für Weißwein zugelassen, unter der dieser Wein läuft. Im Keller wurde die Hälfte der Trauben als ganze Trauben gepresst, die andere Hälfte abgebeert. Die Gärung beginnt im Edelstahl und wird in französischer Eiche fortgesetzt. Der Wein reift sechs Monate in Barriques von 225 Litern, zur Hälfte neues Holz, zur Hälfte in dritter und vierter Belegung, mit gelegentlicher, schonender Bâtonnage in den ersten drei Monaten. Heraus kommen 14 Prozent Alkohol, 1,6 Gramm Restzucker und 6,7 Gramm Gesamtsäure pro Liter sowie ein pH von 3,17. Verschlossen ist er mit Naturkork.
Für den Tarsanas-Block im Jahrgang 2023 meldet das Gut keinen nennenswerten Krankheitsdruck. Der Fruchtansatz war jedoch beeinträchtigt, was lockerere Trauben und weniger Menge brachte. Die Reben entwickelten sich verspätet, und von Hand gelesen wurde erst am 6. Oktober 2023, nach dem 26. September im Jahr davor.
Verkostet habe ich ihn im Oktober 2026, rund drei Jahre nach der Lese, bei einer abendlichen Weißweinprobe mit acht Weinen, die von Vidiano zu Assyrtiko führte und der Säurefrage nachging. Die Flasche war ein Muster. Der Tarsanas stand als achter und letzter Wein am Ende und war als einziger 2023er der älteste der Runde. Unmittelbar vor ihm kamen zwei andere Assyrtiko ins Glas, der Petali von Diamantakis und der The North vom selben Gut, beide aus dem Jahrgang 2025. The North ist der zugänglichere Assyrtiko des Hauses, im Edelstahl ausgebaut und mit Schraubverschluss, der Tarsanas die im Fass ausgebaute Einzellagenversion.
Die Erwartung war hoch. Monica Larner gab dem 2023er im Wine Advocate im Juni 2026 93 Punkte, dieselbe Zahl wie im September 2025 dem 2022er, Vinous sah ihn bei 92. Julia Harding MW verwies auf JancisRobinson.com auf eine deutlich wahrnehmbare Zedernholzprägung.
Im Glas zeigt er gleich ein bisschen mehr Farbe als der The North. In der Nase ist er buttrig und minzig und dabei zugleich erfrischend. Es ist selten, so viele grüne Noten und so viel Karamelliges auf einmal in der Nase zu haben. Am Gaumen ist er von der Struktur her mundfüllend, und die Säure setzt erst nach und nach ein, schlägt dann aber immer stärker zu. Dazu kommt Ananas durch. Das Holz ist wirklich fantastisch eingebunden, und man kann es nicht anders betonen – fantastisch. In der Dichte seiner Aromatik reicht er schon beinahe an einen Spitzenburgunder heran.
Dem kleinen Bruder hat er an diesem Abend etwas geschadet. Er war der bestbewertete Wein der Probe, vor dem Bidiano von Passas aus dem Jahrgang 2024 mit 92 und dem Petali mit 91 Punkten. Unter meinen Kir-Yianni-Notizen liegt nur der Diaporos 2018 höher, den ich 2024 mit sechs Jahren bei 94 Punkten hatte. Der Palpo Chardonnay 2022, ein weiterer Einzellagen-Weißwein des Hauses, kam 2023 mit rund einem Jahr auf 92+.
Ein Wein, der seine 93 Punkte so sicher innehat wie jeder andere Wein auf dieser Webseite seine Punkte. Und einer, der auf Messers Schneide tanzt, um nach oben davonzuspringen – 93 Punkte und Potenzial nach oben. In Griechenland kostet er rund 22 Euro. Beim The North hatte ich gesagt, wer einen Einstiegs-Assyrtiko von Santorini sucht, bekommt ihn dort zum halben Preis. Beim Tarsanas sind es 93 Punkte für ein Drittel des Preises, den man auf Santorini dafür zahlen würde. Für mich sind das 93 Punkte.

Verkostet: Oktober 2026