Lyrarakis – Kotsifali Queen 2023
PGI Kreta
100% Kotsifali
Kreta, Griechenland
Rotwein | trocken
13,5%
Lyrarakis, 1966 von den Brüdern Manolis und Sotiris Lyrarakis in Alagni bei Heraklion gegründet und heute in zweiter Generation geführt, hat sich zum Pionier der kretischen Sortenwiederbelebung gemacht – dem Gut verdanken wir, dass Reben wie Dafni, Plyto und Melissaki nicht verschwunden sind. Der „Kotsifali Queen" gehört zur Linie „Queens", in der vier kretische Sorten – Vidiano, Liatiko, Vilana und Kotsifali – je als „Königin" auftreten; das Etikett der 2023 von Wine Wonders gestalteten „4 Queens" greift die frühkretische Textilgeschichte auf. Der Weinberg liegt auf 500 Metern über lehmigem Sand in Nordexposition, in Reichweite von Archanes und Knossos.
Dass der Wein als PGI Kreta firmiert und nicht unter einer PDO, hat einen einfachen Grund: Die rote PDO Peza beziehungsweise Archanes ist traditionell eine Kombination aus Kotsifali und Mandilaria, ein reinsortiger Kotsifali läuft daher zwangsläufig als PGI. Und genau das ist hier die Pointe. Ausgebaut wird ohne Holz, allein im Inox – nach Handlese am 6. September 2023, Vormazeration bei 12 °C für 40 Prozent der Trauben, spontaner Gärung mit einheimischen Hefen und malolaktischer Gärung. Ein sortenreiner, unverholzter Kotsifali also, trocken (2,07 g/l Restzucker), mit 5,35 g/l Säure und pH 3,41 – und vegan.
Als Jahrgang war 2023 auf Kreta ein Extremjahr: Peronospora und Hitze drückten die Erträge um bis zu 70 Prozent, und die Lese verzögerte sich deutlich. 2023 fiel dabei reifer und trockener aus als die Vorjahre – nur 292,6 mm Niederschlag gegen 746,8 mm im Jahr 2022, die Lese am 6. September gegenüber dem 22. August 2022, und mit gut 13,5 Prozent Alkohol über den 13,0 Prozent von 2022 und 13,2 Prozent von 2021. Gerade die späten kretischen Roten – Liatiko, Kotsifali, Mandilari – gelten in diesem Jahr wegen der verzögerten Reife als vielversprechend im Hinblick auf hochwertige Tannine.
Genau das schmecke ich hier. In der Nase ist der Wein fruchtig, mit einem Anflug von Pflaume. Im Antrunk steht eine gute Säure, die sich am Gaumen weiter aufbaut, dazu der mit 13,5 Prozent moderate Alkohol – moderat für Kotsifali, wenn auch etwas höher als in den Vorjahren, was gut passt. Im Nachhall zeigen sich leicht stallige Noten. Und dann das Entscheidende: ein für die Rebsorte respektables Tannin. Kotsifali gilt sonst als weich und aromatisch, aber strukturarm, und braucht üblicherweise Mandilaria als Gerüst für Tannin und Farbe – dies hier ist ein Kotsifali, der kein Mandilaria braucht.
Ganz ohne Vorbehalt bin ich trotzdem nicht. Insgesamt bleibt er ein wenig rustikal und wenig geschliffen; er kommt mit einer gewissen Leichtigkeit daher, bei der man dann Eleganz erwarten könnte, und die stellt sich nicht ein – das steht ihm nicht gut zu Gesicht. Das ist ehrlich gesagt mein generelles Problem mit Kotsifali. Der Nachhall ist lang, aber geschmacklich nicht pompös. Doch bei allem: respektabel.
Eine benannte Kritik für den 2023er gibt es nicht. Über die Jahrgänge hinweg ist der Kotsifali Queen ein solider Wein um die 16,5 von 20 bei Julia Harding auf JancisRobinson.com – den 2022er bewertete sie mit 16,5/20, und ältere Kotsifali lagen mehrfach bei 16 bis 16,5, während Wine Enthusiast dem 2014er 92 und dem 2009er 87 Punkte gab. Keine Sensation also, aber verlässlich, und meine 88 fügen sich in diese Linie. In Griechenland kostet der Wein rund 9,90 Euro, was ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ist; im britischen Import springt der Preis auf etwa 16 bis 16,50 Pfund. 88 Punkte.

Verkostet: Juni 2026