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Lafazanis Winery — Geometria Agiorgitiko 2023

PGI Peloponnes
100% Agiorgitiko
Peloponnes, Griechenland
Rotwein | trocken
13%
Trinkfenster: –2027

Geometria ist die frische, holzfreie Agiorgitiko-Interpretation von Lafazanis, einem Familienweingut am antiken Kleones, direkt am Eingang zur Nemea-Zone. Auf dem Etikett steht trotzdem nicht PDO Nemea, sondern PGI Peloponnes, weil ein Teil der Trauben aus der Hügelregion von Korinthia nördlich von Nemea stammt. Der Name ist Programm, ein bewusst klar konturierter, gezeichneter Agiorgitiko statt eines rustikalen Nemea, und der Ausbau passt dazu, mit 24 Stunden Kaltmazeration, nur sechs Tagen Maischekontakt, kühler Gärung bei 18 °C und ganz ohne Fass. Für rund 10 € ist das ein Wein, der über Frucht und Trinkfluss laufen will, nicht über Holz oder Muskeln.

Diese Stilistik schätze ich. Den 2020er hatte ich mit 89 Punkten als genau diesen unholzigen, trinkfreudigen Agiorgitiko in Erinnerung, mit Feuerstein und feucht-steiniger Frische. Und die Linie kann, wenn man anderen glauben darf, mehr. Der 2021er war der Liebling von 50 Great Greek Wines, dort bester Agiorgitiko und bester Preis-Leistungs-Roter überhaupt, und der 2024er holte bei Decanter Gold mit 95 Punkten, gelobt für einen kalkig-mineralischen Kern, elegante Struktur, kakaoartiges Tannin und Granatapfelsäure. Das ist also kein Allerweltsgewächs, sondern eine Reihe mit echtem Können.

2023 aber war in Nemea ein Krisenjahr. Regen zur Blüte, dann starker Falscher Mehltau, Hitzestress, und im September die Unwetter Daniel und Elias mit Starkregen und Botrytis-Druck. Vieles musste früh und selektiv gelesen werden, die phenolische Reife blieb zurück, die Erträge brachen ein. Für einen Wein, der ohnehin auf Frische und Frucht statt auf Substanz setzt, ist das ein undankbares Jahr, und genau das merkt man.

Voll Neugier, ob davon etwas im Glas ankommt, habe ich ihn verkostet. Die Nase ist noch sehr ansprechend, ein wenig Brombeere, und bei kühler Temperatur entfaltet sich ein florales Bouquet, das den Wein für sich genommen über 90 Punkte heben würde, fast wie ein guter, kühl-floraler Brouilly. Am Gaumen aber bleibt er schlicht zu flach, mit einem kleinen Anklang jenes reduktiven Feuersteins, den ich von der Linie kenne. Vor allem ist der Nachhall zu kurz, erst im zweiten Anlauf kommt etwas Pfeffrigkeit nach.

Bezeichnend ist, dass selbst die hohen Wertungen genau hier liegen. Die International Wine Challenge gab dem 2023er Silber mit 93 Punkten und lobte Rose, Wildblumen, Cranberry und Frische, also durchweg Nase und Charme; von Tiefe, Länge oder Kern ist nirgends die Rede, und Decanter blieb bei Bronze mit 88. Mit meiner Bewertung liege ich damit fast deckungsgleich.

Es ist ein Wein, dessen schöne Idee man riecht, dessen Auftritt am Gaumen aber dem schwierigen Jahr Tribut zollt. Das Potenzial für mehr ist da, glaubt man den Wertungen für den 2021er und den 2024er, und ich bin gespannt, einen rundum gelungenen Jahrgang selbst ins Glas zu bekommen. Diese 88 Punkte gebe ich daher für die Idee, weniger für das, was tatsächlich im Glas steht.

Verkostet: Juni 2026

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