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Ktima Biblia Chora – Biblia Chora rot 2023

Merlot - Cabernet Sauvignon - Agiorgitiko

PGI Pangeon
40% Merlot, 40% Cabernet Sauvignon, 20% Agiorgitiko
Makedonien, Griechenland
Rotwein | trocken
14% | Bio

Der Biblia Chora Rot ist einer meiner liebsten griechischen Gutsweine. Er trägt den Namen des Guts ohne Zusatz und steht damit unter den Prestige-Cuvées wie dem Ovilos, für keine zwanzig Euro der günstigste Rote des Hauses, das Vangelis Gerovassiliou und Vassilis Tsaktsarlis an den Hängen des Pangeon bei Kavala aufgebaut haben. Beide sind in Bordeaux geschult, Gerovassiliou bei Émile Peynaud, und derselbe Gerovassiliou hat einst am Porto Carras die fast verschwundene Malagousia gerettet. Den Keller haben die zwei wie ein Bordeaux-Château angelegt und arbeiten von Beginn an biologisch. Der Name klingt für moderne Ohren nach Büchern, geht aber auf den antiken Biblinos-Wein zurück, der das Pangeon schon in der Antike berühmt machte.

Im Glas ist das ein Bordeaux-Blend, 2023 aus 40 Prozent Merlot, 40 Prozent Cabernet Sauvignon und 20 Prozent Agiorgitiko für die griechische Note. Dieser Agiorgitiko-Anteil schwankt von Jahr zu Jahr, in meinem 2010er und 2019er lag er mit 15 Prozent niedriger. Zwölf Monate reift der Wein in französischer Eiche, und aus eben diesem Holzregime kommt in den guten Jahren jene rauchig-aschige Würze, die für mich die Handschrift des Hauses ist. Über die Jahrgänge war er mir ein verlässlicher Wert. Den 2019er hatte ich 2021 im Glas, zwei Jahre nach dem Jahrgang, und notierte 92 Punkte, den 2010er erst 2023, mit dreizehn Jahren Flaschenreife, und er stand immer noch bei 91+. Das Gut selbst hat den 2023er als außergewöhnliches Pangeon-Jahr gefeiert. Der große nordgriechische Referenzjahrgang der jüngeren Zeit war aber 2019, in den Xinomavro-Zonen die beste Ernte seit zwanzig Jahren, während 2023 dort eine Stufe darunter lag. Für den Kavala-Bordeaux ist das nur ein grober Fingerzeig, doch neugierig hat es mich gemacht, wo dieser Jahrgang landet.

Im Mai habe ich ihn geöffnet, und er lässt mich etwas unentschlossen zurück. Die Nase ist durchaus elegant, Kirsche, ein paar blumige Noten. Am Gaumen kippt das Bild ein wenig. Der Antrunk ist kraftvoll, der Alkohol von 14 Prozent sofort spürbar und den Geschmack breit vor sich her tragend, und bei aller Samtigkeit setzt der Wein zu einseitig aufs Holz, ohne den Mut, es in eben jene rauchig-aschige Würze zu überführen. Erst im Nachhall schält sich der Merlot heraus, mit dunkler Olive, dazu viel Himbeere, dahinter milchschokoladige Tiefe und ein noch ziemlich dominantes Tannin. Nase, Antrunk, Mittelteil und Nachhall greifen mir dabei ein bisschen zu wenig ineinander. Auch die Auszeichnungen passen ins Bild, weniger als Kontrast denn als Bestätigung. Bei Decanter reichte es 2023 nur zu Bronze, dazu kam Gold bei den breiter streuenden Concours Vinalies Internationales und Challenge International du Vin. Ein sehr solider Jahrgang von einem Wein, den ich sehr schätze, aber an den 2019er reicht er nicht heran, und auch der gereifte 2010er hatte mehr Geschlossenheit.

Für mich sind das 90 Punkte.

Verkostet: Mai 2026

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