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Torosidis – Syrah Vidiano 2023

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75% Syrah, 25% Vidiano
Thrakien, Griechenland
Rotwein | trocken
15% | Bio

Torosidis ist ein kleines, junges Weingut aus Thrakien, und der Syrah Vidiano 2023 ist der einzige Rotwein unter den sechs Mustern, die ich im August 2026 von Stathis Torosidis bekommen habe. Sein Weinberg liegt bei der Siedlung Peteinos im Bezirk Xanthi, rund fünf Kilometer von der Stadt entfernt. Verwaltungstechnisch gehört Peteinos zur Gemeinde Avdira, liegt aber außerhalb der Zone der PGI Avdira, die Avdira, Mandra, Myrodato und Maggana umfasst. Auch Vidiano steht nicht in der Sortenliste dieser PGI. Der Wein trägt deshalb keine geschützte Herkunftsangabe und läuft als Sortenwein, als „Wine from Greece“. Das Gut beschreibt Peteinos als experimentellen, nicht klassischen Standort, deutlich verschieden von den etablierten Avdira-Lagen, und die eigene Rebfläche als „extrem klein“.

Torosidis ist laut öffentlichen Profilen ausgebildeter Agronom. Nach Versuchsanbau ab 2003 standen 2013 die ersten Reben, zwischen 2017 und 2019 kamen Malagouzia, Limnio, Syrah und Vidiano dazu. Den Vidiano hat er nach eigener Darstellung in dem Jahr gepflanzt, in dem die Sorte erstmals für den Weinbaudistrikt Xanthi zugelassen wurde. 2020 gab es die erste Flaschenfüllung, 2023 wurde die Bio-Zertifizierung abgeschlossen. Eine eigene Kellerei hat Torosidis nicht. Vinifiziert wird in einer Partnerkellerei der Region, laut Erzeuger bei Anatolikos. Technische Datenblätter gibt es nicht. „In der Phase des Experimentierens und ständiger Versuche“ habe man keine erstellt, schreibt Torosidis.

Der Name nennt schlicht die beiden Sorten. Im Jahrgang 2023 sind es rund drei Viertel Syrah und ein Viertel Vidiano, und das ist keine feste Rezeptur. Die Anteile legt Torosidis jedes Jahr bei der Lese fest, nach den Eigenschaften der beiden Sorten. Dann werden die rote und die weiße Traube gemeinsam im Tank vergoren. Holz kommt nicht ins Spiel, Gärung und Ausbau laufen ausschließlich im Edelstahl. Das Gut versteht ihn als Tankwein, der das aromatische Potenzial beider Sorten zeigen soll. Der Alkohol liegt bei 15,0 Prozent. Der Vorgänger hieß Limnio Syrah Vidiano 2022 und war ein Verschnitt aus drei Sorten, damals noch aus der Bio-Umstellung. Der 2023er trägt das EU-Bio-Logo. Den 2022er, den das Gut weiterhin anbietet, hatte ich nicht im Glas.

Syrah mit einer weißen Sorte kennt man von der Rhône, wo Viognier mitverwendet wird. Auch in Griechenland gibt es dieses Modell, etwa bei Ktima Gerovassiliou, das Viognier in einem seiner Rotweine einsetzt. Ist das hier also eine griechische Antwort auf die Rhône, nur mit noch mehr Weißwein? Und kann so etwas funktionieren?

Verkostet habe ich den Wein im August 2026, knapp drei Jahre nach der Lese, in einer Reihe mit vier weiteren Torosidis-Weinen, dem Viticulturist Malagouzia 2025, dem Malagouzia Vidiano Chardonnay 2024 und den beiden Rosés Limnio Syrah 2024 und Limnio Malagouzia 2023. Den reinsortigen Vidiano 2025 habe ich erst im Oktober im Glas gehabt. Vidiano begegnet einem bei Torosidis also dreimal: sortenrein, in einer weißen Cuvée und hier als Partner einer roten Sorte. Der Rote kam als dritter Wein ins Glas, direkt nach den beiden Weißen. Die hatten mich so fasziniert, dass ich mich schon fragte, ob mit mir bei diesem Preis-Leistungs-Verhältnis irgendetwas nicht stimmt. Geradezu ängstlich habe ich die Flasche geöffnet. Kann es sein, dass auch der dritte Wein auf dieser Linie bleibt? Eigentlich doch kaum möglich.

Im Glas könnte das auch ein Gamay oder ein Pinot Noir sein, farblich nur etwas darüber. Dann die Nase, und ach du meine Güte. Der Gedanke an Gamay ist tatsächlich nicht von der Hand zu weisen. Das riecht wie ein richtig, richtig, richtig guter Beaujolais, und ich glaube nicht, dass man aus dieser französischen Region einen Wein findet, der ihm in der Nase davonpreschen kann. Eine blumige Nase, „lush“, wie man im Englischen sagen würde. Unglaublich. Einige, mit denen ich den Wein trank, spürten die 15 Prozent darin als Schärfe. Ich merke davon nichts, da muss es unterschiedliche Veranlagungen geben. Was ich merke, ist, wie sich das Ganze mit Luft wandelt. Die Blumen treten in den Hintergrund, und es riecht nach zuckersüßer Himbeermarmelade von genau dem richtigen Reifegrad, nach Himbeermarmelade und Sahne, dazu eine kleine, kleine Spur Rosmarin. Unglaublich lecker ist das.

Dann der Schluck. Weich rollt er durch den Mund, und dann packt er doch zu. Jetzt zeigt sich der Syrah, mit Pfeffer, Kakao und einem speckigen Abgang, und auch der Alkohol ist spürbar. Hat man Nase und Gaumen beisammen, ist man für einen kurzen Moment verwirrt, als tränke man einen Amarone. Was ist das für ein Teufelszeug?

Ich kann mich nicht erinnern, in den letzten Jahren einen griechischen Rotwein getrunken zu haben, der mich derart perplex zurückgelassen hat. Und hier zeigt sich das Paradox dieses Weinguts. Der Wein fordert, und trotzdem leert er sich, wie man es sonst beinahe nie erlebt. Natürlich gibt es in Griechenland Low-Intervention-Weine, Orange-Weine, Weine mit Ecken und Kanten, bei denen es auch mal stallig zugeht, und das gefällt mir durchaus. Mit diesen Weinen bin ich dann aber eben alleine. Die Weine von Torosidis haben Charakter, aber sie ecken nicht an. Sie begeistern.

In der Reihe der sechs steht der Rote oben. Der Viticulturist Malagouzia 2025 kam bei mir auf 93 Punkte, der Malagouzia Vidiano Chardonnay 2024 auf 91. Der Vidiano 2025 erreichte 90, der Rosé Limnio Syrah 2024 89 und der Rosé Limnio Malagouzia 2023 88. Eine zweite Flasche will ich unbedingt einmal neben einem vergleichbaren Spitzen-Beaujolais verkosten. Ich kann nur empfehlen, diesen Wein in eine Blindverkostung unterzumogeln. Für mich ist er die größte Rotwein-Überraschung der letzten Jahre.

Weil Torosidis die Anteile jedes Jahr bei der Lese neu festlegt, ist nicht gesagt, dass ein solcher Wein wiederkommt. Man kann nur hoffen, dass ein künftiger Jahrgang wieder so etwas auf die Flasche bringt. Der Gedanke, dass der 2023er etwas Einmaliges war, ist geradezu unerträglich.

Drei Jahre hat er auf dem Buckel, und wie er sich weiter entwickelt, kann ich bei dieser ersten Begegnung noch nicht abschätzen. Deshalb ist meine Wertung tatsächlich sehr, sehr konservativ. Und darf ich den Preis überhaupt erwähnen? Eigentlich gehört er verboten. In Griechenland kostet der Wein rund 8 Euro, und vom Preis-Leistungs-Verhältnis her ist das schlicht nicht zu schlagen. Für mich sind das 95 Punkte.

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Verkostet: August 2026

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