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T-Oinos – Clos Stegasta Rosé 2023

PGI Kykladen
35% Assyrtiko, 35% Mavrotragano, 20% Augoustiatis, 10% Malagousia
Kykladen, Griechenland
Roséwein | trocken
12%

T-Oinos ist das Prestigeprojekt von Alexander Avatangelos und Gérard Margeon auf Tinos: 1999 als Idee geboren, ab 2002 bepflanzt, mit den ersten Weinen 2008 am Markt und seit 2016 von Stéphane Derenoncourt beraten, während Thanos Georgilas – zuvor bei Opus One und Château Latour – die Weine macht. Es ist ein Ort mit tiefer Vorgeschichte, denn auf Tinos reichen Kelterspuren bis 4.000 v. Chr. zurück, 1768 zählte man zwanzig verschiedene Weine, und bis 1909 füllte die Insel rund 30.000 Fässer im Jahr. Die Reben – Buschreben, einzeln an Pfähle gegen den Wind gebunden, 10.000 Stöcke je Hektar bei nur 25 Hektolitern Ertrag – stehen auf 400 bis 450 Metern in den Parzellen Stegasta, Sparveri und Agios Dimitrios auf Granit und sandigem Lehm beziehungsweise Schiefer. Stegasta, das rund 470 Meter hohe Plateau mit seinen Granitblöcken, verdankt seinen Namen dem griechischen Wort für „überdacht", nach den geschützten alten Pressplätzen in den Weinbergen; der Meltemi kühlt hier um drei bis vier Grad, Sommernebel dient als Sonnenschutz. Und ja, wilde Ziegen sind eine reale Plage.

Der Clos Stegasta Rosé ist der Spitzen-Rosé des Hauses, klar über dem einfacheren Mavrosé angesiedelt. Er entsteht aus 35 % Assyrtiko, 35 % Mavrotragano, 20 % Augoustiatis und 10 % Malagousia, per Direktpressung, in Edelstahl vergoren mit Hefen, die aus den eigenen Weinbergen isoliert werden, und bis zu sechs Monate auf der Feinhefe ausgebaut. 2022 war der erste Jahrgang dieses Weins – und genau da liegt für mich die eigentliche Geschichte, denn den 2022er habe ich 2024 mit rund zwei Jahren verkostet und mit 94+ bewertet, also mit ausdrücklichem Reifepotenzial. Der 2023er fällt bei mir um drei Punkte darunter.

Als Jahrgang erklärt 2023 dieses Gefälle fast von selbst. Blend, Pflanzdichte, Ertrag und Vinifikation sind gegenüber 2022 identisch geblieben, doch während 2022 als exzellenter, kühler und homogener Jahrgang gilt (der Wein kam auf 13 %), war 2023 warm und niederschlagsarm, mit spätem Austrieb und Hitzepeaks. Gelesen wurde entsprechend früher – am 15. September statt am 18. September – und im Glas landen nur 12 %. T-Oinos publiziert keine Säurewerte, aber das Bild fügt sich: Die frühere, knappere Lese im Hitzejahr hat die Säure gerettet, Textur und Komplexität blieben dünner.

Das deckt sich exakt mit meinem Eindruck. Die Nase ist recht kräuterig, dazu grüner Apfel, insgesamt aber relativ verhalten. Am Gaumen ist der Antrunk sehr druckvoll, dann übernimmt eine starke Säure das Kommando, begleitet von einem mürben Mundgefühl – bei Weitem nicht so anschmiegsam wie der hauseigene Mavrosé 2025, den ich parallel verkostet habe. Die Komplexität, die man sich stattdessen erhoffen würde, findet sich nicht, und im Nachhall bleibt außer der Säure wenig; nur eine leichte Bitternote macht noch einmal auf sich aufmerksam. Das Alterungspotenzial, das ich beim 2022er gesehen habe, sehe ich hier nicht.

James Suckling sah das im Januar 2025 anders und gab dem 2023er 94 Punkte, Simos Georgopoulos von FNL kam auf 8,5 von 10. Ich liege mit meinem Urteil deutlich darunter. 92 wären vielleicht noch zu rechtfertigen, aber es fehlt der in sich geschlossene Gesamteindruck, es fehlt die Komplexität beim Nachschmecken. Bei 58 Euro im Shop von Greece & Grapes – hochpreisiges Rosé-Segment, weit über dem Mavrosé zu 33,50 Euro, der für mich auf derselben Qualitätsebene liegt – ist das ein ehrlicher Reibungspunkt.

91 Punkte.

Verkostet: Mai 2026

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