Jahrgang 2022
trocken · knapp · im Herbst gerettet
Landesweit 8,0 von 10 · Sicherheit der Einstufung: hoch
Santorini – Rot 8,0 · Weiß 9,0 (Sicherheit: hoch)
Naoussa – Rot 8,0 (Sicherheit: hoch)
Amyndeon – Rot 8,0 (Sicherheit: hoch)
Attika – Rot 8,0 · Weiß 8,0 (Sicherheit: mittel)
Lokris – Rot 8,0 · Weiß 8,0 (Sicherheit: mittel)
Nemea – Rot 8,0 (Sicherheit: mittel)
Mantinia – Weiß 8,0 (Sicherheit: mittel)
Thessaloniki mit Epanomi – Rot 7,5 · Weiß 8,0 (Sicherheit: mittel)
Karditsa – Rot 8,0 · Weiß 8,0 (Sicherheit: niedrig)
Metsovo – Rot 8,0 · Weiß 8,0 (Sicherheit: mittel)
Goumenissa – Rot 7,5 · Weiß 7,5 (Sicherheit: mittel)
Kreta 7,0 · Pangeon 7,5 · Drama 6,5 · Peloponnes außerhalb von Nemea und Mantinia 7,0 (jeweils als Gesamtwert ohne Farbtrennung)
Der Attika-Wert gilt für die Ebene um Athen, nicht für Lokris in Phthiotis; das trägt einen eigenen. Epanomi liegt in der Regionaleinheit Thessaloniki.
Das dritte Achterjahr, und das mit Abstand knappste. Griechenland brachte 2022 rund 2,1 Millionen Hektoliter ein, vierzehn Prozent weniger als im Vorjahr und eine der kleinsten Mengen seit Jahrzehnten. Es war das zweite ausgeprägte Trockenjahr in Folge, am härtesten für den Süden, die Inseln und den Osten.
Eine landesweite Katastrophe wie den Medicane zwei Jahre zuvor gab es nicht. Stattdessen entschied sich dieser Jahrgang regional, und in zwei Gebieten fiel er gegensätzlich aus.
Makedonien – Naoussa 8,0 · Amyndeon 8,0
Der Winter war streng kalt, die Berge schneebedeckt, unterbrochen von Regenintervallen. Die Reben gingen in vollständige Winterruhe, was die Fruchtbarkeit der Knospen erhöhte, und der Grundwasser- horizont füllte sich auf. Der März kam deutlich kälter und nasser als üblich, danach wurde es trocken. Der Austrieb erfolgte am 8. April, rund eine Woche später als im Jahr zuvor.
Der kritische Moment kam zum Septemberbeginn: 100 Millimeter Starkregen über einem spätreifenden Rotwein, der noch Wochen brauchte. Was folgte, entschied den Jahrgang – fast vierzig Tage mit heißen Tagen und kühlen Nächten, ab dem 5. September mit trockenerer Luft. Der Regen war das Risiko, die vierzig Tage danach die Rettung. Für Xinomavro in Amyndeon wirkte die Spanne zwischen Tag und Nacht wie ein Konzentrator, für Zucker wie für Farbstoffe. Kir-Yianni verglich die Qualität mit 2019.
An den Südosthängen des Paiko lief Goumenissa denselben Weg, endet aber einen halben Punkt tiefer. Auch dort verzögerten späte Schneefälle den Austrieb, auch dort blieb der Sommer ab Juli ohne scharfe Hitzewellen, und der Septemberregen hielt die späten Sorten nur wenige Tage auf, ohne Gesundheit oder Qualität zu beschädigen; die Menge lag zehn Prozent über 2020. Der Unterschied steckt in der Sorte: Für Cabernet und Merlot war das Jahr ausgezeichnet, für das Xinomavro der Appellation nur gut – besser als im Vorjahr, aber nicht auf der Höhe des Landes.
Santorini – Weiß 9,0
Der höchste Weißweinwert, den wir je vergeben haben, und er steht ausgerechnet in einem Trockenjahr.
Auf Santorini gibt es normalerweise Menge oder Qualität, nicht beides. 2019 kam die Qualität ohne Menge, 2025 wiederholte sich das bei fünfundachtzig Prozent Ausfall. 2022 ist in unserer ganzen Reihe der einzige Jahrgang, in dem beides zusammenfiel.
Der Grund liegt im Winter davor. Von Oktober 2021 bis Mitte März fielen 320 Millimeter Regen gegen nur 190 im Vorjahreszeitraum. Für die Kouloura-Buschreben, die ohne Bewässerung an einer harten Wasserobergrenze arbeiten, entscheidet genau das darüber, ob eine Rebe überlebt oder wächst. Dazu kam ein warmes Frühjahr ohne die Starkwinde, die auf der Insel sonst die empfindlichen Wachstumsphasen zerstören – drei Jahre zuvor hatten eben diese Winde die Ernte vernichtet. Der Fruchtansatz gelang entsprechend, und anders als 2021 blieben Hitzewellen aus.
Gelesen wurde ab Mitte August, sortenweise gestaffelt: Assyrtiko und Athiri am 14., Mavrotragano am 15., Mandilaria am 27. August, Aidani erst am 8. September. Dazwischen, am 24. August, fiel ein Starkregen von etwa siebenundzwanzig Millimetern, wie ihn erfahrene Beobachter dort in zwanzig Jahren nicht gesehen hatten, und unterbrach die Lese in mehreren Zonen. Das Assyrtiko war da weitgehend herein; die späten Sorten traf er.
Die Inselproduktion lag am Ende fünfundzwanzig bis dreißig Prozent über dem Vorjahr.
Peloponnes – Nemea 8,0 · Mantinia 8,0
Milde Witterung mit überdurchschnittlichem Regen, was in einem zweiten Trockenjahr eine willkommene Ausnahme war. Der Preis dafür kam im Frühjahr: Fröste Ende März und Hagel beschädigten Teile der Nemea-Ebene sowie Gymno, Asprokambos und Leontio, Austrieb und Blüte verzögerten sich um etwa zwei Wochen. Im Talboden wuchsen daraus sehr reife, großzügige Weine mit hoher Säure, denn Hitzewellen blieben aus.
In Mantinia trieb der Moschofilero rund zehn Tage später aus als gewohnt. Frühjahrsregen und bedeckter Himmel begünstigten den Falschen Mehltau; die sommerliche Hitzewelle wurde von der Höhenlage abgefedert, und die große Tag-Nacht-Spanne hielt Frische und Säure.
Attika – 8,0
Hier war 2022 ein zäher Jahrgang. Auf einen normalen Winter mit viel Bergschnee folgte ein kühles Frühjahr, das den Vegetationsstart verzögerte. Der Mai brachte Regen und stellenweise Hagel, die Blüte verspätete sich, der Fruchtansatz fiel regional dünn aus – zusammengenommen rund zwanzig Prozent weniger Menge als im Vorjahr.
Der Sommer blieb kühl, mit Regen im Juni und Juli bei normalen Temperaturen und einer gleichmäßigen Reife. Dann kam der August, und mit ihm anhaltender Regen vor allem in der zweiten Monatshälfte: unterbrochene Lese, Krankheitsdruck. Der September wurde besser, und die späten Roten kamen erst Mitte bis Ende Oktober herein.
Am Nordeuböischen Golf, in Lokris, verlief dasselbe Jahr geradliniger. Bis in den April blieb es sehr kalt, mit Schnee in Wellen, was Austrieb und Blüte verzögerte; die üblichen Juniregen brachten die Beeren dann gleichmäßig durch die Reife, und in den Wochen vor der Lese blieb es trocken, was die empfindlichen weißen Sorten vor Pilzbefall schützte. Die Verspätung holte sich heraus, gelesen wurde zu den gewohnten Terminen und bis Ende September. Gegenüber dem stark verkürzten Vorjahr lag die Menge um rund die Hälfte höher, wieder auf dem Stand von 2020, bei ausgewogenem Verhältnis von Zucker und Säure.
Karditsa – 8,0
In der thessalischen Ebene, ausdrücklich für die Zone um Mesenikolas, fiel wenig Frühjahrsregen; der Sommer blieb mild, die Niederschläge minimal und die Luftfeuchte niedrig. In der Reifephase wurde es heiß, zur Lese normal. Die Menge lag rund dreißig Prozent über 2021.
Drama – 6,5
Der schwächste Wert dieses Jahrgangs, und er hat einen anderen Grund als überall sonst. Drama ist kühl und spät; wenn ein Jahr die Wärme am Ende schuldig bleibt, laufen die Roten dort nicht in Fäulnis, sondern in unfertige Gerbstoffe. Genau das erklärt 2022 an diesem Ort.
Unsere Weine
Zweiundzwanzig griechische Weine aus 2022 haben wir bisher verkostet, von siebzehn Erzeugern. Der Median liegt bei 92 Punkten.
An der Spitze steht der Ovilos weiß vom Ktima Biblia Chora aus dem Pangeon. Dahinter, knapp voneinander getrennt, der Clos Stegasta Rosé von T-Oinos aus den Kykladen und das Assyrtiko der Vriniotis Winery von Evia.
Von Santorini selbst, dem Gebiet, das in diesem Jahrgang am höchsten steht, haben wir bisher zwei Flaschen im Glas gehabt: das Assyrtiko vom Estate Argyros mit 93 und den Santorini der Canava Chrissou-Tselepos mit 91. Bei zweiundzwanzig Notizen ist das ein Jahrgang, der bei uns noch wächst.
Top 3 der eigenen Verkostungen
Rang 1 – 95+ Punkte Ktima Biblia Chora Ovilos weiß
Rang 2 – 94+ Punkte T-Oinos Clos Stegasta Rosé
Rang 3 – 94 Punkte Vriniotis Winery Assyrtiko
Alle Verkostungsnotizen aus 2022
· Afytaion Gaia Cabernet Blanc Experimental Vinification · 84
· Alpha Estate Axia · 90
· Alpha Estate Hedgehog Rosé Single Vineyard · 91
· Alpha Estate Sauvignon Blanc · 91
· Canava Chrissou – Tselepos Santorini Vieilles Vignes · 91
· Domaine Paterianakis Melissinos Kotsifali - Syrah · 93
· Domaine Zafeirakis Limniona rosé · 92
· Domaine Zafeirakis Logos Chardonnay · 90
· Domaine Zafeirakis Microcosmos Malagousia · 92
· Domaine Zafeirakis Microcosmos Malagousia · 91
Alle 22 Verkostungsnotizen aus 2022 anzeigen
· Estate Argyros Assyrtiko Santorini · 93
· Estate Manolesakis Pelagia · 92
· Kechris Winery Tear of the Pine · 91
· Ktima Biblia Chora Ovilos weiß Sémillon - Assyrtiko · 95
· Ktima Katsarou Stella Chardonnay · 91
· Ktima Kir-Yianni Palpo Single Vineyard · 92
· Ktima Tselepos Marmarias Single Vineyard · 92
· Lacules Estate The Chord · 93
· Oinotropai Winery Roes Merlot Rosé · 90
· Papargyriou Winery Le Roi Des Montagnes Assyrtiko · 93
· T-Oinos Clos Stegasta Rosé · 94
· Vriniotis Winery Assyrtiko OMMA sur lie · 94
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