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GAIA Wines – Assyrtiko Wild Ferment 2023

PDO Santorini
100% Assyrtiko
Kykladen, Griechenland
Weißwein | trocken
13,5%

GAIA Wines gehört zu den Häusern, an denen man die Modernisierung des griechischen Weins ablesen kann: 1994 von Yiannis Paraskevopoulos, promoviertem Bordeaux-Önologen, und Leon Karatsalos gegründet, mit einem Santorini-Keller in einer ehemaligen Tomatenfabrik zwischen Kamari und Monolithos. Zu den Kuriositäten des Guts zählt die Unterwasser-Reifung – 2009 versenkte GAIA 450 Flaschen Thalassitis im Meer, und aus dieser Charge konnten 2014 nur drei geborgen werden. Der „Assyrtiko by Gaia Wild Ferment" läuft seit dem ersten Jahrgang 2008 und trägt seine Machart im Namen: „Wild Ferment" steht für die Spontangärung mit wilden Hefen. Die Trauben stammen zu 100 Prozent aus Pyrgos, den Hochlagen zwischen 50 und 250 Metern auf vulkanischem Bims, und laut Rücketikett von wurzelechten „Ungrafted Old Vines" – im Schnitt 70 bis 80 Jahre alte Reben, deren Wurzelsysteme teils über drei Jahrhunderte zurückreichen.

Nach zwölf Stunden Kaltmazeration bei rund 10 °C vergärt der Wein spontan in 1.000-Liter-Edelstahltanks und 225-Liter-Fässern, ohne Temperatursteuerung und ohne biologischen Säureabbau. Der Ausbau verteilt sich auf 45 Prozent Edelstahl, 45 Prozent Holz – französische und amerikanische Eiche plus französische Akazie – und 10 Prozent Keramik-Sphären, über etwa sechs Monate mit häufiger Bâtonnage. 24.500 Flaschen kamen zusammen, und der Produzent empfiehlt ausdrücklich, den Wein rund 30 Minuten zu dekantieren.

Diese Flaschenzahl ist der eigentliche Aufhänger, wenn man sich den Jahrgang ansieht. 2023 war auf Santorini ein Katastrophenjahr: Hagel am 23. April in der zentralen Zone, starke Frühjahrswinde, ungewöhnliche Spätfrühjahrsregen und eine verlängerte Julihitze drückten den Ertrag auf nur etwa 30 Prozent des Durchschnitts, Assyrtiko war extrem knapp. Analytisch fiel der 2023er dabei etwas milder und runder aus als das säureschärfere 2022 – pH 3,07 gegenüber 2,94. Dass aus einem solchen Mangeljahr überhaupt eine derart opulente Flasche entsteht, ist die eigentliche Leistung.

Diesen Wein hatte ich schon viele, viele Male im Glas, und dennoch kann ich mich an keinen erinnern, der so viel Zitrusfrucht in der Nase mitgebracht hätte. Am Gaumen dann diese Spannung, ohne in die klassische Santorini-Strenge zu verfallen – eine Strenge, die ich für überschätzt halte, zu sehr gehypt, wobei das ja schon im Wort steckt. Vor dem Nachhall steht das Wichtigste: eine wunderbare Textur. Und dann ein langer, langer Nachhall mit genau der richtigen Menge Restfrucht. Für mich ist das der opulenteste unter den GAIA-Weinen, die ich kenne.

Die internationale Kritik liegt eng beieinander: Der Wine Advocate gab dem 2023er 93+, Decanter 93 (mit Zitrusschale und salzigem Zitronenöl), Pavlos Gegas 92(+) mit „sehr zitrisch" und einem Fenster bis 2031/33, der Wine Spectator 90. Meine Zitrus-Wahrnehmung deckt sich also frappant mit dem, was Decanter und Gegas notiert haben. Dieser Wild Ferment gefällt mir besser als viele Santorini-Assyrtikos, die bei anderen Kritikern 94 Punkte und mehr einsammeln. Er zeigt genau, dass Intensität nicht in scharfkantiger Strenge aufgehen muss.

Der 2023er kostet je nach Markt zwischen etwa 37 und 52 Euro; die deutsche Listung bei 31,90 Euro ist vergriffen, in Griechenland werden 52,10 Euro aufgerufen. 93 Punkte.

Verkostet: Juni 2026

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