Torosidis – Limnio Malagouzia 2023
65% Malagouzia, 35% Limnio
Thrakien, Griechenland
Roséwein | halbtrocken
15% | Bio
Torosidis ist für mich der Newcomer des Jahres, meine Entdeckung unter den griechischen Weingütern. Stathis Torosidis bewirtschaftet in Peteinos, rund fünf Kilometer von Xanthi in Thrakien entfernt, einen Weinberg, den er selbst als extrem klein beschreibt. Den Standort versteht er als Experiment. Er liegt bewusst abseits der bekannten Lagen um Avdira und abseits der Höhen- und Meeresstandorte, die als sicher gelten. Nach Jahren des Versuchsanbaus legte Torosidis 2013 den ersten eigenen Weinberg an. Zwischen 2017 und 2019 kamen Malagouzia, Limnio, Syrah und Vidiano dazu, 2020 füllte er den ersten Wein ab. Eine eigene Kellerei hat das Haus nicht, vinifiziert wird laut Erzeuger bei der Anatolikos Winery in der Region. Technische Datenblätter gibt es bewusst keine, weil man sich nach Auskunft des Erzeugers noch in einer Phase des Experimentierens und der laufenden Versuche befindet.
Der Limnio Malagouzia nennt schlicht seine beiden Rebsorten. Die rote Limnio und die weiße Malagouzia wurden in fortgeschrittener Reife gelesen und nicht nachträglich verschnitten, sondern gemeinsam im Tank bei niedrigen Temperaturen vergoren. Die Anteile legt Torosidis jeweils bei der Lese fest, 2023 waren es 65 % Malagouzia und 35 % Limnio. Danach lag der Wein sechs Monate auf der Feinhefe. Gärung und Ausbau liefen ausschließlich im Edelstahl, Holz setzt Torosidis bei keinem seiner Weine ein. Auf dem Etikett steht „Fermented until natural sweetness“. Die 8,5 g/l Restzucker bei der Abfüllung stammen nach Angabe des Erzeugers aus dem Zucker, der nach der Gärung übrig blieb. Der Wein ist damit halbtrocken, und das bei 15 % Alkohol. Geführt wird er vom Erzeuger als stiller Rosé. Peteinos gehört zwar zur Gemeinde Avdira, liegt aber laut Erzeuger außerhalb der Zone, die die PGI Avdira tragen darf. Deshalb ist der Wein als Sortenwein ohne geschützte Herkunft eingestuft. Im Mai 2024 stellte Torosidis ihn als seinen ersten zertifizierten Bio-Wein vor, die Bio-Zertifizierung über GMCERT hatte das Gut nach eigener Darstellung 2023 abgeschlossen.
Verkostet habe ich den Wein im August 2026, knapp drei Jahre nach der Lese, in einer Reihe mit weiteren Mustern des Guts, den Weißweinen Malagouzia Vidiano Chardonnay 2024 und Viticulturist Malagouzia 2025, dem Rotwein Syrah Vidiano 2023 und als zweitem Rosé dem Limnio Syrah 2024. Den sechsten Wein, den Vidiano 2025, hatte ich erst im Oktober im Glas.
Der Limnio Malagouzia hat so viel Kohlensäure, dass es richtig ploppt, wenn man den Korken zieht. Für mich zählt das eigentlich schon als half sparkling. Die Nase ist karamellig, aber tatsächlich relativ verhalten. Am Gaumen zeigt er dann eine sehr schöne Süße, und auch die Kohlensäure spielt gut damit. Eine Spur mehr Säure wäre nicht schlecht. Der Nachhall ist mir persönlich zu oxidativ. Ich schmecke dort auch ein bisschen Brett oder nassen Hund, wobei ich da ein bisschen hin- und hergerissen bin.
Für mich passt das nicht ganz zum Konzept. Dem Wein fehlt damit etwas, das die meisten anderen Weine des Hauses haben, nämlich ordentlicher Zug. Der Viticulturist Malagouzia 2025 aus derselben Runde etwa hatte unglaublichen Zug. Die beiden Rosés waren interessant, aber nicht ganz beeindruckend. Der Limnio Syrah 2024 ist der eher langweilig brave der beiden und liegt bei mir mit 89 Punkten knapp vorn. Dieser hier ist der mutige, aber nicht sehr überzeugende. Die übrigen Weine der Runde notierte ich mit 90 Punkten für den Vidiano 2025, 91 für den Malagouzia Vidiano Chardonnay 2024 und 94 für den Syrah Vidiano 2023. Die Idee hinter dem Limnio Malagouzia ist sehr gut, aber hier sehe ich noch Potenzial nach oben. Der Wein kostet rund 8 Euro in Griechenland. Die 15 % Alkohol stören im Nachhall überhaupt nicht, er wirkt überhaupt nicht brandig. Für mich sind das 88 Punkte. Mit viel Potenzial nach oben.

Verkostet: August 2026