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Malagousia: Griechenlands gerettete weiße Rebsorte

Steckbrief

FarbeWeiß – trocken, dazu eine große edelsüße Ausnahme

Namegriechisch Μαλαγουζιά, gesprochen ma-la-gu-SJA; auf Etiketten auch „Malagouzia"

Heimatursprünglich Westgriechenland am Golf von Korinth; angebaut von Makedonien bis zum Peloponnes

Appellationenkeine einzige PDO – Malagousia läuft überall als Landwein (PGI)

TypischPfirsich, Zitrusblüte, Jasmin, grüne Kräuter – mittlerer Körper, milde bis mittlere Säure

Stilevon schlank und säurebetont bis üppig und muskatartig – die Sorte folgt dem Keller

Vergleichwandlungsfähig wie Müller-Thurgau, nicht festgelegt wie Muskateller

Alle Punktzahlen auf dieser Seite stammen aus unseren eigenen Verkostungen; wir verkaufen keinen Wein. Wo wir eine Zahl wie „aus 30 eigenen Verkostungen" nennen, zählen wir Weine, die sortenrein sind oder mindestens zur Hälfte aus Malagousia bestehen – Cuvées mit kleinem Malagousia-Anteil bleiben draußen.

 

Was ist Malagousia?

Malagousia ist die Rebsorte mit der besten Rettungsgeschichte Griechenlands. Ihre alte Heimat liegt im Westen des Landes, am Golf von Korinth um Nafpaktos und Mesolongi – und dort wäre sie beinahe verschwunden. Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts stand die Sorte kurz vor dem Aus; eine eigene geschützte Ursprungsbezeichnung hat sie nie bekommen. Jeder Malagousia im Regal ist ein Landwein, gleich wie gut er ist.

Dass es sie überhaupt noch gibt, verdankt sie vor allem einem Mann. Evangelos Gerovassiliou lernte die fast vergessene Traube als Önologe von Porto Carras auf Chalkidiki kennen und erkannte, was in ihr steckt. 1981 belebte er den 2,5 Hektar kleinen Familienweinberg in Epanomi südlich von Thessaloniki wieder, 1986 vinifizierte er dort seine erste Malagousia, 1994 kam die erste eigene Abfüllung auf den Markt. Aus dem Experiment ist längst eine Bewegung geworden: Unsere 30 Verkostungen verteilen sich über zwölf Landwein-Gebiete von Florina im Norden bis Ilia im Südwesten des Peloponnes.

Der Aufstieg hat eine Kehrseite, und man sollte sie kennen: Malagousia ist aromatisch, süffig und früh zugänglich – genau das Profil, mit dem eine Sorte zum beliebigen Sommerwein werden kann. Die Spannweite unserer Bewertungen reicht von 83 bis 95 Punkten. Zwischen einem belanglosen und einem großen Malagousia liegen Welten, und diese Seite soll helfen, sie zu erkennen.

 

Wie schmeckt Malagousia?

Das Sortenbild: Pfirsich und exotische Frucht, Zitrus- und Jasminblüte, dazu ein grüner Kräuterton – Basilikum, Minze, manchmal Limettenblatt. Der Körper ist mittel bis üppig, die Säure moderat. So weit das Lehrbuch.

Interessanter ist, was die Sorte daraus macht. Der übliche Vergleich mit dem Muskateller führt in die Irre – treffender ist der Müller-Thurgau: eine Traube, die nicht ein festes Aroma mitbringt, sondern dem Winzer folgt. Kühl gelesen und im Stahl ausgebaut wird Malagousia schlank und zitrisch, mit später Lese und Holz wird sie cremig und opulent. Die Muskatnote, die viele für den Kern der Sorte halten, ist in Wahrheit eine Frage des Alkohols: Sie tritt vor allem oberhalb von etwa 13 Prozent auf – und verdrängt dann die feineren floralen und zitrischen Töne. Unsere Flaschen lagen zwischen 11,5 und 13,5 Prozent, und die leichteren waren selten die schlechteren.

Am Tisch ist Malagousia unkompliziert: Meze, gegrillter Fisch, Geflügel, Kräuterküche. Die üppigeren Vertreter vertragen auch cremige Saucen und reifen Weichkäse.

 

Epanomi und der Norden

Der Thermaische Golf bei Epanomi im Abendlicht, ein Fischerboot im Wasser, am Horizont der Olymp

Der Thermaische Golf bei Epanomi, am Horizont der Olymp – dieses Meer umgibt die Weinberge der PGI auf drei Seiten. Foto: Kataadj / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

 

Epanomi ist der Ort, an dem die Rettung stattfand – und die Referenz geblieben. Der Gutsweinberg Papamola von Ktima Gerovassiliou liegt auf 110 bis 150 Metern, auf drei Seiten vom nur vier Kilometer entfernten Meer umgeben, auf sandigen Böden über Ton und kalkhaltigem Gestein mit marinen Fossilien. „Single Vineyard" meint hier den zusammenhängenden Gutsweinberg von über 110 Hektar, nicht eine Einzelparzelle.

Was dort entsteht, führt die Sorte an ihre Spitze. Der Malagousia Single Vineyard 2020 war mit 95 Punkten der beste trockene Malagousia, den wir je im Glas hatten – Pfirsich, Blüten und Kräuter in perfekter Balance, mit einer Länge, die man der Sorte nicht zutraut. Der 2023er (92) bestätigt das Niveau, der 2021er (91) blieb dahinter zurück – drei Jahrgänge, die wir jeweils jung verkostet haben und die sich sauber vergleichen lassen.

Drama ist das zweite Zentrum des Nordens – und die Region, die Gerovassiliou am nächsten kommt. Ktima Erithrou Rodou arbeitet mit Erträgen unter 30 Hektolitern je Hektar und verwendet nur den Vorlaufmost, ohne Pressung. Das Ergebnis: 2021 (94, der beste Nicht-Gerovassiliou unserer Reihe), 2024 (92) und 2020 (92) – drei Jahrgänge, dreimal weit oben. Ebenfalls aus Drama kommt der Malagouzia 2025 von Estate Manolesakis (92), eine unserer jüngsten Verkostungen, während der Malagousia 2019 von Costa Lazaridi (83) zeigte, dass ein großer Name der Region kein Selbstläufer ist.

 

Zwei Flaschen von Ktima Erithrou Rodou im Gras: Malagousia 2024 und Assyrtiko French Oak 2024

Die 2024er von Ktima Erithrou Rodou aus Drama – die Malagousia neben ihrem Assyrtiko-Schwesterwein. Eigenes Foto

 

Ganz im Nordwesten, in Florina, steht Alpha Estate für die kühle Lesart der Sorte. Den Single-Vineyard „Turtles" kennen wir aus zwei Jahrgängen: 2025 (92) und 2020 (91) – beide präzise, kräutrig, mit mehr Zug als die meisten südlichen Vertreter.

 

Der Süden und die Mitte

Der Peloponnes stellt so viele Weine unserer Malagousia-Verkostungen wie Makedonien – die Sorte ist längst keine Nordgriechin mehr. Die Ergebnisse streuen allerdings stärker.

 

Weinberg mit Buschreben, dahinter Olivenhaine und ein blühender Judasbaum bei Nemea

Reben, Oliven und Judasbaum bei Nemea in Korinth – die Kulturlandschaft, in der die südlichen Malagousia wachsen. Foto: ulrichstill / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de

 

Die Überraschung der Reihe kommt aus Korinth: Der Mavrioros 2020 von Ktima Kissa (93) hält mit den großen Namen des Nordens mühelos mit. Dahinter zeigt Olympia Land Estate aus Ilia mit der Ekecheiria 2020 (90+) und dem regulären Malagousia 2020 (89), wie viel Sortencharakter auch im Südwesten geht. Der Windmill Malagouzia 2019 von Giannikos (90) und die Geometria 2021 von Lafazanis (90) liegen auf demselben soliden Niveau. Nach unten wird der Peloponnes ehrlicher: Nemea Winery (85), Dionysos (84) und Panagiotopoulos (83) zeigen die belanglose Seite der Sorte – sauber, süffig, austauschbar.

In Attika überzeugt Mylonas (90+) aus dem Savatiano-Land mit einem druckvollen, salzigen Malagousia; der Liepouris 2023 (89+) folgt knapp dahinter. In Mittelgriechenland ragt der Dryos 2021 von Domaine Hatzimichalis (93+) aus dem Atalanti-Tal heraus – nach den beiden Gerovassiliou-95ern die höchste Wertung unserer Malagousia-Reihe. Der Palaiokastra 2021 von Karadimos (91) von den Hängen der Knimida bestätigt die Gegend, Skoumpris (85) fällt ab.

Einen eigenen Weg geht Thessalien: Der Microcosmos von Domaine Zafeirakis aus Tyrnavos ist die säurebetonte Gegenposition zum üppigen Sortenbild – ein Malagousia, der eher an kühle Bergweißweine erinnert als an Pfirsichkompott. Den 2022er sahen wir zweimal: jung bei 92+, ein Jahr später bei 91.

 

Die edelsüße Ausnahme – und sie steht ganz oben

Von den 30 Malagousia unserer Verkostungen ist ein einziger nicht trocken. Ausgerechnet er teilt sich die Höchstwertung: Der Malagousia from Overripe Grapes 2018 von Gerovassiliou (95) zeigt, was die Sorte kann, wenn man sie am Stock überreif werden lässt: Aprikose, Honig und Blüten, getragen von einer Säure, die dem süßen Wein die Schwere nimmt. Für eine Traube, die als unkomplizierter Sommerwein gilt, ist das ein bemerkenswerter Doppelerfolg – dieselbe Sorte, derselbe Weinberg, und an der Spitze stehen ein trockener und ein edelsüßer Wein nebeneinander.

 

Reift Malagousia?

 

Flasche Ktima Gerovassiliou Malagousia Single Vineyard 2023 neben einer Pfanne mit Glasnudeln und Garnelen

Der Single Vineyard 2023 aus Epanomi – der Wein, der mit der Flaschenreife zulegte. Eigenes Foto

 

Die Konvention sagt: jung trinken. Zwei Flaschen aus unseren Verkostungen erzählen es differenzierter. Der Gerovassiliou Single Vineyard 2023 stand mit knapp drei Jahren besser da als direkt nach der Füllung – wir haben unsere eigene Bewertung von 91 auf 92 angehoben, gegen die Erwartung an eine Aromasorte. Der Microcosmos 2022 von Zafeirakis ging im selben Zeitraum den umgekehrten Weg, von 92+ auf 91. Mehr als eine vorsichtige Lehre gibt das nicht her: Ein gut gebauter Malagousia übersteht die ersten Jahre nicht nur, er kann daran wachsen – ein Freibrief für lange Lagerung ist es nicht.

 

Malagousia als Partner

Ihr bekanntester Auftritt in einer Cuvée ist zugleich ihr ältester: Gerovassilious „White", halb Malagousia, halb Assyrtiko – die Aromatik der einen, das Rückgrat der anderen. Der Jahrgang 2019 kam bei uns auf 93 Punkte. Dieselbe Partnerschaft, andere Gewichtung: In der Edenia Bella 2021 von Tsililis Terres (94) stellt Assyrtiko fast zwei Drittel, und mit 35 Prozent Malagousia entsteht einer der besten Weißwein-Verschnitte unserer Datenbank. Auch der Stone Hills 2021 von Palivou (91) aus Nemea setzt auf dieses Duo, während der Apla weiß 2021 von Oenops (88) Malagousia mit Assyrtiko und Vidiano verschneidet – hier führt sie mit der Hälfte des Verschnitts sogar.

Selbst im Rosé taucht die weiße Traube auf. Der Mochthos 2020 von Patsouros (90) kombiniert sie mit Syrah, und im Clos Stegasta Rosé von T-Oinos auf Tinos steuern zehn Prozent Malagousia die florale Kopfnote bei – der 2022er (94+) ist der am höchsten bewertete Rosé unserer gesamten Datenbank, der 2023er (91) bleibt stark. Als Hauptsorte eines Rosés ist uns Malagousia dagegen noch nie begegnet – eine Lücke, die irgendwann ein Winzer füllen wird.

Die stille Reserve der Sorte zeigt sich schließlich dort, wo sie nur Beiwerk ist: In Hatzimichalis' Alfega (89) hält sie mit Sauvignon Blanc mit, im Alepoudaki von Patsouros (89) zähmt sie den Moschato.

 

Welche Jahrgänge?

Malagousia wird jung gefüllt und meist binnen zwei, drei Jahren getrunken – die Jahrgangsfrage entscheidet sich hier schneller als bei den großen Roten. Ein Blick in unsere Jahrgangsdatenbank lohnt trotzdem, denn die Erntejahre der beiden Zentren laufen keineswegs parallel.

Epanomi. Das starke Jahr war 2020 (8 von 10) – daraus stammt der 95er Single Vineyard. 2019 lag mit 8,5 noch darüber, und 2025 erreicht wieder eine 8. Dazwischen liegen kleinere Ernten: 2023 kam auf 6 – umso bemerkenswerter, dass der Single Vineyard aus genau diesem Jahr bei uns mit der Flaschenreife zulegte. Für 2021 liegt kein Erntebericht aus Epanomi vor; das Jahr bleibt ohne Einordnung, und der 91er aus jenem Jahrgang steht für sich. 2022 steht bei den Weißen bei einer 8 – die weißen Sorten waren gelesen, bevor der Septemberregen kam.

Drama. Hier war 2020 das Ausnahmejahr (8,5) – der 92er von Erithrou Rodou stammt daraus. 2025 verspricht mit 8 wieder viel, und der Manolesakis aus dieser Ernte (92) löst das schon einmal ein. Der beste Drama-Malagousia unserer Reihe allerdings, der 94er Erithrou Rodou 2021, kam aus einem mittleren Jahr (7).

Der Süden und die Mitte. Auf dem Peloponnes war 2020 solide (7,5) – das Jahr des 93ers von Kissa. 2021 fiel die Halbinsel deutlich ab (5,5), ebenso die Lokris (5,5) – ausgerechnet von dort kommen der Dryos (93+) und der Palaiokastra (91) aus diesem Jahrgang. Attika schwankte zwischen einem schwachen 2023 (5) und ordentlichen Jahren 2021 und 2024 (je 7).

Für die Praxis heißt das weniger, als die Zahlen vermuten lassen: Die höchsten Bewertungen unserer Reihe verteilen sich über starke wie mittlere Erntejahre. Wer gezielt nach den Jahren greifen will, die auch die Ernteberichte vorn sehen, nimmt im Norden 2019, 2020 oder 2025.

 

Die besten Malagousia unserer Verkostungen

(Vorgerendert als crawlbares HTML in die Seite schreiben – kein Client-Fetch, keine Repeater. Eine Zeile je Wein und Jahrgang, jüngste Verkostung. Sortiert nach Punkten.)

95Ktima Gerovassiliou Malagousia from Overripe Grapes 2018 · PGI Epanomi · edelsüß

95Ktima Gerovassiliou Malagousia Single Vineyard 2020 · PGI Epanomi

94Ktima Erithrou Rodou Malagousia Single Vineyard 2021 · PGI Drama

93+Domaine Hatzimichalis Dryos 2021 · PGI Atalanti

93Ktima Gerovassiliou White 2019 · PGI Epanomi

93Ktima Kissa Mavrioros 2020 · PGI Korinth

92Alpha Estate Malagouzia Turtles 2025 · PGI Florina

92Estate Manolesakis Malagouzia 2025 · PGI Drama

92Ktima Erithrou Rodou Malagousia 2024 · PGI Drama

92Ktima Erithrou Rodou Malagousia 2020 · PGI Drama

92Ktima Gerovassiliou Malagousia Single Vineyard 2023 · PGI Epanomi

91Alpha Estate Malagouzia Turtles 2020 · PGI Florina

91Domaine Zafeirakis Microcosmos 2022 · PGI Tyrnavos

91Karadimos Palaiokastra 2021 · PGI Slopes of Knimida

91Ktima Gerovassiliou Malagousia Single Vineyard 2021 · PGI Epanomi

90+Mylonas Malagousia 2021 · PGI Attika

90+Olympia Land Estate Ekecheiria 2020 · PGI Ilia

90Giannikos Windmill Malagouzia 2019 · PGI Peloponnes

90Lafazanis Geometria 2021 · PGI Peloponnes

 

Alle weiteren Malagousia-Weine, die wir verkostet haben

Liepouris Malagousia 2023 (89+) · Olympia Land Estate Malagousia 2020 (89) · Oenops Apla weiß 2021 (88) · Nemea Winery Malagouzia 2021 (85) · Skoumpris Malagouzia 2021 (85) · Dionysos Malagousia 2021 (84) · Domaine Costa Lazaridi Malagousia 2019 (83) · Panagiotopoulos Malagousia 2020 (83)

 

Mehr zum Thema

· Kräuter, Früchte, Blumen – was darf's sein?

die große Vergleichsverkostung, aus der zwölf dieser Notizen stammen: Malagousia quer durch Griechenland, Wein für Wein.

· Blumenstrauß mit Silberband

Aromasorten im Vergleich, Malagousia gegen Moschofilero und Chardonnay.

· Assyrtiko als Teamplayer

dort steht auch Gerovassilious „White" im Kontext seiner Assyrtiko-Partner.

· Alle Verkostungsnotizen in unserer Datenbank

 

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Fazit

Malagousia ist die Sorte für den Einstieg ins griechische Weißweinregal: aromatisch, zugänglich, in fast jeder Preisklasse zu haben. Genau darin liegt ihr Risiko – viele Vertreter bleiben belangloser Sommerwein. Wer die Sorte ernst nimmt, sucht die Einzellagen aus Epanomi und Drama, probiert mit Zafeirakis die kühle Gegenposition und gönnt sich einmal die edelsüße Ausnahme. Dann zeigt die gerettete Traube, warum sich die Rettung gelohnt hat.

Bildnachweise

Landschaftsfotos via Wikimedia Commons: Kataadj – Epanomi, Thermaikos, Greece (CC BY-SA 4.0) · ulrichstill – Nemea Wine-Olives Corinthia Peloponnese (CC BY-SA 3.0 de). Die beiden Flaschenfotos stammen aus unseren eigenen Verkostungen.

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