Estate Manolesakis – Malagouzia 2025
PGI Drama
100% Malagousia
Makedonien, Griechenland
Weißwein | trocken
11,5%
Adriani ist ein Dorf im Regionalbezirk Drama, und Drama ist unter Griechenlands Weinregionen ein Sonderfall. Es gehört zu den ganz wenigen ohne Meerzugang, liegt ringsum von Gebirge abgeschirmt, verläuft kontinental und bekommt mit den ortsüblichen Mairegen deutlich mehr Niederschlag ab als der Rest des Landes. Der Jahrgang läuft hier deshalb oft gegen den nationalen Trend. 2025 zog ausnahmsweise alles in dieselbe Richtung. Reichliche Winterschneefälle im Umland von Falakro und Menikio füllten die Wasserspeicher einer Region, die im heißen 2024 an ihre Bewässerungsgrenze gekommen war. Milde Temperaturen während der Reife ließen die Trauben unaufgeregt ausreifen, und die Lese begann am 7. August, also im Normalbereich und weit entfernt vom Juli-Rekord des Vorjahres. Erstmals bekam Adriani im Erntebulletin des griechischen Weinverbands einen eigenen Absatz, und der beschreibt ein ausgeglichenes Jahr mit günstigen Tag-Nacht-Schwankungen und einer problemlosen Lese von Mitte August bis in den September, unterbrochen von ein paar kühlen Regen, die der aromatischen Reife eher genützt haben. Für Drama ist 2025 damit der stärkste Jahrgang seit 2020, und die aromatischen Weißen stehen in diesem Bild vorne. Man sollte dazusagen, dass das bislang eine Erwartung aus einem Erntebericht ist und kein nachverkostetes Urteil.
Das Ktima Manolesakis arbeitet seit 1989 in Adriani und gehört zu den Gütern, die den Weinbau des Ortes wiederbelebt haben. 1998 kam die eigene Kellerei dazu, ab 2004 wanderten verstärkt griechische Sorten in die Weinberge, darunter die Malagousia. Dieser Wein stammt von einem einzigen Hektar, einem eigenen, in Reihen angelegten Stück, das früher „der Durchgang der Pferde" hieß. Warum, sagt heute niemand mehr; der Name ist überliefert, seine Herkunft nicht. Die Parzelle liegt auf 200 bis 300 Metern, der Boden ist tonig und von kleinen Kalksteinstücken durchsetzt, die für Drainage sorgen. Mit 500 Kilo je Stremma, also 5.000 Kilo je Hektar, ist der Ertrag sehr niedrig, und er wird bewusst erzwungen. Bei einer Grünlese werden unreife Trauben abgeschnitten, damit der Rest sauber ausreift. Gelesen wird nachts, damit die Trauben kühl im Keller ankommen und ohne Temperaturschock in die präfermentative Kaltextraktion gehen. Danach liegt der Wein zwei Monate auf der Feinhefe und drei Monate in neuen Akazienfässern. Akazie statt Eiche ist die eigentliche Entscheidung dieses Weins, und sie ist selten genug, um sie ernst zu nehmen.
Genau an dieser Stelle wurde es im Glas dann auch interessant. 2025 mausert sich für mich ohnehin zum Malagousia-Jahr, der Turtles von Alpha Estate aus der PGI Florina stand im Juni mit 92 Punkten da, und dieser hier legt nach. Schon die Nase ist ausgesprochen eigen. Jasminblüte, dazu eine feine Spur Minze, und das keinesfalls in jener erschlagend parfümierten Form, die die Malagousia annehmen kann, wenn man sie lässt. Am Gaumen setzt der Wein zunächst erstaunlich voll und cremig an, und der Akazienausbau kommt hervorragend durch, nicht als vordergründiger Holzton, sondern als etwas, das an Akazienhonig erinnert. Die Verbindung aus Jasminblüte, sortentypischer Malagousia-Aromatik und diesem Honigton ist ungewöhnlich, und sie ist mir so vorher nicht begegnet. In keiner meiner bisher festgehaltenen Malagousia-Notizen steht Jasmin, und ein Ausbau in Akazienholz steht dort auch nicht. Interessant dabei ist, dass die Jury der Decanter World Wine Awards beim 2024er dieses Weins ebenfalls Jasmin notiert hat, neben Kiwi, Stachelbeere und grünen Kräutern. Es sieht also weniger nach einer Momentaufnahme aus als nach dem wiederkehrenden Ausdruck dieser Parzelle und dieser Machart.
Daraus entsteht ein runder, anspruchsvoller und ausgesprochen harmonischer Wein. Auch der Nachhall ist recht lang. Einen kleinen Durchhänger gibt es im letzten Gaumendrittel, wo der sehr moderate Alkohol von 11,5 % die Fülle des Antrunks nicht ganz bis zum Ende trägt. Das ist der einzige Punkt, an dem Feinhefelager und Akazie mehr versprechen, als das Grundgerüst einlöst. Positiv bleibt eine für Malagousia sehr ordentliche Säure, die den Wein trotz der Cremigkeit im Gedächtnis hält und verhindert, dass die florale und honigartige Seite schwer wirkt.
Beim Gut kostet der Wein 21 Euro. Für einen Weißwein von einem Hektar, mit Grünlese, Nachtlese und drei Monaten neuer Akazie, ist das kein Schnäppchen, aber angemessen. Im eigenen Sortiment steht er damit klar über den Einstiegsweinen der EXIS-Linie und unter dem roten Pelagia. Eine sehr gelungene, eigenständige Interpretation der Sorte, die man sich auch dann gönnen sollte, wenn man schon einige Malagousia im Glas hatte. Für mich sind das 92 Punkte.

Verkostet: August 2026