Alpha Estate – Malagouzia 2025
Single Vineyard Turtles
PGI Florina
100% Malagousia
Makedonien, Griechenland
Weißwein | trocken
13,5%
Trinkfenster: –2028
Alpha Estate im hochgelegenen Amyndeon ist eines der technisch versiertesten Weingüter Griechenlands, und die Malagouzia von der Einzellage „Turtles“ – benannt nach den Schildkröten, die neben den Reben auf 670 m nisten – gehört zu seinen Aushängeschildern. Zwei nahe Seen mildern hier das Klima und lassen die aromatische, einst fast ausgestorbene Sorte langsam reifen.
Ausgebaut wird der Wein bewusst ohne Holz, mit Kaltmazeration und kurzem Schalenkontakt, temperaturkontrollierter Gärung im Edelstahl und anschließend zwei Monaten auf der Feinhefe mit regelmäßigem Aufrühren. Anders als bei der teils im Barrique ausgebauten Malagouzia von Gerovassiliou stammt der cremige Schmelz hier nicht aus dem Fass, sondern allein aus Frucht, Reife und Hefekontakt. Im Handel kostet er rund 13 €.
Bei Malagouzia ist der Lesezeitpunkt heikel, und Yiannis Karakasis hat das einmal schön zugespitzt. Bis etwa 13,2 % vol. dominiere die frische Zitrusseite, oberhalb von 13,5 % kippten die Terpene ins Muskatartige und die Sorte verliere ihre Typizität; die kräuterig-blumigen Lehrbuchnoten siedelt er ausdrücklich in den kühleren Mesoklimata an. Genau das ist die Turtles-Lage, eine der kühlsten Zonen Griechenlands, weshalb diese Malagouzia von Natur aus eine kräuterig-florale Handschrift trägt.
So habe ich auch den 2020er in Erinnerung, einen kühlen und sehr nassen Jahrgang, der mit gut 13 % grüner und fruchtärmer ausfiel. 2025 lag anders, warm und sonnig genug für reife Frucht, dazu kühle Nächte für Frische und tragende Säure. Das passt zu Karakasis’ Logik, auch wenn der kleine Sprung von gut 13 auf 13,5 % für sich genommen wenig erklärt; entscheidend ist die ganze Wetterkonstellation, die das Grüne zurücktreten und Pfirsich, Kernobst und die Blüte nach vorn kommen lässt, ohne dass der Wein schon ins Parfümierte und Muskatige kippt. Er sitzt damit genau an der oberen Kante dieses Fensters, reif gelesen, aber nicht darüber.
Voll Neugier, ob dieser Drahtseilakt im Glas aufgeht, habe ich ihn verkostet. In der Nase schönes Kernobst, beinahe so pfirsichig, wie man es von Gerovassiliou kennt, dazu feine weiße Blüten. Am Gaumen ganz Malagouzia, und tatsächlich kaum noch kräuterig; eine ausgesprochen angenehme Säure trägt sehr weit, ehe der Schmelz vom Hefelager übernimmt. Ein langer Nachhall, durch und durch stimmig. Ich bin ziemlich baff.
Bei Alpha-Weißweinen habe ich oft das Gefühl, man müsse ihnen noch zwei Jahre geben, ehe sie sich von ihrer besten Seite zeigen. Hier auf keinen Fall, der trinkt sich schon jetzt perfekt. Sehr eindeutige 92 Punkte, und kein Grund zu warten.

Verkostet: Juni 2026
Andere Jahrgänge:
Alpha Estate – Malagouzia 2020 (91, 2022)