Ktima Erithrou Rodou – Malagousia 2024
Single Vineyard
PGI Drama
100% Malagousia
Makedonien, Griechenland
Weißwein | trocken
13%
Das Boutique-Weingut Ktima Erithrou Rodou in Drama – der Name bedeutet „Weingut der roten Rose" und spielt gleich dreifach auf die rote Erde von Kokkinogeia, den Familiennamen Triantafyllidis und die wilden Rosen des Standorts an – hat seinen Ruf gerade mit der Malagousia begründet. Giannis Triantafyllidis bewirtschaftet Rebe, Keller und Abfüllung, an seiner Seite steht Dr. Katerina Karampatea, promovierte Önologin und Chemikerin mit burgundischer Prägung. Diesen 2024er habe ich im Juni 2026 gemeinsam mit dem Assyrtiko French Oak 2024 desselben Guts verkostet, und der Vergleich der beiden ist der eigentliche Aufhänger: Der früher gelesene, im Fass vergorene Assyrtiko kam sichtlich besser durch dieses Jahr als der später gelesene Malagousia.
Zur Machart: 100 % Malagousia aus der Einzellage „Ammoudies" in Kokkinogeia, PGI Drama, auf 200 Metern in einem Mikroklima, das dank Menikio, Falakro, dem Aggitis und der Nachmittagsbrise zwei bis fünf Grad kühler liegt als der Rest der Drama-Zone. Nur Vorlaufmost, präfermentative Kaltmazeration, Gärung bei kontrollierter Temperatur im Edelstahl, sechs Monate auf der Feinhefe – und, das trennt ihn klar vom fassvergorenen Assyrtiko, komplett ungeholzt, kein Holz, keine Amphore. 15 Jahre alte Reben, gepflanzt 2009, 0,85 Hektar, 2.600 Flaschen, 13 % Alkohol.
Als Jahrgang war 2024 in Makedonien das heißeste und trockenste Jahr der griechischen Messreihe, mit massivem Trockenstress und der frühesten Lese überhaupt; die Weißweine waren die Verlierer dieses Jahres, weil Extremhitze die Aromatik verbrennt und die Säure kollabiert. Frische war hier die härteste Übung, und die Erwartung lautete: reif, wuchtig, dicht – mit dem Fragezeichen bei der Spannung.
Genau da überrascht der Wein. Schon die Farbe im Glas ist für einen Malagousia unglaublich dicht. In der Nase aber ist er deutlich weniger blumig als die Vorgängerjahrgänge, die ich kenne – eher nach vertrockneten Blüten. Am Gaumen dann eine für Malagousia erstaunlich packende Säure, unglaublich dicht, man schmeckt die Qualität; ich könnte hier auch an einen weißen Bordeaux aus einem sehr warmen Jahr denken, mit viel Eleganz. Der Nachhall ist eher mittellang als lang, doch es kommt ein zweiter Nachhall nach, und da dann mit leichten floralen Anklängen. Man merkt, wie hier mit einem schwierigen Jahrgang gekämpft wurde: Heraus kommt ein sehr edler Malagousia, ein seriöser Speisenbegleiter der gehobenen Küche, aber kein leichter Schoppenwein – und einer, der nicht an die blumigen Vorgänger anknüpft.
Und genau das ist der Bruch mit dem Hausstil. Den allerersten Jahrgang des Guts, die Malagousia 2020, habe ich 2021 mit einem Jahr auf der Flasche bei 92 Punkten gesehen – mutig ganz am floralen Ende der Sorte, mit glasklarer Holunderfrucht, Litschi, wunderbarer Säure. Den 2021er habe ich 2022, ebenfalls mit einem Jahr, sogar auf 94 gehoben: ganz und gar florale Nase, schwerere Rosendüfte, runder und attraktiver als der 2020er, mit sehr floralem, langem Nachhall – dieser Wein dominierte damals meine Malagousia-Vergleichsverkostung. Der 2024er geht nicht diesen Weg: weniger Blüte, mehr Dichte, packende Säure statt schwelgerischem Duft, mittellang statt lang. Er liegt für mich auf Höhe des 2020ers und damit unter dem 2021er-Peak. Aber eben auch nicht unter 2020, weil es wirklich selten ist, dass man die Bemühung um Qualität so schmecken kann. Ein Wein, der ehrfürchtig macht, auch wenn er nicht begeistert. Auch das sollte man mal gekostet haben, wenn man Malagousia mag und/oder griechische Weine wertschätzt.
Der externe Widerhall fällt für diesen Jahrgang verhalten aus: Die Thessaloniki Wine & Spirits Trophy 2026 gab dem 2024er nur Bronze mit 86 Punkten, dem 2023er hatte sie 2025 mit Bronze und 87 einen Punkt mehr zugestanden. Zum Vergleich der stärkeren Vorgänger: Peter Moser bewertete den 2021er bei Falstaff mit 92 (zitrisch-tropisch, mineralisch, feine Säure, salzig-zitronischer Ausklang), und Simos Georgopoulos gab dem 2020er im FNL-Guide 7,5 von 10 (rosengeprägt, gelbe und exotische Frucht, würzig-saliner Schluss). Das schwache Wettbewerbssignal deckt sich mit meiner eigenen Einordnung – beim parallel verkosteten Assyrtiko French Oak 2024 (bei mir 93) holte das Gut in Thessaloniki Gold mit 92, während der Malagousia nur die Bronze bekam. Zu 18,90 bis 20,95 Euro bleibt das ein sehr fair kalkulierter, sortenreiner Single-Vineyard-Weißwein. 92 Punkte.

Verkostet: Juni 2026