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Die Tomos-Weine von Panagiotopoulos, und der beste steht ganz unten

Autorenbild: Griechische Weine
Griechische Weine
vor 5 Stunden
9 Min. Lesezeit

Im Juni 2026 standen fünf Rotweine aus Trifilia nebeneinander im Glas: die drei Weine der Tomos-Serie des Weinguts Panagiotopoulos, dazu deren Vorgänger, der Cabernet Sauvignon Bio 2010, und als Nachbarschaftsvergleich der gleich alte Anny's Animus Merlot 2014 vom Weingut Tsolis. Der jüngste dieser Weine war zwölf Jahre alt, der älteste sechzehn, und keiner davon war müde. Das allein ist bemerkenswert für eine Region, die international kaum jemand auf der Karte hat. Noch bemerkenswerter ist, was die Verkostung mit der Rangordnung des Hauses anstellte: Der offiziell niedrigste der drei Tomos-Weine, der Syrah, war mit Abstand der beste. Wer nach der Hierarchie des Hauses kauft, hätte hier danebengegriffen.


Trifilia, die vernachlässigte Westküste

Die geschützte geografische Angabe Trifilia besteht seit 1989 und liegt im Nordwesten Messeniens, im Südwesten des Peloponnes, mit Gemeinden wie Kyparissia, Filiatra, Gargalianoi, Aetos, Avlona, Dorio, Eira, Nestor und Tripyla. Die Zone hat eine lange Tradition mit französischen roten Sorten: Zugelassen sind unter anderem Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot, Syrah, Grenache Rouge, Carignan, Tempranillo und Agiorgitiko, und die Trauben der Region gehen auch an viele Kellereien außerhalb der Zone. Das Klima Messeniens wird von den Winden des Ionischen Meeres günstig beeinflusst, mit milden Wintern und langen, warmen Sommern; im Westen fällt der Niederschlag vor allem im Winter und frühen Frühjahr.

Pyrgos Trifylias liegt auf rund 400 Metern Höhe an der Straße zwischen Chora und Gargalianoi, umgeben von Hügeln voller Olivenbäume und Reben. Hier, im Gebiet Pachimari, pflanzte Dimitris Panagiotopoulos 1982 seine ersten Reben, Cabernet Sauvignon, lange bevor 2005 die eigene Kellerei fertig wurde. Er hatte zuvor bei einem anderen Weingut gearbeitet und wollte eigene Weine „nach seiner Wahl und Überzeugung“ machen; nach eigener Darstellung studierte er die Dynamik seiner Böden, um die passenden Sorten zu finden. Heute bewirtschaftet das Gut 15 Hektar, ausschließlich biologisch, mit Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah und Chardonnay, dazu Malagousia, Assyrtiko und Agiorgitiko; gelesen wird von Anfang September bis Mitte Oktober.

Das Weingut Tsolis sitzt im benachbarten Gargalianoi. Konstantinos Tsolis begann 1993 mit Cabernet-Reben, die er schon in den Achtzigern gepflanzt hatte; die Weinbereitung verantwortet seit 1999 Phillipos Koukis. Die beiden Merlots dieser Verkostung stammen also aus unmittelbarer Nachbarschaft. Die Westküste des Peloponnes ist international sehr vernachlässigt, und diese Verkostung zeigt, wie viel Potenzial dort liegt.


Vier Stufen ohne Definition

Das Gut sortiert sein gesamtes Programm auf der eigenen Website in vier Stufen, die es selbst so benennt und nirgends erklärt: „Extreme Value Wines“, „Premium Wines“, „Super Premium Wines“, „Ultra Premium Wines“. Bei den Rotweinen steht der Faces Red als Extreme Value ganz unten. Als Premium folgen Stony Lane Red, Cube Agiorgitiko, der konventionelle Merlot und, man lese genau, der Tomos III Syrah. Super Premium sind der konventionelle Cabernet Sauvignon, der Tomos I Cabernet Sauvignon und der Tomos II Merlot. Ganz oben thront als einziger Ultra Premium der „36“, laut Gut 36 Monate in neuen Eichenfässern, „aus unseren besten Weinbergsparzellen, nur in den besten Jahren erzeugt“.

Diese Zuordnung hält keiner näheren Betrachtung stand. Der Tomos III steht auf derselben Stufe wie der einfache, konventionelle Merlot des Hauses und eine Stufe unter dem konventionellen Cabernet. Der konventionelle Cabernet wiederum teilt sich seine Stufe mit dem Tomos I, obwohl der die biozertifizierte Einzellage mit 24 Monaten Fassreife und gerade einmal 6.900 Flaschen ist. Tomos II (gut 8.200 Flaschen) und Tomos III (gut 8.500 Flaschen) haben fast dieselbe Auflage und denselben Ausbau, landen aber in verschiedenen Stufen. Das Ganze wirkt wie eine Rangordnung der Rebsorten: Cabernet oben, Merlot in der Mitte, Syrah unten, egal was in der Flasche steckt. Der Markt sieht es anders. Der „Premium“-Syrah kostet im Handel 40-60 €, seine „Super Premium“-Geschwister liegen bei etwa 24 € (Tomos I) und 20-30 € (Tomos II).

Auch der Name trägt zur Verwirrung bei. „Tomos“ (griechisch τόμος) heißt Band, wie ein Buchband, und die Nummern I, II, III klingen nach Rangfolge, bezeichnen aber nur die Rebsorte. Die Linien sind unterschiedlich alt: Den Bio-Cabernet gibt es seit 2000, den Bio-Merlot seit 2003, den Syrah seit 2006. Den Namen „Tomos“ trägt die Serie erst seit dem Jahrgang 2013; der 2010er Cabernet lief noch schlicht als „Cabernet Sauvignon Bio“. Zwei ältere Notizen von uns passen ins Bild: Der Agiorgitiko Cube 2015, heute als Premium geführt, bekam von uns 90 Punkte und kostete ab Hof nur 6,80 €. Der Malagousia 2020, heute als Super Premium geführt, kam auf 83 Punkte. Ein System, das den Namen verdient, sieht anders aus.


Drei Jahrgänge, drei Geschichten

Für Trifilia selbst gibt es keinen eigenen Erntebericht; unsere Jahrgangsbewertungen zeichnen deshalb den Rahmen für den Westen des Peloponnes, kein Urteil über die Zone selbst. Auf unserer Skala von 0 bis 10 steht 2013 für den Ionischen Westen und Süden bei 8,0 (Griechenland und Peloponnes je 7,5), 2010 durchweg bei 6,0 und 2014 durchweg bei 5,5. Die Klimawerte dagegen gelten genau für Pyrgos Trifylias auf 400 Metern:

  • Juli/August, Mittel der Tageshöchstwerte: 30,7 °C (2010), 31,0 °C (2013), 29,5 °C (2014), im Mittel 2000-2025 30,7 °C

  • Tage mit 35 °C oder mehr: 3 (2010), 0 (2013), 0 (2014), im Mittel 2000-2025 3,2

  • Regen 20. August bis 15. Oktober: 56 mm (2010), 56 mm (2013), 43 mm (2014), im Mittel 2000-2025 69 mm

  • Oktoberregen: 161 mm (2010), 44 mm (2013), 65 mm (2014), im Mittel 2000-2025 68 mm

2013 war am Ort eine der wärmsten Vegetationsperioden seit 2000, die fünftwärmste von 26, aber ohne einen einzigen Tag über 35 °C und mit trockenem September: genau die Lage, in der späte rote Sorten langsam und vollständig ausreifen, ohne Hitzestau. 2014 war eine der kühlsten Vegetationsperioden der Reihe, die viertkühlste von 26, ebenfalls ohne Hitzetag: ein kühles Jahr mit nassem Frühjahr und trockenem Sommer. Der März brachte rund 104 mm gegen 67 mm im Mittel, das Frühjahr von März bis Mai lag über dem Durchschnitt; ab Mai wurde es trocken, Sommer und Lesezeit blieben trocken. Ernteberichte aus anderen Teilen des Peloponnes melden für 2014 Regen und Krankheitsdruck; im Frühjahr hatte das auch hier eine Grundlage, erspart blieb Trifilia der nasse Herbst dieser Zonen. Das Risiko für späte Rote lag am Ende in fehlender Wärme: nicht, weil es nie geregnet hätte, sondern weil der Regen früh fiel und die Reifephase kühl blieb. 2010 war unauffällig warm, doch der Oktober brachte mit rund 161 mm mehr als das Doppelte des Üblichen, also Druck auf alles, was da noch draußen hing.

Die Lesetermine passen dazu. Der Tomos I Cabernet kam am 20. September 2013 in den Keller, die 30 Tage davor waren gut ein Viertel trockener als üblich. Der Syrah folgte am 25. September, ebenfalls nach einem gut ein Viertel trockeneren Vorfeld, die Tageshöchstwerte der zwei Wochen davor genau im Mittel. Der Tomos II Merlot wurde am 10. September 2014 gelesen, also früh, in einen kühlen Spätsommer hinein, dessen unmittelbares Vorfeld deutlich feuchter als normal und gut ein Grad kühler war. Starkregen gab es vor keiner der drei Lesen.

Was folgt daraus? Der beste Wein der Verkostung stammt aus dem besten Jahrgang, der am wenigsten aufregende aus dem schwächsten, kühlen Jahr. Das ist eine Beobachtung an fünf Weinen, kein Beweis. Der Cabernet 2013 kam aus demselben guten Jahr wie der Syrah und blieb bei 90 Punkten, und der Tsolis-Merlot aus demselben kühlen 2014 erreichte 91. Sorte und Winzer entschieden hier mehr als der Jahrgang. Die Rangordnung des Guts erklärte am wenigsten.


Zwei Cabernets, sechzehn und dreizehn Jahre alt

Panagiotopoulos Cabernet Sauvignon Bio 2010 auf einem Bahnsteig in Messenien

Der Cabernet Sauvignon Bio 2010 steht in der Gründungslinie des Hauses und ist auf lange Reife angelegt wie kaum ein anderer griechischer Vertreter der Sorte: 24 Monate französische Eiche, danach über zehn Jahre Flaschenreife im Weingutskeller, bevor die 12.000 Flaschen überhaupt freigegeben wurden. Simos Georgopoulos fand ihn schon 2018 frischer, tannischer und weniger entwickelt als die gleich alte konventionelle Schwesterabfüllung und gab ihm mindestens fünf weitere Jahre; 2024, mit vierzehn Jahren, holte der Wein bei den Sakura Awards in Japan noch Gold. Im Glas zeigte er viel anregendes Toffee, etwas Eukalyptus, nur wenig Unterholz. Der Antrunk brachte noch viel rote Frucht und gute Säure, dann kakaoartiges Tannin, wobei Geschmack und Tannin relativ schnell abflachen; die Struktur hinten heraus fehlt ein wenig, sodass auch die Säure etwas verpufft. Der Alkohol bleibt mit 14 % unauffällig, der Nachhall hält recht lang. Wir geben ihm **90** Punkte, auf diesem Niveau dürfte er bis 2031 bleiben. Im Handel etwa 25-30 €.

Panagiotopoulos Tomos I Cabernet Sauvignon 2013 im Freien in Messenien

Der Tomos I 2013, der Erbe genau dieser Linie unter neuem Namen, kommt von einer einzelnen biozertifizierten Lage, 24 Monate in 225-Liter-Fässern aus französischer Eiche, 13,5 % vol., gerade 6.900 Flaschen, im Handel um die 24 €. In der Nase noch viel schwarze Johannisbeere, sehr sortentypisch. Am Gaumen ein etwas flacher Antrunk, auch farblich nicht eben dicht, aber für einen dreizehn Jahre alten Wein erstaunlich süffig: viel Zug, geradezu geschmeidig, ein leichter Cabernet trotz des Holzausbaus. Der Nachhall bleibt eher kurz, jedenfalls für einen Wein dieser Qualitätsstufe. Wir geben ihm **90** Punkte, mit etwas Sympathie vielleicht 91. Er steht auf seinem Peak; wer ihn hat, kann ihn ohne Zögern öffnen.


Merlot gegen Merlot, Pachimari gegen Gargalianoi

Panagiotopoulos Tomos II Merlot 2014 auf einem blauen Tisch mit Blick über Messenien

Der Tomos II 2014, die limitierte, holzbetonte Merlot-Version der Reihe (erster Bio-Merlot-Jahrgang: 2003), wurde am 10. September 2014 von Hand gelesen, 24 Monate französische Eiche, 14,5 % vol., gut 8.200 Flaschen, im Handel 20-30 €. Der Wein ist noch sehr, sehr frisch, keine Frage. Nach einer recht fruchtbetonten Nase ist er am Gaumen allerdings schlicht zu weich; da ist wenig Spannung, wenig Abwechslung, die ihn aufregend machen würde. **89** Punkte, die er noch lange halten dürfte. In einigen Jahren wird er damit vor sehr vielen anderen griechischen 2014er Merlots liegen, von denen kaum einer so frisch durch die Zeit kommt.

Tsolis Anny's Animus Merlot 2014 auf einem Steinsockel in Messenien

Wie sehr ihm die Spannung fehlt, zeigte der gleichaltrige Anny's Animus aus dem benachbarten Gargalianoi, reinsortiger Merlot aus der PGI Trifilia, 13,5 % vol., laut Rücketikett 18 Monate im Eichenfass und danach 24 Monate auf der Flasche gereift, rund 26 €. Das poetische Rücketikett erzählt den Wein wie eine Person: in Trifilia geboren, im Eichenfass aufgewachsen, in der Flasche zur Ruhe gekommen, mit einer Seele, daher der Name Animus; das Etikettbild stammt von der Malerin Eleni Michalakopoulou. Schon in der Nase war er dem Tomos II deutlich überlegen, zwar nicht ganz so frisch, dafür intensiver, mit anregenden Pflaumennoten. Am Gaumen eine Säure, die den Wein immer wieder hebt; durchgehend trägt sie nicht, doch sie kommt stets aufs Neue zum Vorschein, und auch im Nachhall bleibt einiges an Frucht. Ein wirklich gut gemachter, gut gereifter Merlot auf seinem Höhepunkt: **91** Punkte. Gerade weil er so gut ist, sollte man ihn in den nächsten fünf Jahren trinken, hier gibt es etwas zu verlieren. Wie sich griechischer Merlot generell im internationalen Feld schlägt, haben wir an anderer Stelle beschrieben.


Der dritte Band

Panagiotopoulos Tomos III Syrah 2013 auf einer Steinmauer vor Oleander und Hügeln in Messenien

Der Tomos III 2013 (erster Syrah-Jahrgang: 2006) ist technisch kein bisschen einfacher gebaut als seine Geschwister: reinsortiger Syrah von einer biozertifizierten Lage, von Hand gelesen, am 25. September im Keller, 24 Monate in 225-Liter-Fässern aus französischer Eiche, 13,5 % vol., gut 8.500 Flaschen, im Handel bei 40-60 €. In der Nase sehr fruchtig, noch viel Blaubeere, dazu ein wenig dunkle Schokolade und ein kleines bisschen Balsamico. Am Gaumen hat er, anders als der Cabernet mit seinen griffigeren, noch langlebigeren Tanninen, durchgehend mehr Frucht, und hinten heraus kommt noch einmal eine animierende, fruchtige Säure. Nur der zweite Nachhall könnte etwas besser sein. Von den drei Tomos-Weinen ist dieser Syrah mit Abstand der beste; verstecken muss er sich vor den höher eingestuften Geschwistern in keiner Weise. Ein wirklich toller Wein, **93+** Punkte. Seinen Höhepunkt dürfte er erst in etwa fünf Jahren erreichen, und noch gut fünfzehn Jahre Reife sind ihm zuzutrauen. Dass griechischer Syrah erstaunlich alterungsfest sein kann, hat sich schon öfter gezeigt; dieser hier gehört in diese Reihe.


Haltbarkeit ohne System

Was die fünf Weine verbindet, ist keine Stufe und kein Etikett, es ist die Zeit, die sie aushalten. Der 2010er wurde erst nach über einem Jahrzehnt im Weingutskeller freigegeben und holte mit vierzehn Jahren noch Gold in Japan. Der Tomos I steht mit dreizehn Jahren erstaunlich süffig auf seinem Peak und trägt ein Trinkfenster bis 2036. Der Tomos II ist noch sehr, sehr frisch und dürfte seine Punkte ebenfalls bis 2036 halten. Der Tomos III hat seinen Höhepunkt noch vor sich, Trinkfenster bis 2041. Selbst der Anny's Animus, der einzige, bei dem Eile geboten ist, hält bis etwa 2031. Zwölf bis sechzehn Jahre alte Rotweine aus einer Zone, die kaum jemand kennt, und keiner davon kippt: Das ist die Visitenkarte von Trifilia. Die Einteilung in Premium, Super Premium und Ultra Premium sagt darüber nichts; im Glas stand sie bei dieser Verkostung schlicht auf dem Kopf.


Empfehlung

Wer kaufen will, kauft den Tomos III Syrah und lässt ihn liegen; sein Höhepunkt kommt erst noch, und er hat von allen fünf das längste Leben vor sich. Den Anny's Animus sollte man besorgen und in den nächsten fünf Jahren trinken, er steht genau jetzt am besten da. Tomos I und den Cabernet Sauvignon Bio 2010 kann man ohne Zögern öffnen, beide sind auf ihrem Niveau angekommen und werden es eine Weile halten. Der Tomos II ist der Wein für Geduldige, die in einigen Jahren einen der wenigen noch frischen griechischen 2014er Merlots im Keller haben wollen. Auf die Stufen der Website sollte man dabei keinen Gedanken verschwenden.

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