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Sauvignon Blanc mit Assyrtiko, die Hauscuvée des Nordens

Autorenbild: Griechische Weine
Griechische Weine
vor 10 Stunden
6 Min. Lesezeit

Wer in Nordgriechenland einen weißen Gutswein bestellt, bekommt erstaunlich oft dieselbe Rezeptur ins Glas: Sauvignon Blanc mit Assyrtiko. In Drama und am Pangeon ist diese Cuvée fast schon eine eigene Gattung. Die Logik dahinter leuchtet ein. Der Sauvignon Blanc bringt Aromatik mit, je nach Lesart grasig oder exotisch, der Assyrtiko steuert Säure und Struktur bei. Preislich bewegt sich die ganze Gattung grob zwischen 10 und 15 Euro, ausgebaut wird fast immer im Edelstahl, getrunken jung. Ich habe über die Jahre eine ganze Reihe dieser Weine im Glas gehabt, mit Mischungsverhältnissen von 50:50 bis „überwiegend Sauvignon Blanc“, und die Unterschiede sind größer, als das gemeinsame Etikettenrezept vermuten lässt.

Ktima Biblia Chora weiß 2025

Die Messlatte: Pavlidis und Biblia Chora

Das Ktima Biblia Chora bezeichnet seinen weißen Basiswein als erste griechische Verbindung von Sauvignon Blanc und Assyrtiko. Vangelis Gerovassiliou und Vassilis Tsaktsarlis, beide in Bordeaux geschult, Tsaktsarlis bei Denis Dubourdieu, haben diesen Wein 2001 als allerersten des 1998 gegründeten Gutes gefüllt, und er trägt bis heute den Namen des Hauses ohne Zusatz. Den **Ktima Biblia Chora weiß 2020**, eine Cuvée aus 60 % Sauvignon Blanc und 40 % Assyrtiko aus der PGI Pangeon, habe ich mit 91+ bewertet: Die Passionsfrucht in der Nase entfaltet sich langsam, der Druck am Gaumen braucht Zeit, aber die dem Assyrtiko und dem Terroir zu verdankende Säure ist großartig, und trotz 13,5 % Alkohol bleibt der Trinkfluss erhalten.

Wer nicht warten will, greift zum **Ktima Pavlidis Thema weiß 2020** aus der PGI Drama, hälftig aus beiden Sorten. Ein Blitzstarter: Die exotische Frucht des Sauvignon Blanc ist mit dem Öffnen sofort da, am Gaumen dominiert eine noch knackige Aprikose, der Gerbstoff ist perfekt eingebunden. Für mich der beste Wein des Gutes und 92 Punkte wert.

Der **Ktima Biblia Chora weiß 2025** schließlich, wieder im Verhältnis 60/40, ist der exotischste Jahrgang dieses Weins seit langem, mit Papaya und Mango in der Nase. Am Gaumen überzeugt zuerst die Struktur, ein guter Grip, der sich im Mittelteil entfaltet, und auf dem Abgang eine Säure, die sich nicht vordrängt und den Wein gerade dadurch trinkig macht. Er steht schon jetzt extrem fertig da, das Gut empfiehlt den Genuss in den ersten beiden Jahren, und er begegnet mir mittlerweile in jedem griechischen Restaurant. Monica Larner hat ihn im Wine Advocate mit 91 Punkten bewertet; für mich ist er mit 93 der bislang beste Jahrgang dieses Weins. In Griechenland kostet er rund 15 Euro.

Zu den Jahren selbst: 2020 liegt in Drama wie am Pangeon bei 8,5 von 10, 2025 bei 8,0, beides deutlich über dem langjährigen Mittel von 7,0. Die Unterschiede zwischen diesen Weinen liegen also eher an Rezept und Erzeuger als am Jahr.


Siebzig Prozent und mehr

Der **Estate Manolesakis Gennima Psychis weiß 2025** aus der PGI Drama setzt mit 70 % Sauvignon Blanc und 30 % Assyrtiko klar auf die französische Sorte. Die Trauben wachsen bei Adriani auf 200 bis 300 Metern, gelesen wird nachts, verwendet nur der Vorlaufmost, ausgebaut ohne Holz. Lange war der Wein übrigens eine Dreiercuvée mit Chardonnay, erst im 2025er ist der verschwunden. In der Nase etwas Honig, eine Spur Minze, etwas Nektarine; am Gaumen setzt der Wein mit gutem Grip an, der die Säure aber ein wenig erstickt. Mit 12 % Alkohol bleibt er etwas dünnflüssig, der Nachhall ist kurz, der Sauvignon Blanc zeigt sich grasig. Was er kann, kann er gut: ein schöner Zechwein, der zu hellem Fisch genug Säure mitbringt. 87 Punkte. In Griechenland kostet er rund 11 Euro, in Deutschland rund 15.

Noch weiter geht der **Domaine Costa Lazaridi Amethystos weiß 2020**, ebenfalls PGI Drama, eine Cuvée, deren Anteile das Weingut seit vielen Jahren mit 85 % Sauvignon Blanc und 15 % Assyrtiko angibt. Die Zitrusaromatik wird hier ganz konsequent durchgezogen, die grünen Noten stehen vollständig im Dienst einer den Abgang dominierenden Zitronenfrucht, die Säure kann ohne abgestimmtes Essen sehr spitz wirken. Der Abgang ist enorm lang für einen Einstiegswein, aber in der Verkostung fanden einige das Profil zu aufdringlich. 84 Punkte, mit dem Hinweis, dass Freunde der gelben Zitrone hier ins Schwärmen geraten können.


Thrakien, ohne Siegel

Die Passas Winery liegt in Stavrochori im Regionalbezirk Xanthi, also in Thrakien, am Fuß der Rhodopen im Nestos-Tal, wo der Tabak den Weinbau rund hundert Jahre lang verdrängt hatte. 2007 pflanzte die Familie die ersten Reben, das Weingut gibt es seit 2016. Mavra Nera heißt „schwarze Wasser“ und meint das Land am Nestos. Eine geschützte Herkunft trägt der Wein nicht: Stavrochori gehört nicht zu den Gemeinden der PGI Thrakien, und Vidiano ist dort ohnehin nicht zugelassen.

Den **Passas Mavra Nera weiß 2020**, laut Weingut ursprünglich 70 % Sauvignon Blanc und 30 % Assyrtiko, hatte ich mit 89 Punkten notiert: schöne gelbe Frucht, grün-rassige Noten, erkennbar reifer gelesen als anderswo, aber mit nur 12,5 % Alkohol fehlte etwas Extrakt und Rundung.

Der **Passas Mavra Nera weiß 2025** ist umgebaut: 40 % Assyrtiko, 30 % Vidiano, 30 % Sauvignon Blanc. Hier führt zum ersten Mal in dieser Reihe der Assyrtiko, und mit dem ursprünglich kretischen Vidiano kommt eine dritte Sorte dazu. Am 4. August stand er parallel zum Gennima Psychis im Glas, und der Vergleich war lehrreich. In der Nase deutlich intensiver: Jasminblüte, grüner Apfel, Passionsfrucht. Am Gaumen eine vom ersten Moment an packende Säure, viel Mirabelle, erstaunlich wenig Schmelz für den Vidiano-Anteil, und im Nachhall schält sich der Sauvignon Blanc fruchtig-exotisch heraus. Die 13 % Alkohol tun ihm sichtlich gut; was 2020 fehlte, ist hier behoben. Komplexität im Sinn mehrerer gleichzeitiger Ebenen bietet er nicht, aber das Vorhandene entfaltet sich außergewöhnlich harmonisch. Nur der synthetische Stopfen schließt schlecht, wenn man ihn wieder aufsetzt; dieser Wein hätte einen besseren Korken verdient. 90 Punkte, für rund 11 Euro in Griechenland wie in Deutschland. Derselbe Sauvignon Blanc, der bei Manolesakis die grasige Seite bedient, zeigt sich hier exotisch: zwei Wege mit einer Sorte, und der interessantere kam ausgerechnet von außerhalb jeder Appellation.


Ein Ableger im Süden

Dass die Idee auch fernab des Nordens aufgegriffen wird, zeigt der **Ktima Paliomilos Sauvignon Blanc & Assyrtiko 2019**. Das kleine Gut wurde 2012 in Myrsini in Ilia auf der Peloponnes gegründet und ist um 2020 nach Folegandros umgezogen; die Cuvée entstand aus den Versuchen der Anfangsjahre, erst mit Assyrtiko, später kam der Sauvignon Blanc dazu. Laut Weingut besteht der 2019er aus 70 % Assyrtiko und 30 % Sauvignon Blanc; der Assyrtiko stammt von Folegandros, der Sauvignon Blanc von der Peloponnes. Hier führt also, anders als im Norden üblich, der Assyrtiko, und Insel und Festland treffen sich in einer Flasche. Mit 12 % Alkohol ist das ein leichter Wein, bei dem die exotischen Aromen des Sauvignon Blanc auf die straffe Säure des Assyrtiko treffen, die ihn auch im Alter frisch hält. Nicht komplex, aber ehrlich und unkompliziert; als Eröffnungswein einer Verkostung griechischer weißer Zweiercuvées setzte er einen soliden Auftakt. 86 Punkte. Ab dem Jahrgang 2023 steht der Name übrigens für eine Cuvée aus Assyrtiko mit Malagouzia, das Kapitel ist dort also geschlossen. Gelungen war der Versuch trotzdem: Die Kombination funktioniert auch außerhalb des Nordens, nur die Spitze bleibt in Drama und am Pangeon.


Was die Flaschen zusammen erzählen

Legt man die Wertungen nebeneinander, zeichnet sich etwas ab. Die besten Weine dieser Gattung sind die, in denen der Sauvignon Blanc höchstens leicht führt: 50:50 beim Pavlidis (92), 60/40 bei Biblia Chora (91+ und 93). Wo er deutlich dominiert, wird es dünner: 87 bei 70 %, 84 bei 85 %. Auch die beiden assyrtikogeführten Weine überragen die ausgewogenen nicht: der Passas 2025 mit 40 % Assyrtiko plus Vidiano kommt auf 90, der Paliomilos mit 70 % Assyrtiko auf 86. Die stärksten Weine liegen also in der Mitte, bei 50 bis 60 % Sauvignon Blanc, und genau dazu passt die Formel: Assyrtiko als Rückgrat, Sauvignon als Duft. Kippt das Verhältnis, bleibt entweder ein einziges Thema übrig, wie die Zitrone beim Amethystos, oder es fehlt der tragende Unterbau, wie beim Gennima Psychis.

Meine Empfehlung fällt entsprechend aus. Wer eine Flasche kaufen will, nimmt den Biblia Chora weiß 2025, den besten Wein dieser Reihe, für rund 15 Euro in Griechenland. Wer etwas sucht, das vom ersten Schluck an alles zeigt, greift zum Thema von Pavlidis. Und wer die Entdeckung will, bestellt den Mavra Nera 2025 für rund 11 Euro: ein Wein, der in Griechenland kaum bekannt ist, ohne Siegel auskommt und mit dem Vidiano eine Richtung andeutet, von der ich gern mehr sehen würde.

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