Estate Manolesakis – Pelagia 2022
60% Pinot Noir, 40% Agiorgitiko
Makedonien, Griechenland
Rotwein | trocken
13,5%
Zu diesem Wein habe ich ein etwas belastetes Verhältnis. Den Pelagia 2017 hatte ich 2021 als Vierjährigen mit 89 Punkten bewertet, für den Prestige-Rotwein des Hauses eher verhalten, und war dann umso erstaunter, als der 2018er auf Rang 32 der 50 Great Greek Wines 2022 landete. Der 2022er, jetzt ebenfalls mit rund vier Jahren im Glas, wirkt schon farblich dichter als die Flasche, die ich damals vor mir hatte.
Adriani ist ein Dorf im Regionalbezirk Drama, einer der wenigen griechischen Weinregionen ganz ohne Meerzugang, kontinental und ringsum von Gebirge abgeschirmt. Der Jahrgang läuft hier oft gegen den nationalen Trend, und 2022 ist so ein Fall: Während Griechenland landesweit ein warmes, starkes Jahr erlebte, war es in Drama spät und kühl, mit einer bis zur Lese erhaltenen Verzögerung von bis zu einem halben Monat gegenüber 2021. Das regionale Erntebild ist dabei eigentümlich, mit leicht niedrigerer Säure als 2021, höherem pH und bei den Roten einer verzögerten phenolischen Reife, die die Wahl der Lesetermine erschwerte. Das Gut selbst meldet für seine eigenen Lagen dagegen einen höheren Baumé als üblich, ausgewogene Säure und einen ausgewogenen pH sowie Rote mit erhöhter phenolischer Ladung, und spricht von einem ausgezeichneten Rotweinjahr. Ein Drama-Roter aus 2022 stand bei mir zuvor noch nie im Glas, ich beurteile das Jahr hier also erstmals aus eigener Anschauung. Für einen Pinot Noir ist die Kühle ohnehin weniger ein Problem als für die späten internationalen Sorten – Pinot mag es kühl.
Die Cuvée besteht aus 60 % Pinot Noir und 40 % Agiorgitiko. Der Pinot stammt von einem Hektar in der eigenen Parzelle „Το Δέντρο", „Der Baum", der Agiorgitiko von weiteren 0,4 Hektar, beide auf 200 bis 300 Metern auf tonigem Boden mit eingelagerten kleinen Kalksteinen. Per Grünlese wird der Ertrag auf 450 Kilo je Stremma gedrückt, also 4.500 Kilo je Hektar und damit der niedrigste der ganzen Serie. Gelesen wird nachts, danach reift der Wein zehn Monate in neuen französischen Eichenfässern erster Belegung und anschließend zwölf Monate auf der Flasche. Klassifiziert ist er schlicht als Sortenwein, denn der Pinot Noir ist in der PGI Drama nicht zugelassen.
In der Nase überzeugt mich der 2022er diesmal sehr. Noch gut gekühlt kommt Preiselbeere hervor, dazu etwas rote Kirsche. Der Pinot Noir ist deutlich zu erkennen und wirkt ausgesprochen fein, unterlegt von einer kleinen Spur Nougat.
Am Gaumen meldet sich dann der Agiorgitiko nachdrücklicher, mit ordentlichem Tannin und viel Pflaume, dazu Brombeere. Hinzu kommt eine sandelholzige Reifewürze, die auf mich leicht oxidativ wirkt – eine Art von Aromatik, mit der ich mich beim Agiorgitiko sonst oft schwertue. Am ersten Tag nach dem Öffnen zeigt sie sich hier aber erstaunlich ausgewogen und trägt sogar zur Balance bei; wie sich das mit mehr Luft und mehr Zeit entwickelt, will ich noch weiter beobachten. Der Nachhall ist mittellang, die 13,5 % Alkohol bleiben moderat. Vor allem gibt sich der Wein nicht einer burgundischen Strenge hin, die er ohnehin nie einlösen könnte; die Vollmundigkeit steht ihm gut. Im zweiten Nachhall zeigt sich noch eine feine Spur Marzipan.
Das ist ein wirklich guter Wein. Für meinen Geschmack könnte die Cuvée noch eine Spur mehr Pinot Noir und einen kleinen Säureimpuls mehr vertragen, dann wäre das nicht nur ein sehr guter, sondern ein faszinierender Wein. Als Essensbegleiter zu geschmortem Fleisch, auch mit Rotkraut, dürfte er hervorragend funktionieren; für solche Gerichte greife ich sonst oft zu deutschen Weinen, und umso mehr freut mich die Richtung, in die sich Pelagia entwickelt.
Beim Gut kostet der Wein ab 42 Euro, was für das Gebotene ziemlich deftig ist. Wer griechische Weine liebt, sollte dieses interessante Experiment aus Pinot Noir und Agiorgitiko dennoch einmal im Glas gehabt haben. Für mich sind das 92 Punkte.

Verkostet: August 2026
Andere Jahrgänge:
Estate Manolesakis – Pelagia 2017 (89, 2021)