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Estate Manolesakis – Gennima Psychis rot 2022

Cabernet Sauvignon - Merlot - Limnio

PGI Drama
60% Cabernet Sauvignon, 30% Merlot, 10% Limnio
Makedonien, Griechenland
Rotwein | trocken
12,5%

Wie antwortet Griechenland auf Bordeaux? Meistens mit Agiorgitiko. Von den 29 griechischen Cuvées aus Cabernet Sauvignon und Merlot in meinem Bestand nehmen acht Agiorgitiko als dritte, einheimische Sorte — Limnio nur drei. Hier sind es zehn Prozent Limnio neben 60 Prozent Cabernet Sauvignon und 30 Prozent Merlot, und schon deshalb war ich gespannt.

Im Glas ist der Wein erstaunlich transparent, gar nicht so weit weg vom EXIS rot 2025, den ich unmittelbar davor im Glas hatte. In der Nase merkt man dagegen sofort das Holz, Vanille und etwas Spekulatius, aber nicht schwer; darunter Pflaume, ein klein wenig Marzipan, etwas Brombeere. Am Gaumen zunächst ein fruchtiger Antrunk, der dann aber schnell vom Tannin in Beschlag genommen wird. Im Nachhall zeigen sich schon einige tertiäre Aromen, im zweiten Nachhall wird er gut kräutrig. Insgesamt bleibt er etwas flach.

Damit trifft er die Jahrgangserwartung ziemlich genau. Drama gehört zu den ganz wenigen griechischen Weinregionen ohne Meerzugang, verläuft kontinental und läuft deshalb regelmäßig gegen den nationalen Trend: Während 2022 landesweit ein starkes Jahr war, blieb es hier spät und kühl, mit einer bis zur Lese erhaltenen Verzögerung von bis zu einem halben Monat gegenüber 2021. In meiner Einstufung steht Drama 2022 bei 6,5 von 10, zusammen mit 2023 das schwächste Jahr der Reihe seit 2019. Wer von einem 2022er aus Drama Tiefe und Zug erwartet, erwartet gegen die Datenlage. Das Holz ist da, die Frucht ist da, aber die Mitte trägt nicht so weit, wie es vierzehn Monate französische Eiche und zwölf Monate Flaschenreife versprechen — kein Kellerfehler, sondern ein durchschnittliches Jahr.

Interessanter wird es, wenn man weiter zurückgeht. Den 2018er hatte ich 2021 im Glas und mit 79 Punkten bewertet, damals mit sehr dominanter Säure bei nur 12 Prozent Alkohol; die Pflaume fand sich schon dort. Neben ihm stand der Katogi Averoff Rot 2018, der dieselbe Idee mit Agiorgitiko statt Limnio verfolgt und bei mir auf 90 Punkte kam.

Der Abstand von sieben Punkten zwischen damals und heute lässt sich nicht mit dem Jahrgang wegerklären: Drama 2018 steht bei mir bei denselben 6,5 wie 2022. Gleicher Wein, gleiches Haus, gleiche Jahrgangsgüte. Die naheliegende Lesart ist, dass das Weingut besser geworden ist — auch wenn zwei Verkostungen zwei Datenpunkte bleiben und die Flaschenreife sich unterscheidet.

Übrigens ist Limnio an dieser dritten Stelle keine junge Entscheidung. Eine Präsentation von 2014 nennt dort noch Syrah, ein älterer Datensatz Agiorgitiko, aber spätestens im 2018er stand Limnio in der Cuvée. Gepflanzt hat es das Gut 2008.

Im eigenen Haus ordne ich ihn unter dem Gennima Psychis weiß und unter dem Rosé derselben Linie ein, die beide bei 87 stehen; der Rosé war mein Favorit. Im größeren Feld ist 86 ein Wert am unteren Rand — der Amethystos rot von Costa Lazaridi aus derselben Region liegt je nach Jahrgang zwischen 89 und 93. Die einzige Fremdwertung, die Thessaloniki Wine & Spirits Trophy 2026, kam auf exakt dieselbe Zahl wie ich.

Ab Hof kostet der Wein 15,20 Euro, serviert wird er laut Gut bei 16 bis 18 Grad. Trinken würde ich ihn bald; überdauern wird er noch einige Jahre, besser wird er nicht. Interessant bleibt er trotzdem, und zwar genau für die Frage vom Anfang. Wer wissen will, wie Griechenland auf Bordeaux antwortet, findet hier eine Antwort, die nicht die übliche ist. Dass sie in einem schwachen Jahr ausgesprochen wurde, ist Pech, nicht Absicht. Für mich sind das 86 Punkte.

Verkostet: August 2026

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