Ktima Kir-Yianni – Cuvée Villages 2022
PDO Naoussa
100% Xinomavro
Makedonien, Griechenland
Rotwein | trocken
14%
Die Cuvée Villages ist der Einstiegswein in das Naoussa-Sortiment von Kir-Yianni, reinsortiger Xinomavro aus der PDO Naoussa und kein Einzellagenwein. Der Plural im Namen ist Programm, denn die Trauben stammen aus jüngeren Gutsparzellen und von kleinen Erzeugern aus verschiedenen Dörfern der Zone. Die Linie ist jung, ihr erster Jahrgang war 2017, und sie hat einen familiären Ursprung. Stellios Boutaris erzählte bei der Einführung, dass Naoussa zum sonntäglichen Familientisch seiner Kindheit gehörte und dieser Wein daran anknüpfen und zugleich jüngere Trinker erreichen sollte. Gelesen wurde 2022 ab Ende September, es folgten sechs Tage Kaltmazeration, die Gärung im Edelstahl und die malolaktische Gärung im Holz, dann rund ein Jahr im Holz, überwiegend französische Eiche, und noch ein weiteres Jahr Flaschenreife im Keller vor dem Verkauf. 14 Prozent.
Im Glas hatte ich den Wein bei einem Spieleabend Ende September 2026, blind, zusammen mit zwei weiteren Weinen des Guts, dem Diaporos 2020 und dem Ramnista 2021. Alle drei Flaschen hatte ich vorher gemischt und in Tüten gepackt. Als Glas 2 war er für mich sofort der jüngste der drei, und dass es die Cuvée Villages sein musste, ergab sich aus der Auswahl von selbst.
Als Jahrgang war 2022 für Naoussa rot gut, in meiner Jahrgangsdatenbank 8 von 10 und damit deutlich über dem langjährigen griechischen Median von 6,5. Dass der 2022er hinter dem zurückbleibt, was der Wein kann, lässt sich also nicht dem Jahr anlasten.
Farblich war er deutlich weniger blickdicht als die beiden anderen, mit violetten Reflexen, in der Nase ein breiteres Spektrum an Beerenfrüchten und weniger von der typischen Xinomavro-Tomatik, aber doch noch als Xinomavro erkennbar, dazu eine Spur schwarze Johannisbeere, ein bisschen Cassis. Das versprach eigentlich einen interessanten Wein. Am Gaumen wirkte er dann aber unausgegoren und sperrig, die Säure nicht gut integriert und zu aufgeregt, und auch im Nachhall vegetabil und sperrig.
Das hat mich etwas enttäuscht, denn die Cuvée Villages 2019 hatte ich sehr viel besser in Erinnerung. Bei der Xinomavro-Masterclass 2024 kam sie auf 90 Punkte und ließ dort sogar den höher positionierten Ramnista 2019 (88) knapp hinter sich. Diese Höhe erreicht der 2022er nicht. Der Wein kann mehr, als er im Jahrgang 2022 gezeigt hat.
Die Decanter World Wine Awards gaben dem 2022er 2025 Gold und 95 Punkte – für mich passt das gar nicht. Näher an meinem Eindruck liegen Simos Georgopoulos, der ihm im FNL Guide 8 von 10 zusprach, und die 16,5 von 20 von Jancis Robinson.
In Griechenland kostet der Wein rund 12 Euro. Für mich sind das 89 Punkte.

Verkostet: September 2026
Andere Jahrgänge:
Ktima Kir-Yianni – Cuvée Villages 2019 (90, 2024)