Lacules Estate – The Chord 2022
50% Grenache, 30% Cabernet Sauvignon, 20% Syrah
Peloponnes, Griechenland
Rotwein | trocken
14,5%
The Chord ist bei Lacules Estate der kleine Bruder, der Einstieg in den Stil des Guts: Wo die sortenreinen Estate-Weine bei rund 51 Euro liegen, kostet dieser Blend im Lacules-Shop 24 Euro, und er ist der früher zugängliche, frischere Wein der Familie. Auffällig ist, wie stark sich die Cuvée über die Jahrgänge verschoben hat: 2017 lag sie bei 70 % Grenache, 20 % Cabernet Sauvignon, 10 % Syrah; 2018 bei 60/30/10, damals mit Merlot statt Syrah; 2019 bei 60/25/15 und 13,5 %; 2021 bei 45/35/20 und 14,5 %. Der 2022er kombiniert 50 % Grenache, 30 % Cabernet Sauvignon und 20 % Syrah, ebenfalls bei 14,5 %. Klassifiziert ist der Wein schlicht als „Wine from Greece" – ein griechischer Rotwein aus Koroni in Messenien – , und ausgebaut wird er in Fässern.
Man riecht ins Glas und merkt sofort: Hier ist gutes Holz im Spiel. Dazu Wacholder und getrocknete Heidelbeere. Am Gaumen dauert es einen kleinen Moment, man überlegt noch, ob der Wein verhalten bleibt – und dann, bumm, kommt er mit der vollen Breitseite. Der Alkohol ist diesmal wunderbar eingebunden, diese 14,5 % gefallen mir perfekt, gar nichts wirkt vordergründig. Da ist viel Blaubeere, diesmal frische, dazu ein wenig Pflaume und Karamell, und ein ziemlich langer Nachhall. Ein opulenter Wein. Mensch, wenn doch die anderen Hausweine in Griechenland eine solche Opulenz hätten, die sich nicht in rauchigem Holz verstecken müssten. Später kommt noch eine kleine Ernsthaftigkeit dazu, eine Note, bei der ich kurz an Merlot gedacht habe: ein kleines bisschen Oliven-Tapenade – dabei steckt im 2022er-Blend gar kein Merlot.
Wie stellt er sich im Vergleich zu den anderen Jahrgängen dar? Den 2019er habe ich 2022 mit drei Jahren bei 91 gesehen und ihn 2024 mit fünf Jahren noch einmal verkostet: Er hatte sich in der Flasche positiv entwickelt, ich habe auf 92 angehoben. Den 2021er habe ich 2024 mit drei Jahren bei 92+ notiert, er zeigte mehr Körper. Der 2022er ist damit mein bislang höchstbewerteter Chord.
Zum Jahrgang passt das: Der Peloponnes-Rotwein-Jahrgang 2022 war ein sehr guter, ausgewogener, harmonisch-klassischer Jahrgang mit reifer Frucht, seidigen Tanninen und erhaltener Säure – deutlich harmonischer als das Hitze-Extremjahr 2021; das reale Thema war der Peronospora-Druck im Frühjahr, nicht die Hitze. Dass dieser Jahrgang stärker ausfällt als 2021, deckt sich also mit meiner 93 über dem 92+ des 2021ers. Diese Einordnung blickt freilich stark auf Nemea und Agiorgitiko, während Koroni an der Küste liegt – doch die Richtung stimmt.
Einen öffentlichen 2022er-Score gibt es nicht. Für die Nachbarjahrgänge lässt sich einordnen: René Gabriel gab dem 2021er in der Vinothek 14 „16/20, trinken" (dort allerdings mit veralteten 13,5 %); wine.plus bewertete den 2019er mit 86, Oinos den 2016er mit 91, Wine Vein denselben Jahrgang mit 87.
Für mich sind das diesmal keine 92 mehr, sondern tatsächlich 93 Punkte. Doch, die hat er verdient.
Verkostet: Juli 2026