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Zwei Rosés von T-Oinos, und der günstigere hält mit

Autorenbild: Griechische Weine
Griechische Weine
vor 11 Minuten
4 Min. Lesezeit

Zwei Flaschen vom selben Gut, zwei Preisklassen, eine Punktzahl. Der Clos Stegasta Rosé 2023, der Spitzen-Rosé von T-Oinos auf Tinos, kostet in Griechenland rund 60 Euro. Der Mavrosé 2025, der zweite Rosé des Hauses, kostet in Griechenland rund 35 Euro. In Deutschland sind beide Rosés derzeit kaum zu bekommen; der deutsche Importeur des Hauses führt nur Assyrtiko und Mavrotragano. Im Mai 2026 standen beide nebeneinander im Glas, und am Ende stand hinter beiden dieselbe Zahl: 91 Punkte. Im direkten Vergleich war der Mavrosé im Mund sogar der anschmiegsamere. Ein Teil der Erklärung steckt in den Jahrgängen.

T-Oinos Clos Stegasta Rosé 2023 und Mavrosé 2025 nebeneinander im Gras

Das Gut und das Plateau

T-Oinos (der Name spielt mit Tinos und dem griechischen οἶνος, Wein) ist das Prestigeprojekt von Alexander Avatangelos und Gérard Margeon: 1999 als Idee entstanden, ab 2002 bepflanzt, erste Weine 2008. Seit 2016 berät Stéphane Derenoncourt, die Weine macht Thanos Georgilas, zuvor bei Opus One und Château Latour. Herzstück ist Stegasta, ein rund 470 Meter hohes Granitplateau; der Name bedeutet „überdacht“, nach den geschützten alten Pressplätzen in den Weinbergen. Der Meltemi kühlt die Lagen um drei bis vier Grad, Sommernebel wirkt als Sonnenschutz, und die Buschreben werden einzeln an Pfähle gebunden, damit der Wind sie nicht umlegt. Kelterspuren auf der Insel reichen bis 4.000 v. Chr. zurück, wilde Ziegen sind bis heute eine reale Plage, und der Weingutshund Markos firmiert auf der Teamseite als „General Supervisor“. Da Tinos keine eigene PDO hat, laufen die Weine als PGI Kykladen.


Zwei Rosés im Glas

Der Clos Stegasta Rosé 2023 ist eine Cuvée aus 35 % Assyrtiko, 35 % Mavrotragano, 20 % Avgoustiatis und 10 % Malagousia, gelesen am 15. September 2023 in den Parzellen Stegasta, Sparveri und Agios Dimitrios auf 400-450 Metern, auf Granit und sandigem Lehm beziehungsweise Schiefer; Clos Stegasta ist dabei der Name der Spitzenlinie und des Weinbergs, aus dem Assyrtiko und Mavrotragano der Linie kommen, während der Rosé laut Weingut aus diesen drei Weinbergen stammt. Direktpressung, Gärung in Edelstahl mit Hefen aus den eigenen Weinbergen, bis zu sechs Monate auf der Feinhefe, 12 % Alkohol. In der Nase recht kräuterig, grüner Apfel, insgesamt relativ verhalten. Der Antrunk ist sehr druckvoll, dann übernimmt eine starke Säure, das Mundgefühl wird mürbe. Die erhoffte Komplexität fehlt, im Nachhall bleibt außer der Säure wenig, nur eine leichte Bitternote. Das Alterungspotenzial des 2022ers ist hier nicht zu sehen. 92 wären vielleicht noch zu rechtfertigen, aber es fehlt der geschlossene Gesamteindruck: Wir geben ihm 91 Punkte. Wir sind hier kritischer als manche andere Kritiker: James Suckling gab dem 2023er im Januar 2025 94 Punkte und lobte den Duft von Rosen und Flieder, Pfirsich und Orangenschale sowie den dichten Mittelbau und das mineralisch-würzige Finale. Simos Georgopoulos (FNL) vergab 8,5 von 10 und hob getrockneten Jasmin, Vanille und die Tiefe durch lange Lagerung auf der Hefe und in der Flasche hervor.

T-Oinos Clos Stegasta Rosé 2023 vor blühendem Lavendel

Der Mavrosé 2025 besteht aus 80 % Avgoustiatis und 20 % Mavrotragano aus den Parzellen Sparveri und Agios Dimitrios auf rund 400 Metern, Granit mit sandigem Lehm. Buschreben, 10.000 Stöcke je Hektar, 25 hl/ha (das gilt für das ganze Gut). Handlese vom 8.-11. September 2025 früh morgens in 20-Kilo-Kisten, Direktpressung, Edelstahl, eigene Hefen, rund drei Monate Feinhefe, kein Holz, 13 % Alkohol, rund 2.500 Flaschen pro Jahrgang. Die Nase ist rotfruchtig und zugleich floral. Angenehme Säure, sehr gutes, mundauskleidendes Mundgefühl mit einem Eindruck von Süße, obwohl der Wein trocken ist. Der Nachhall ist mittellang, etwas Zitronenmelisse, ein klein wenig grüner Apfel, recht mineralisch, beinahe metallisch; dieser metallische Zug ist das Einzige, was ihn etwas nach unten zieht. Jetzt schon hervorragend trinkbar, kein Grund zu warten. Auch hier: 91 Punkte.

T-Oinos Mavrosé 2025 vor lila Blüten

Was waren das für Jahrgänge?

Ein Vorbehalt vorweg: Für Tinos gibt es keinen eigenen Erntebericht, die Jahrgangswerte gelten für die Kykladen als Ganzes, und die Weinberge auf 400-470 Metern im Meltemi sind darin ein Sonderstandort. Auf unserer Jahrgangsskala von 0 bis 10 stehen die drei Jahre so:

2023 steht bei 6,0. Auf Tinos war es der wärmste Juli und August der gesamten Reihe seit 2000, für einen früh gelesenen, säuregetragenen Wein das ungünstigste Vorzeichen. Das passt zum Eindruck im Glas: Die Säure wurde gerettet (frühe Lese, nur 12 % Alkohol), Textur und Komplexität blieben dünner.

2025 steht bei 8,0, klar über 2023. Kühler als das extrem warme 2024, die wärmste Vegetationsperiode der Reihe, in der schon am 21.-24. August gelesen wurde; 2025 begann die Lese erst am 8.-11. September, zwei bis drei Wochen später. Gegenüber dem Durchschnitt seit 2000 war 2025 allerdings eher etwas wärmer. Es war das nasseste Vegetationsjahr auf Tinos seit 2000, rund 136 mm Regen von April bis Oktober gegen üblicherweise rund 57 mm. Der Monat vor der Lese blieb dennoch trocken.

Und 2022, der erste Jahrgang des Clos Stegasta Rosé, steht bei 9,0, dem stärksten Weißweinwert der Kykladen in diesem Zeitraum: einer der kühleren Sommer der Reihe, dazu rund 11 mm Regen in den 30 Tagen vor der Lese, wo es sonst oft staubtrocken bleibt. Genau die Konstellation, die einem Rosé Säure und Aroma erhält. Und tatsächlich, den Clos Stegasta Rosé 2022 hatten wir 2024 in einem Restaurant auch schon im Glas, als Begleitung zu Lachs, und er hatte uns damals restlos überzeugt, zeigt also, was der Clos Stegasta Rosé grundsätzlich kann: Kirsche in der nicht übermäßig aromatischen Nase, am Gaumen wunderbar, tolle Säure und Mineralität, langer Nachgeschmack, ausdrückliches Reifepotenzial. 94+, bis heute die höchste Rosé-Bewertung in unserem Bestand, wenn auch strukturell nicht ganz so vielschichtig wie der Silphium von La Tour Melas (94).

T-Oinos Clos Stegasta Rosé 2022 auf einem Restauranttisch am Meer

Der Mavrosé hatte das deutlich bessere Jahr und war zum Verkostungszeitpunkt jung und frisch, der Clos Stegasta 2023 kam aus dem heißesten Sommer der Reihe. Das dürfte einen Teil des Gleichstands erklären. Der 2022er zeigt, was dieser Wein in einem guten Jahr kann, und genau deshalb ist die Frage nach dem Preis beim 2023er berechtigt.


Fazit

Wer jetzt einen Rosé von T-Oinos trinken will, nimmt den Mavrosé: Für rund 35 Euro bekommt man einen Wein auf dem Niveau des großen Bruders, und im Mund derzeit den harmonischeren. Den Clos Stegasta Rosé sollte man kennenlernen, aber mit Blick auf den Jahrgang; 2022 hat gezeigt, wohin dieser Wein reichen kann.

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