Pizza-Rosés aus Nord- und Südgriechenland

Zwei Rosés, dieselbe Idee: Syrah vorn, eine griechische Sorte dazu, beide aus dem Jahrgang 2025, beide mit 13,5 % Alkohol, beide dunkler, als man Rosé gemeinhin erwartet. Der eine kommt aus dem äußersten Süden des griechischen Weinbaus, von Kreta, der andere aus dem äußersten Norden, aus Drama. Pizza-Rosé nenne ich so etwas: kräftige, unkomplizierte Rosés, die Tomate, Käse und Kräuter vertragen, ohne gleich einzuknicken.
Der faire Unterschied
Kreta und Drama sind die beiden Enden des griechischen Weinbaus, viel weiter auseinander geht es im Land nicht. Fairerweise muss man einen Unterschied benennen: Der Kreter bringt mit Mandilaria eine echte autochthone Inselsorte mit. Der Wein aus Drama verwendet Agiorgitiko, das heute zwar in ganz Griechenland angebaut wird, aber von der Peloponnes stammt, aus der Gegend um Korinth, genauer aus Nemea. Im nordgriechischen Wein ist die griechische Sorte also selbst eine Zugereiste.
Der Prinos Rosé von Kreta

Der **Prinos Rosé 2025** der Diamantakis Winery besteht aus 70 % Syrah und 30 % Mandilaria, abgefüllt als PGI Kreta. Das Familienweingut wurde 2007 von drei Brüdern gegründet und sitzt in Kato Asites in den östlichen Ausläufern des Psiloritis; die Parzellen liegen auf 350 bis 550 Metern auf Kalkstein. „Prinos" ist übrigens das griechische Wort für die Kermeseiche, einen trockenheitsresistenten Baum der kretischen Berge, der Wein gehört zur Einstiegslinie des Guts.
Im Glas ist er dunkel, geht aber ins Orange. In der Nase kommt er durchaus rotfruchtig und sehr animierend daher, dazu ein kleines wenig Karamell. Am Gaumen ist er sehr cremig, beinahe ölig. Mir fehlt ein wenig Säure, er ist einen Tick zu rund, zeigt leicht oxidative Noten, viel Karamell und eine kleine Kräutrigkeit. Der weiße Prinos 2025 aus Malvasia di Candia Aromatica und Chardonnay hat mir mit 91 Punkten sehr gut gefallen; daran gemessen ist der Rosé etwas schlichter.
Der Gennima Psychis Rosé aus Drama
Der **Gennima Psychis Rosé 2025** vom Estate Manolesakis kombiniert 60 % Syrah mit 40 % Agiorgitiko, abgefüllt als PGI Drama. Beim European Red & Rosé Wine Contest Strasbourg 2026, der ersten Ausgabe dieses Wettbewerbs, holte er Gold. Das Gut sitzt in Adriani bei Drama und liest grundsätzlich nachts, damit die Trauben kühl in den Keller kommen; der Rosé liegt zwei Monate auf der Feinhefe und sieht kein Holz.
Seine tiefe Färbung sieht man ihm stärker an als dem Prinos. In der Nase ist er etwas kühler gestrickt, mit etwas mehr Minze, auch ein kleines wenig Blaubeere ist dabei. Am Gaumen dann eine gute, packende Säure, das Tannin ist grob kalkig. Die Analytik stützt den Eindruck: 6,05 Gramm Säure pro Liter stehen hier 4,95 beim Prinos gegenüber, und genau dort fehlt sie mir ja. Dass die Reben auf tonigem Boden mit eingelagerten kleinen Kalksteinen stehen, passt zumindest hübsch ins Bild.
Urteil, Stilfrage und Einordnung
Der Nachhall ist bei beiden Weinen mittellang, und beide würde ich jetzt trinken. Dem Gennima Psychis traue ich etwas mehr Alterungspotenzial zu, da kann man auch noch ein Jahr warten. Er ist ein sehr gut gemachter Rosé, eben einer mit ein wenig Ecken und Kanten, nicht ganz so geschliffen. Für mich sind das 87 Punkte, der Prinos bekommt 86. Der Abstand ist ein Punkt, mehr nicht, und es bleibt eine Stilfrage: Wer schnell trinkbare, einfache Eleganz bevorzugt, dem mag der Prinos tatsächlich besser schmecken.
Zum Rahmen: 2025 liegt Kreta mit 7,5 über seinem langjährigen Schnitt von 6,5 und Drama mit 8,0 über seinen 7,0, der Nordwein kommt also aus dem etwas besseren Jahr. Wer bei Diamantakis mehr Rosé will, findet ihn im hauseigenen Spitzen-Rosé Diamantopetra Rosé 2025 aus reinem Liatiko, bei mir 89 Punkte. Bei Manolesakis liegt die Gennima-Psychis-Linie durchgehend auf diesem Niveau: Der weiße 2025er aus Sauvignon Blanc und Assyrtiko kam auf 87, der rote 2022er aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Limnio auf 86. Der Rosé ist also kein Ausreißer, sondern Haus-Standard.
Auch preislich bleiben beide im unkomplizierten Bereich: Der Prinos kostet rund 8 Euro in Griechenland und in Deutschland rund 9 Euro, der Gennima Psychis rund 11 Euro in Griechenland und in Deutschland rund 12 Euro. Für Weine, die man jetzt aufmacht und nicht lange befragt, ist das sehr vernünftig.
Das also sind meine beiden Pizza-Rosés aus Nord- und Südgriechenland: einer, der schmeichelt, und einer, der zupackt. Die Pizza darf sich aussuchen, mit wem sie lieber am Tisch sitzt.
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