Passas Winery – Mavra Nera weiß 2025
40% Assyrtiko, 30% Vidiano, 30% Sauvignon Blanc
Thrakien, Griechenland
Weißwein | trocken
13%
Diese Notiz gehört zu einer Verkostung von zwei Weinen nebeneinander. Am 4. August standen der Mavra Nera White 2025 der Passas Winery und der Gennima Psychis weiß 2025 vom Ktima Manolesakis zusammen im Glas, zwei Cuvées, die sich auf dem Papier ähneln und die eine Grenze trennt.
Passas liegt in Stavrochori im Regionalbezirk Xanthi, also in Thrakien, an den nördlichen Hängen des Nestos-Tals am Fuß der Rhodopen, auf 110 bis 130 Metern. Der Boden trägt obenauf gut dreißig Zentimeter Sand, darunter liegen tonige und lehmig-tonige Schichten mit Schiefer bis über einen Meter Tiefe, und das Klima ist kontinental geprägt, mit großen Tag-Nacht-Unterschieden. Der Weinbau war in dieser Gegend rund hundert Jahre lang fast verschwunden, weil der Tabak alles andere verdrängt hatte. Kyriakos Papadopoulos und seine Frau Sara, selbst Tabak- und Apfelbauern, pflanzten 2007 die ersten Reben; das Weingut gibt es seit 2016, heute arbeitet Sohn Giorgos als studierter Önologe mit. Der Name Passas ist ein Familienbeiwort, über Generationen weitergereicht – der aus Pafra im Pontos geflüchtete Großvater Kyriakos wurde von seiner jüngeren Schwester respektvoll so gerufen. Mavra Nera heißt schwarze Wasser und meint das Land am Nestos.
Interessant ist, was auf dem Etikett nicht steht. Der Wein trägt keine geschützte Herkunft, er läuft als Rebsortenwein. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern hat zwei Gründe, die unabhängig voneinander greifen. Stavrochori gehört nicht zu den Gemeinden der PGI Thrakien, und Vidiano ist dort als Sorte ohnehin nicht zugelassen. Beides ist aus dem amtlichen Dossier abgeleitet, das Gut selbst äußert sich dazu nicht.
Genau dieser Vidiano ist die Neuerung. 2019, bei der Markteinführung, war der Wein eine Zweiercuvée aus 70 Prozent Sauvignon Blanc und 30 Prozent Assyrtiko; heute stehen 40 Prozent Assyrtiko, 30 Prozent Vidiano und 30 Prozent Sauvignon Blanc auf dem Datenblatt, und Vidiano kam erst 2017 in die Weinberge. Ausgebaut wird ohne jedes Holz, nach zehn Stunden Kaltmazeration im Edelstahl, danach acht Wochen auf der Feinhefe. 18.000 Flaschen.
Zum Jahrgang lässt sich weniger sagen, als mir lieb wäre. Für Thrakien gibt es keine eigene Jahrgangseinordnung, das ist eine echte Lücke, und den Wert des benachbarten Drama einfach zu übernehmen wäre falsch, weil Drama als eine der ganz wenigen griechischen Weinregionen ohne Meerzugang einer eigenen Logik folgt. Bleibt der nationale Rahmen, und 2025 war landesweit ein gutes Jahr mit milderen Temperaturen und wenigen Extremereignissen.
Im Glas ist der Wein sehr klar, und in der Nase deutlich intensiver als der Manolesakis daneben. Etwas Jasminblüte, etwas grüner Apfel, dazu Anklänge von Passionsfrucht. Am Gaumen dann eine vom ersten Zungenkontakt an packende Säure und, das hat mich überrascht, erstaunlich wenig Schmelz für den Vidiano-Anteil. Dafür viel Mirabelle, die am Gaumen entlangrollt. Ein erstaunlich mundfüllender Wein.
Die 13 Prozent Alkohol tun ihm sehr gut. Beim 2020er hatte ich seinerzeit notiert, dass ihm etwas Extrakt fehlt und er nicht so rund wirkt, was auch an nur 12,5 Prozent liege – hier ist genau das behoben. Ehrlicherweise ist der Alkohol dabei nicht die einzige Änderung, zwischen den beiden Flaschen liegen auch ein anderer Jahrgang und eine umgebaute Cuvée. Es ist das Zusammenspiel, nicht das halbe Prozent allein.
Das Bemerkenswerteste kommt zum Schluss. Im Nachhall schält sich noch der Sauvignon Blanc heraus, und zwar fruchtig-exotisch. Der Aufbau ist damit ungewöhnlich, Säure im Antrunk, Mirabelle und wenig Schmelz vom Vidiano im Mittelteil, und erst hinten die exotische Frucht, die sich ganz organisch löst. Genau daran zeigt sich der Unterschied zum Manolesakis, wo derselbe Sauvignon Blanc die kräutrig-grasige Seite bedient. Zwei Wege mit einer Sorte, an einem Abend nebeneinander.
Was fehlt, ist Komplexität im Sinn mehrerer gleichzeitig auftauchender Ebenen. Aber das, was da ist, entfaltet sich so harmonisch, dass ich ohne Zögern von einem außergewöhnlichen Jahrgang dieses Weins spreche.
Ein Wort noch zum Verschluss, weil er mir aufgefallen ist. Es ist ein synthetischer Stopfen, und er schließt schlecht, wenn man ihn wieder aufsetzt und die Flasche in den Kühlschrank stellt. Am Wein ist das kein Schaden, technisch spricht nichts dagegen und von einem Korkton war nichts zu bemerken, und erklären lässt es sich auch – solche Stopfen werden beim Abfüllen maschinell stark zusammengedrückt und dehnen sich im Flaschenhals wieder aus, von Hand bekommt man sie nicht mehr gleichmäßig hinein. Trotzdem, dieser Wein hätte einen besseren Korken verdient.
Fremdwertungen gibt es kaum. Der FNL Guide bewertete den 2023er mit 7,5 von 10, Simos Georgopoulos lobte einen frischen, ausgewogenen Blend, bei dem keine der drei Sorten sich in den Vordergrund drängt; für 2025 liegt nichts vor.
Der Preis liegt beim griechischen Fachhändler bei 10,90 Euro, im Markt insgesamt zwischen 10 und 12, in Deutschland bei knapp 11. Dafür bekommt man einen Wein, der in Griechenland kaum bekannt ist und dazu von außerhalb jeder geschützten Bezeichnung kommt. Ich bin gespannt, ob mir Vidiano künftig häufiger in diesen Cuvées aus Assyrtiko und Sauvignon Blanc begegnet, und auf den reinsortigen Vidiano dieses Guts sowieso. Für mich sind das 90 Punkte.
Verkostet: August 2026
Andere Jahrgänge:
Passas Winery – Mavra Nera weiß 2020 (89, 2022)