Estate Manolesakis – Gennima Psychis weiß 2025
Sauvignon Blanc - Assyrtiko
PGI Drama
70% Sauvignon Blanc, 30% Assyrtiko
Makedonien, Griechenland
Weißwein | trocken
12%
Am 4. August standen zwei Weißweine nebeneinander im Glas, die sich auf dem Papier ähneln, der Gennima Psychis weiß 2025 vom Ktima Manolesakis und der Mavra Nera White 2025 der Passas Winery. Beide bauen auf Sauvignon Blanc und Assyrtiko, beide kommen aus dem Nordosten, und zwischen ihnen verläuft eine Grenze. Manolesakis liegt in Adriani und damit mitten in der PGI Drama, Passas ein paar Kilometer weiter östlich in Thrakien und außerhalb jeder geschützten Herkunft.
Der Gennima Psychis ist bei Manolesakis die mittlere Linie, deutlich über der Einstiegsserie EXIS und unter den reinsortigen Weinen wie der Malagouzia. Der Name heißt sinngemäß Erzeugnis der Seele, und er hat eine kleine Geschichte – er war einmal der Name des ganzen Guts. 2007 firmierte der Betrieb als Estate Gennima Psychis, 2015 hieß er wieder Manolesakis, und der Name blieb als Weinlinie erhalten. Die Trauben stammen von zwei Hektar eigener, in Reihen angelegter Parzellen bei Adriani auf 200 bis 300 Metern, auf Tonboden mit kleinen Kalksteinstücken, die für Wasserabzug sorgen. Gelesen wird nachts, damit die Trauben kühl in den Keller kommen; danach folgen eine präfermentative Kaltextraktion, die Verwendung ausschließlich des Vorlaufmosts, getrennte Vinifikation der beiden Sorten und zwei Monate auf der Feinhefe. Kein Holz. 7.000 Flaschen.
Ein Detail lohnt den Blick auf frühere Jahrgänge. Der Wein war lange eine Dreiercuvée; 2020 standen 60 Prozent Sauvignon Blanc, 30 Prozent Chardonnay und 10 Prozent Assyrtiko darin. Im 2025er ist der Chardonnay verschwunden, es sind 70 Prozent Sauvignon Blanc und 30 Prozent Assyrtiko. Wann genau umgestellt wurde, ist nicht dokumentiert, aber es erklärt, warum ältere Wertungen nur bedingt taugen – der FNL Guide gab dem 2021er 7,5 von 10, damals aber noch mit Chardonnay im Verbund.
Der Jahrgang spricht für den Wein. 2025 war in Drama das stärkste Jahr seit 2020, mit reichlichen Winterschneefällen, milden Reifetemperaturen und einer Lese, die am 7. August im Normalbereich begann. Erstmals bekam Adriani im Erntebulletin einen eigenen Absatz, der ein ausgeglichenes Jahr mit günstigen Tag-Nacht-Schwankungen und Weißweinen mit Typizität und guter Balance beschreibt. Einschränkend gehört dazu, dass das bislang eine Erwartung aus einem Erntebericht ist und kein nachverkostetes Urteil.
Umso genauer habe ich hingeschmeckt. In der Nase etwas Honig, unterlegt von einer Spur Minze, dazu ein bisschen Nektarine. Am Gaumen setzt der Wein mit gutem Grip an, der aber ein wenig die Säure erstickt, und mit ihr das Erfrischende. Es fehlt etwas Alkohol, sodass der Wein ein bisschen dünnflüssig bleibt und recht viele Kanten zeigt. Der Nachhall ist recht kurz, hinten kommt noch etwas Kräutriges.
Der Sache nach ist die Säure gar nicht knapp, das Datenblatt nennt 5,1 Gramm. Es ist ihre Wirkung im Antrunk, die mir nicht erfrischend genug erscheint, und das fällt besonders auf, wenn man parallel den Mavra Nera von Passas im Glas hat, wo die Säure vom ersten Moment an packt. Auch beim Alkohol passt mein Eindruck zur niedrigeren der beiden kursierenden Zahlen; die Flasche trägt 12 Prozent, die Produzentenseite behauptet 12,5.
Bei der Bewertung habe ich mit mir gerungen. Der Rosé aus derselben Linie gefällt mir ziemlich gut, und eigentlich müsste dieser Weißwein einen Punkt darunter liegen. Aber dann wird es zu wenig, das trifft ihn nicht. Also bekommt er gleich viel wie der Rosé.
Denn was er kann, kann er gut. Das ist ein schöner Zechwein, wie man ihn in Griechenland sonst häufig mit Malagousia und mehr floralen Noten hat, die man beim Essen ja gar nicht immer will. Zu hellem Fisch ist das eine sehr gute Möglichkeit, und Säure bringt er dafür genügend mit. Wer Sauvignon Blanc in der etwas grasigeren Ausprägung mag, ist hier richtig – und genau darin liegt der Kontrast zum Passas, wo sich dieselbe Sorte im Nachhall exotisch-fruchtig zeigt. Zwei Wege mit einer Rebsorte, und der interessantere kam ausgerechnet von außerhalb der Appellation.
Beim Gut kostet der Wein ab 12,40 Euro. Das ist fair für das, was er ist, und er ist bewusst nichts anderes. Für mich sind das 87 Punkte.

Verkostet: August 2026