Diamantakis Winery – Prinos rosé 2025
Syrah - Mandilaria
PGI Kreta
70% Syrah, 30% Mandilaria
Kreta, Griechenland
Roséwein | trocken
13,5%
Pizza-Rosés aus Nord- und Südgriechenland – so lässt sich diese Verkostung wohl am besten überschreiben. Im Glas standen nebeneinander zwei Rosés des Jahrgangs 2025, die beide von Syrah dominiert werden und diese internationale Sorte mit einer griechischen kombinieren: der Prinos Rosé von der Diamantakis Winery aus Kreta, also vom südlichen Ende des griechischen Weinbaus, und der Gennima Psychis Rosé von Estate Manolesakis aus Drama, ganz im Norden. Fairerweise muss man dabei einen Unterschied benennen: Der Kreter setzt mit Mandilaria auf eine tatsächlich autochthone Sorte der Insel, während der Wein aus Drama Agiorgitiko verwendet – eine Sorte, die von der Peloponnes stammt, aus der Gegend um Korinth, nämlich aus Nemea, und die heute in ganz Griechenland angebaut wird. Auch beim Alkohol liegen die beiden mit jeweils 13,5 % dicht beieinander.
Der Prinos Rosé ist eine Cuvée aus 70 % Syrah und 30 % Mandilaria, klassifiziert als PGI Kreta. Das ist übrigens keine Abstufung, sondern die einzig mögliche Kategorie: Kato Asites, der Heimatort des Weinguts im Regionalbezirk Heraklion, liegt zwar am Rand der Zone der PDO Dafnes, doch deren Spezifikation kennt beim trockenen Wein nur Rotwein aus mindestens 80 % Liatiko und höchstens 20 % Mandilaria – Syrah und trockener Rosé kommen darin gar nicht vor. Die Trauben wachsen in zwei Parzellen namens „Pezoules Tyri“ und „Pefki“ an den östlichen Ausläufern des Psiloritis, auf Kalksteinböden in 350 bis 550 Metern Höhe. Im Keller werden Syrah und Mandilaria getrennt vinifiziert, vergoren wird im Edelstahl bei kontrollierten 16 °C, danach liegt der Wein drei Monate auf der Feinhefe – ausdrücklich ohne Holz. Verantwortlich ist Zacharias Diamantakis, einer der drei Brüder, die das Familienweingut 2007 gegründet haben; er hat Önologie in Athen studiert. „Prinos“ (Πρίνος) bezeichnet im Griechischen die Kermeseiche, einen trockenheitsresistenten Baum der kretischen Bergregionen – das stilisierte Baummotiv auf dem Etikett passt jedenfalls dazu. Der Rosé erschien erstmals mit dem Jahrgang 2013, Anfang 2014, als drittes Mitglied der Prinos-Linie, die im Sortiment von Diamantakis die Einstiegslinie bildet – oberhalb rangiert die Diamantopetra-Linie. Ab Hof kostet der Prinos Rosé 4,90 Euro, vom 2025er wurden 12.000 Flaschen gefüllt.
Als Jahr war 2025 auf Kreta hart – so jedenfalls berichtet es auch der Erntebericht des Weinguts selbst: das vierte Dürrejahr in Folge nach einem dreijährigen Niederschlagsdefizit, dazu zwei Hitzewellen im Juli und August und Ertragseinbußen von bis zu 50 %. Bei Diamantakis begann die Lese entsprechend früh, am 4. August mit Liatiko; die Mandilaria für diesen Rosé kam im September herein, der Ernteabschluss fiel auf den 30. September.
Im Glas ist der Prinos ein dunklerer Rosé, der auch ins Orange geht – der Gennima Psychis ist in seiner Färbung allerdings noch tiefer. In der Nase kommt der Prinos rotfruchtig und sehr animierend daher, mit einem kleinen bisschen Karamell. Am Gaumen ist er sehr cremig, beinahe ölig. Hier fehlt mir allerdings ein wenig Säure, der Wein ist mir etwas zu rund, zeigt leicht oxidative Noten, viel Karamell und ein kleines wenig Kräutrigkeit. Der Nachhall ist mittellang. Der Gennima Psychis ist demgegenüber in der Nase kühler gestrickt, mit mehr Minze und einem kleinen bisschen Blaubeere, und bringt am Gaumen eine gute, packende Säure sowie grob kalkiges Tannin mit – ein sehr gut gemachter Rosé mit Ecken und Kanten, nicht ganz so geschliffen. Der weiße Prinos hat mir übrigens sehr gut gefallen; dieser Rosé ist im Vergleich etwas schlichter.
Interessant ist, wie sehr sich mein Eindruck mit Wertungen zu früheren Jahrgängen deckt. Simos Georgopoulos notierte im FNL Guide beim 2017er neben Johannisbeere und Wassermelone ebenfalls Karamell und eine eher dunkle Roséfarbe (7/10), und Greg Sherwood MW attestierte dem 2023er, den er bei 87 Punkten sah, einen rund-fleischigen Körper und eine „gerade ausreichende Frische“. Das ist offenbar ein Stil-Faden dieses Weins, kein Ausrutscher des Jahrgangs. Höher hinaus ging es beim 2021er, dem das International Wine Review 90 Punkte gab; der 2020er holte bei den Decanter World Wine Awards 87 Punkte und Bronze.
Beide Weine dieser Verkostung würde ich jetzt trinken; dem Gennima Psychis traue ich etwas mehr Alterungspotenzial zu, da kann man auch noch ein Jahr warten. Er ist für mich der etwas bessere Wein – wobei: Wer schnell trinkbare, einfache Eleganz bevorzugt, dem mag der Prinos tatsächlich besser schmecken. Zur Pizza machen beide eine gute Figur. 86 Punkte.

Verkostet: Juli 2026