Estate Manolesakis – Gennima Psychis rosé 2025
Syrah - Agiorgitiko
PGI Drama
60% Syrah, 40% Agiorgitiko
Makedonien, Griechenland
Roséwein | trocken
13,5%
Diese Notiz stammt aus einer gemeinsamen Verkostung zweier griechischer Rosés, die ich meine beiden „Pizza-Rosés aus Nord- und Südgriechenland“ nenne: der Prinos Rosé 2025 von Diamantakis aus Kreta und eben dieser Gennima Psychis Rosé 2025 vom Estate Manolesakis aus Drama. Die Parallelen sind reizvoll: Beide Weine sind Syrah-dominiert und kombinieren die Rhône-Sorte mit einer griechischen Rebsorte, beide stammen aus demselben Jahrgang, beide sind vom Alkohol her sehr ähnlich, und beide sind dunklere Rosés. Der eine kommt vom südlichsten Ende des griechischen Weinbaus, der andere aus dem Norden. Fairerweise muss man dabei sagen: Der Kreter bringt mit Mandilaria eine tatsächlich autochthone Sorte mit, während der Wein aus Drama auf Agiorgitiko setzt – eine Sorte, die mittlerweile in ganz Griechenland angebaut wird, aber von der Peloponnes stammt, aus der Gegend um Korinth, nämlich aus Nemea. Im nordgriechischen Wein ist die griechische Sorte also selbst eine Zugewanderte.
Das Estate Manolesakis sitzt in Adriani bei Drama, im Nordosten Makedoniens, auf tonigen Böden, deren Drainage von eingelagerten kleinen Kalksteinen profitiert. Der Gennima Psychis Rosé – der Handel übersetzt „Γέννημα Ψυχής“ mit „Born Soul“ – ist seit 1998 im Markt und besteht laut Gutsangabe aus 60 % Syrah und 40 % Agiorgitiko von 1,5 Hektar eigenen Anlagen, bei 800 bis 900 Kilogramm je Stremma. Gelesen wird nachts, ein Hausprinzip bei allen Weinen des Guts: Die Trauben sollen kühl statt warm im Keller ankommen, um ohne Hitzeschock in die vorgärige Kaltextraktion zu gehen. Syrah und Agiorgitiko liegen dann gemeinsam ein bis zwei Stunden auf der Maische, bis die gewünschte Farbe erreicht ist, danach klassische Rosé-Vinifikation und zwei Monate auf der Feinhefe – ganz ohne Holz. Klassifiziert ist der Wein als PGI Drama, der Alkohol liegt bei 13,5 %.
Als Jahr war 2025 in Drama stark – in meiner Jahrgangseinstufung eine 8: reichliche Winterschneefälle und Frühjahrsregen füllten die Wasserreserven, die Reifephase verlief mild, der Lesebeginn am 7. August lag im Normalbereich. Für die Anbaulage Adriani, also genau den Ort des Guts, werden ein ausgeglichenes Jahr, günstige Tag-Nacht-Schwankungen und eine problemlose Lese beschrieben, wobei einige kühle Regen die aromatische und phenolische Reife verstärkt haben sollen. Kreta 2025 stufe ich vorläufig bei 7,5 ein – der Nordgrieche in diesem Flight kommt also aus dem etwas besseren Jahr.
Im Glas ist der Gennima Psychis der dunklere der beiden – man sieht ihm seine tiefe Färbung stärker an, während der Prinos ins Orange geht. In der Nase ist er im Vergleich zum Prinos etwas kühler gestrickt, mit etwas mehr Minze, dazu ein kleines wenig Blaubeere. Am Gaumen dann eine gute, packende Säure – und das deckt sich mit der Analytik: 6,05 g/l Gesamtsäure stehen hier 4,95 g/l beim Prinos gegenüber, dem am Gaumen in meinen Augen genau diese Säure ein wenig fehlte. Das Tannin ist grob kalkig; ob das etwas mit den kleinen Kalksteinen im tonigen Boden von Adriani zu tun hat, lasse ich offen. Der Nachhall ist, wie beim Prinos, mittellang. Unterm Strich ist das ein sehr gut gemachter Rosé, eben einer mit ein wenig Ecken und Kanten, nicht ganz so geschliffen. Wobei ich einschränken muss: Wer Eleganz bevorzugt, und zwar schnell trinkbare, einfache Eleganz, dem mag der Prinos, den ich mit 86 Punkten bewerte, tatsächlich besser schmecken – der Unterschied ist eine Stilfrage, kein Qualitätsgefälle. Beide Weine würde ich jetzt trinken, doch dem Gennima Psychis traue ich etwas mehr Alterungspotenzial zu; da kann man auch noch ein Jahr warten.
Vom Estate Manolesakis kannte ich bislang zwei Weine, beide 2021 verkostet: die Pelagia 2017 als Vierjährige mit 89 Punkten und den roten Gennima Psychis 2018 als Dreijährigen mit 79 Punkten – anderer Weintyp, sieben Jahre Abstand, also kein direkter Vergleich, aber eine Randnotiz wert. Das Gut empfiehlt den Rosé bei 10 bis 12 °C zu Hummerpasta, gefüllten Tomaten, Pilzpastete oder griechischen Ladera; bei mir stand er, wie gesagt, zur Pizza auf dem Tisch.
87 Punkte.

Verkostet: Juli 2026