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Jahrgang 2018

zweigeteilt · Weiß gerettet · Naoussa ruiniert, Amyndeon verschont

Landesweit 5,0 von 10 · Sicherheit der Einstufung: mittel

Amyndeon – Rot 8,5 (Sicherheit: mittel)

Santorini – Rot 7,0 · Weiß 8,0 (Sicherheit: hoch)

Mantinia – Weiß 7,0 (Sicherheit: hoch)

Rapsani – Rot 6,5 (Sicherheit: niedrig)

Attika – Rot 6,0 · Weiß 7,0 (Sicherheit: mittel)

Maroneia – Rot 6,0 · Weiß 6,5 (Sicherheit: niedrig)

Nemea – Rot 6,0 (Sicherheit: hoch)

Goumenissa – Rot 6,0 · Weiß 6,0 (Sicherheit: mittel)

Metsovo – Rot 6,0 · Weiß 6,0 (Sicherheit: mittel)

Lokris – Rot 5,5 · Weiß 5,5 (Sicherheit: mittel)

Naoussa – Rot 5,0 · Weiß 6,0 (Sicherheit: hoch)

Karditsa – Rot 5,5 · Weiß 5,5 (Sicherheit: niedrig)

Meteora – Rot 5,5 · Weiß 6,0 (Sicherheit: mittel)

Kreta 6,5 · Drama 6,5 · Pangeon 6,5 · Epanomi 6,0 · Peloponnes außerhalb von Nemea und Mantinia 6,0 (jeweils als Gesamtwert ohne Farbtrennung)

Der Attika-Wert gilt für die Ebene um Athen, nicht für Lokris in Phthiotis; das trägt einen eigenen.

2018 war kein Jahrgang, sondern zwei. Bis Anfang Juli verlief die Saison landesweit günstig, feuchter als üblich, ohne Hitzewellen und ohne Stürme. Danach entschied allein der Regen, und er fiel nicht dort, wo eine Landkarte ihn erwarten ließe: Auf Santorini hatte es seit Monaten überhaupt nicht geregnet, während in Naoussa der Juli nicht aufhörte. Der eine Umstand brachte einen der besten Assyrtiko-Jahrgänge der Insel hervor, der andere ruinierte den späten Rotwein.

Die größte Distanz dieses Jahres liegt deshalb nicht zwischen Nord und Süd, sondern innerhalb Makedoniens: Zwischen Naoussa und dem benachbarten Hochland von Amyndeon liegen dreieinhalb Punkte, und das sind zugleich die beiden Extremwerte des ganzen Jahrgangs. Mehltau richtet sich nicht nach Landesteilen, sondern nach Standorten.

Wer 2018 im Glas gut treffen wollte, musste sich bei drei Dingen richtig entscheiden: Farbe, Region und Erzeuger.

Amyndeon – Rot 8,5

Der höchste Wert dieses Jahrgangs steht in derselben Rebsorte und derselben Provinz, die anderswo untergingen. Amyndeon liegt zwischen sechshundert und siebenhundertfünfzig Metern hoch, auf einer Hochebene zwischen vier Seen, und ist die kühlste Xinomavro-Zone des Landes.

Das Jahr begann dort günstig, die Blüte kam eine Woche früher als gewöhnlich, der Fruchtansatz brachte zwanzig Prozent mehr Ertrag. Mai und Juni waren nass und setzten Krankheitsdruck, doch dann kippte das Wetter in die Gegenrichtung: Vom Ende des Juni bis in den späten September fielen zweiundachtzig Millimeter Regen, für ein Weinbaugebiet praktisch nichts. Gelesen wurde mindestens zehn Tage früher als üblich. Der Mehltau, der Naoussa die Ernte auffraß, kam hier nicht an.

Für Xinomavro war das ein sehr gutes Jahr: gesundes Lesegut, klare Struktur, keine Selektionsnot. Der landesweite Wert von 5,0 sagt über diese Weine nichts aus – er beschreibt ein Land, in dem es regnete.

Naoussa – Rot 5,0 · Weiß 6,0

Der schwerste Naoussa-Jahrgang der Dekade. Eine ungewöhnlich lange, nasse Juliphase löste massiven Echten und Falschen Mehltau aus, und der abrupte Wechsel von nass zu trocken im August setzte die Reben zusätzlich unter Stress. Die Reife lief auseinander.

Für eine spät reifende, dünnschalige Sorte ist das die schlechteste aller Kombinationen. Die Xinomavro-Lese zog sich von Anfang September bis Anfang Oktober, eine der längsten überhaupt, und sie fand unter durchgehendem Krankheits- und Fäulnisdruck statt. Wer sauber durchkam, kam mit strengster Selektion durch. Die Weine wurden schlank und arm an Gerbstoff, mit hohen pH-Werten und wenig Konzentration. Karakasis nannte 2018 einen herausfordernden, leichteren Jahrgang und die Weine leicht, pfeffrig, texturbetont. Der Naoussa-Winzer Nikos Foundis hatte im Juli zeitweise damit gerechnet, überhaupt nicht zu lesen.

Die Weißen des Nordens kamen besser davon, weil sie früher am Haken waren. Wo Malagousia und Assyrtiko gesund und rechtzeitig gelesen wurden, entstanden solide Weine.

Goumenissa – 6,0

An den Paiko-Hängen stand über lange Zeit dieselbe sehr hohe Luftfeuchte wie in Naoussa, und dann tat das Wetter etwas, was es fünfundvierzig Kilometer weiter südwestlich nicht tat: Ab Ende August blieb es bis zum Ende der Lese trocken. Die Reben richteten sich wieder auf, der Pilzbefall hörte auf. Mitte September schrumpften die Beeren leicht, weil nach der feuchten Phase nun das Wasser fehlte; gelesen wurde eine Woche früher, bei fünfzehn bis zwanzig Prozent weniger Menge und auffallend hohen Säuren in Weiß wie Rot.

Einen Punkt über dem Landeswert, aber nicht mehr, und der Grund steht im Bericht der Erzeuger selbst: Das auffälligste Merkmal dieser Lese war die starke Ungleichmäßigkeit bis hinunter auf den einzelnen Rebstock. Ein selektionsabhängiges Jahr, kein gutes.

Santorini – Weiß 8,0 · Rot 7,0

Das beste Weiß dieses Jahres wuchs aus einem Wassermangel, den man sonst als Katastrophe beschreiben würde. Von September 2017 bis Juli 2018 fielen auf der Insel rund 155 Millimeter Regen, im Frühjahr davon 4,6. Die Wasserreserven mehrerer Jahre waren zu diesem Zeitpunkt bereits aufgebraucht.

Gelesen wurde entsprechend früh und in einem Zug: Der Beginn lag teils schon am 22. Juli, und bis zum 17. August war jede Sorte jeder Parzelle im Keller. Was in die Presse ging, waren winzige Beeren mit einem Verhältnis von Haut zu Saft, wie es Assyrtiko nur in solchen Jahren erreicht – intensiv, säurebetont, mineralisch, langlebig. Fäulnisrisiko gab es keins, weil es nichts gab, was hätte faulen können.

Bezahlt wurde das in der Menge. Die Insel brachte rund 1.900 Tonnen ein, fünfundvierzig Prozent unter ihrem Durchschnitt. Wie schmal die wirtschaftliche Grundlage auf Santorini inzwischen ist, lässt sich an dieser Zahl besser ablesen als an jedem Verkostungsurteil.

Peloponnes – Nemea 6,0 · Mantinia Weiß 7,0

Auf dem Peloponnes lief es ähnlich wie im Norden, nur milder. Der Vegetationsstart kam zehn bis fünfzehn Tage früher als im Vorjahr, dann brachten August und September viel Regen und mit ihm Falschen Mehltau, am stärksten im Talkessel von Nemea.

Was daraus wurde, hing an der Höhenlage, und zwar so stark, dass ein einziger Wert das Gebiet kaum noch beschreibt. Agiorgitiko ist dünnschalig, und dünnschalig heißt in einem nassen September Fäulnis, Verdünnung, Farb- und Säureverlust. Genau das traf die Talweine. Auf den Höhen um Koutsi war davon wenig zu spüren, und die Erzeugerstimmen aus Nemea gehen entsprechend weit auseinander – von anfänglicher Entmutigung bei am Ende zufriedenstellendem Ergebnis bis zu exzellenten Trauben in der eigenen Lage.

Mantinia gehörte zu den Gewinnern des frühen Lesetermins, wie in diesem Jahr fast alle Weißen. Der Moschofilero war weitgehend herein, bevor der Herbstregen kam, und profitierte von einem kühlen, frischen Verlauf mit großer Tag-Nacht-Spanne.

Attika – Rot 6,0 · Weiß 7,0

Die Ebene um Athen hatte den ruhigsten Verlauf: kühler Juni und Juli, danach ein milder, trockener Sommer praktisch ohne Regen. Die Véraison verzögerte sich um rund zwei Wochen, gelesen wurde ab Mitte August, ohne Regen und ohne Pilzkrankheiten. Für die trockenresistenten Savatiano-Altreben Attikas war das ein sauberes Jahr, und die Weißen sind der klare Lichtblick der Region. Die Roten gerieten makellos, aber kühl und leicht – pfeffrig statt kraftvoll.

Am 23. und 24. Juli brannte bei Mati in Ostattika der tödlichste Waldbrand Europas seit über einem Jahrhundert; mindestens 102 Menschen starben. Es war ein Küsten- und Siedlungsbrand nahe Athen und traf kein bedeutendes Weinbaugebiet.

Lokris – Rot 5,5 · Weiß 5,5

Die Landschaft am Nordeuböischen Golf ging als eine der wenigen ohne Bruch durch dieses Jahr. Ein milder, trockener Winter und ein für die Jahreszeit warmes Frühjahr zogen den Austrieb nach vorn. Im Juni und Juli fiel dann reichlich Regen – jener Regen, der Naoussa zerlegte –, aber er fiel hier auf vergleichsweise niedrige Temperaturen, und mit dem Wechsel der Luftströmungen von Parnass und Golf reiften die Trauben physiologisch normal aus. August und September brachten vereinzelte Schauer bei ebenfalls kühlen Werten. Gelesen wurde in den letzten Julitagen mit den Weißen, danach mit den Roten; die Erträge lagen auf Vorjahresniveau, vierhundert bis sechshundert Kilogramm je Stremma in den Höhenlagen, siebenhundert bis tausend in der Ebene.

Der Landeswert von 5,0 ist der niedrigste unserer ganzen Reihe, und er stammt fast vollständig aus dem Norden. Für Lokris ist er nicht einschlägig; der halbe Punkt darüber steht für eine Reife, die hier ohne Zwischenfall durchlief.

Maroneia – Rot 6,0 · Weiß 6,5

Ganz im Osten, in der thrakischen Küstenebene, verlangte 2018 vor allem Planung: Die Menge fiel kleiner aus, das Geerntete blieb hochwertig, die Roten kamen mit hohem Alkoholpotenzial und guter Konzentration herein. Der Küstenraum unter den Rhodopen hat mit dem Klima Naoussas nichts gemein, an dem der niedrige Landeswert hängt – und was hier gelang, war zu einem guten Teil Arbeit im Weinberg und nicht die Gunst des Jahres. Deshalb steht der Wert nur mäßig darüber.

Rapsani – Rot 6,5

Am Osthang des Olymp wurde insgesamt zehn Tage früher gelesen als gewöhnlich, und die Trauben kamen gesund herein, mit guter Farbe und hohem Alkoholpotenzial. Gesundheit war in diesem Jahr die entscheidende Größe, und deshalb steht die Appellation eineinhalb Punkte über dem Landeswert – und zwei unter Amyndeon.

Kreta – 6,5

Feucht und heiß zugleich, dazu Hagel, Dauerregen und Junihitze. Der Ertrag fiel regional um vierzig bis fünfzig Prozent, gelesen wurde spät, erst nach dem 15. August. Trotz der Nässe blieb der Botrytisbefall gering: Die spät reifenden Roten – Liatiko, Kotsifali, Mandilaria – und das Vidiano der Höhenlagen konnten zwischendurch abtrocknen. Ordentlich, wo sorgfältig gearbeitet wurde, und klar unter 2017 und 2019.

Unsere Weine

Dreiundvierzig griechische Weine aus 2018 haben wir verkostet, von dreiunddreißig Erzeugern. Der Median liegt bei 90 Punkten. Santorini 2018 fehlt bei uns vollständig.

Aus Amyndeon, dem höchstbewerteten Gebiet dieses Jahrgangs, stehen vier Flaschen in der Datenbank, alle vom Alpha Estate: das Assyrtiko Aghia Kiriaki mit 93 und 90 Punkten aus zwei Verkostungen, der Chardonnay mit 93 und der Pinot Noir Strofi mit 91. Ausgerechnet den Xinomavro, um den es bei der 8,5 geht, haben wir aus diesem Jahrgang nie im Glas gehabt.

An der Spitze stehen zwei Weine vom Lacules Estate aus Messenien, der Syrah und der Merlot, dahinter die Malagousia aus überreifen Trauben vom Ktima Gerovassiliou. Knapp darunter, auf 94, folgen drei weitere Weine: der Diaporos vom Ktima Kir-Yianni, die Amalia vom Ktima Tselepou aus Mantinia und der Carignan Vieilles Vignes vom Oinotropai Winery.

Interessanter als die Spitze ist in diesem Jahrgang die Mitte, und zwar in Naoussa. Den Ramnista vom Ktima Kir-Yianni haben wir aus drei aufeinanderfolgenden Jahrgängen im selben Jahr verkostet: 2017 mit 90, 2018 mit 90 und 2019 mit 88 Punkten. Nach den Jahrgangswerten müsste diese Reihe anders aussehen, denn zwischen dem 2018er und dem 2019er liegen in Naoussa vier volle Punkte. Ein Gut, das streng selektiert, kann ein Jahr wie 2018 offenbar weitgehend auffangen – was zugleich erklärt, warum die Spreizung dieses Jahrgangs so groß ist. Der Wert von 5,0 beschreibt nicht die Spitze, sondern die Breite.

Aus Nemea stehen zwei Flaschen in der Datenbank, der Nemea vom Palivou Estate mit 91 und der Reserve Agiorgitiko vom Ktima Driopi mit 90 – beides Weine, die eher für die Höhenlagen sprechen als für den Talkessel.

Vom Olymp kommt der Terra Petra von Terra Olympus mit 92 Punkten, unsere einzige Flasche Rapsani aus diesem Jahr. Und von den Paiko-Hängen steht der Goumenissa von Aidarini mit 90 in der Datenbank, aus dem Gebiet, das den Juli-Mehltau abschütteln konnte.

Aus Lokris stehen zwei Flaschen bei uns, und sie sind die beiden Farben des Gebiets: das Assyrtiko Geraklis Boreas von Evampelos Ghi mit 92 und der Syrah aus dem Drisbay-Weinberg von Domaine Hatzimichalis mit 91 Punkten. Beide liegen über dem Median dieses Jahrgangs, und beide stammen aus dem Gebiet, dem wir nach Naoussa den niedrigsten Wert der Seite geben. Zwei Flaschen sind kein Gegenbeweis, sondern zwei Flaschen. Aus Maroneia haben wir aus 2018 nichts geöffnet.

Top 3 der eigenen Verkostungen

Rang 1 – 98+ Punkte Lacules Estate Syrah

Rang 2 – 96 Punkte Lacules Estate Merlot

Rang 3 – 95 Punkte Ktima Gerovassiliou Malagousia from Overripe Grapes

Alle Verkostungsnotizen aus 2018

· Agelakis Winery Cornelia · 92

· Aidarini Goumenissa · 90

· Aidarini SI-LA-VIE Gris de Noir · 90

· Alpha Estate Aghia Kiriaki · 93

· Alpha Estate Aghia Kiriaki · 90

· Alpha Estate Chardonnay · 93

· Alpha Estate Pinot Noir Strofi · 91

· Astir X Winery Astakos rot · 80

· Diamantakis Winery Diamantopetra rot · 88

· Domaine Costa Lazaridi Amethystos rot · 89

Alle 43 Verkostungsnotizen aus 2018 anzeigen

· Domaine Hatzimichalis Syrah Drisbay · 91

· Domaine Katsaros Valos · 84

· Domaine Paliomylos Paliomylos · 88

· Efrosini Winery Mikri Evgeniki Liatiko · 89

· Estate Manolesakis Gennima Psihis · 79

· Evampelos Ghi Geraklis Boreas Assyrtiko · 92

· Giannikos Winery The Lion · 89

· Karavitakis Winery BOLD · 93

· Katogi Averoff Rot · 90

· Ktima Biblia Chora Plagios weiß · 87

· Ktima Biblia Chora Plagios weiß · 91

· Ktima Biblia Chora / Ktima Gerovassiliou for Sani Resort Grand Reserve · 88

· Ktima Biblia Chora / Ktima Gerovassiliou for Sani Resort Land of Grace · 86

· Ktima Biblia Chora for Sani Resort Grand Reserve · 90

· Ktima Driopi Reserve Agiorgitiko · 90

· Ktima G. Kokotou Chardonnay · 90

· Ktima Gerovassiliou Malagousia from Overripe Grapes · 95

· Ktima Kir-Yianni Diaporos · 94

· Ktima Kir-Yianni Ramnista · 90

· Ktima Pavlidis Emphasis Agiorgitiko · 91

· Ktima Tselepou Amalia · 94

· Lacules Estate Merlot · 96

· Lacules Estate Syrah · 98

· Melidou Winery Kryfi Koilada · 89

· Melidou Winery Lefki Poli · 93

· Muses Winery Clio, The Red Muse · 89

· Nico Lazaridi Perpetuus · 92

· Oenotria Land (Costa Lazaridi) Cabernet Sauvignon – Agiorgitiko · 93

· Oinotropai Winery Carignan Vieilles Vignes · 94

· Oinotropai Winery Roes Chardonnay · 93

· Palivou Estate Nemea · 91

· Silva Daskalaki Winery Enstikto weiß · 90

· Terra Olympus Terra Petra · 92

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