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Jahrgang 2016

ein Weißweinjahr · Frost im April · Regen zur roten Lese

Landesweit 6,5 von 10 · Sicherheit der Einstufung: mittel

Makedonien

Naoussa · PDO – Rot 7,0 · Weiß 7,0 (Sicherheit: mittel)

Thessaloniki · PGI – Rot 7,0 · Weiß 7,0 (Sicherheit: niedrig)

Goumenissa · PDO – Rot 6,0 · Weiß 6,5 (Sicherheit: niedrig)

Amyndeon · PDO – Rot 5,0 (Sicherheit: mittel)

Thrakien

Maroneia · PDO – Rot 8,0 · Weiß 8,0 (Sicherheit: mittel)

Epirus

Zitsa · PDO – Rot 5,5 · Weiß 5,5 (Sicherheit: niedrig)

Thessalien

Rapsani · PDO – Rot 6,5 (Sicherheit: niedrig)

Karditsa · PGI – Rot 6,5 · Weiß 6,5 (Sicherheit: niedrig)

Mittelgriechenland

Attika · PGI – Rot 6,0 · Weiß 7,5 (Sicherheit: mittel)

Atalanti und Opountia Lokridas · PGI – Rot 6,5 · Weiß 6,5 (Sicherheit: mittel)

Peloponnes

Nemea · PDO – Rot 5,5 · Weiß 6,0 (Sicherheit: hoch)

Mantinia · PDO – Rot 5,0 · Weiß 5,5 (Sicherheit: hoch)

Kykladen

Santorini und Kykladen · PDO/PGI – Rot 7,0 · Weiß 8,5 (Sicherheit: mittel)

Kreta 8,0 · Drama 7,5 · Pangeon 7,5 · Epanomi 7,5 · Peloponnes außerhalb von Nemea und Mantinia 6,0 (jeweils als Gesamtwert ohne Farbtrennung)

Epanomi liegt in der Regionaleinheit Thessaloniki; beide tragen für diesen Jahrgang einen eigenen Wert.

Der Attika-Wert gilt für die Ebene um Athen, nicht für Lokris in Phthiotis; das trägt einen eigenen.

Am 27. April, mitten in der orthodoxen Osterwoche, fiel im Tal von Nemea und in Asprokampos ein schwerer Spätfrost. Je nach Weinberg waren zwanzig bis hundert Prozent der Triebe hin, auf der Hochebene von Mantinia rund ein Fünftel der Ernte. Es war derselbe europäische Frost-Frühling, der im selben Monat das Burgund traf.

Danach lief alles auf einen großen Jahrgang zu. Der Sommer war trocken und heiß, stellenweise über vierzig Grad, und die frühen Sorten kamen gesund und aromatisch herein. Dann, in den letzten Augusttagen und den ersten des September, öffnete sich der Himmel über dem Peloponnes und über Makedonien. Wer bis dahin gelesen hatte, hatte seinen Jahrgang im Keller. Wer noch draußen stand, hatte ein Problem.

Deshalb trennt 2016 nicht Nord und Süd, sondern früh und spät – und damit fast deckungsgleich Weiß und Rot. Der Assyrtiko Santorinis steht bei 8,5, der höchste Weißwert dieser Seite; das Agiorgitiko Nemeas bei 5,5, und auch der Moschofilero Mantinias kommt über 5,5 nicht hinaus – auf der Hochebene hatten Frost und Juniregen schon vor der Lese entschieden. Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wert liegen dreieinhalb Punkte, und sie liegen fast alle zwischen zwei Farben.

Santorini – Weiß 8,5

Der Jahrgang des Jahres. Die Insel hatte ein ausgesprochen trockenes Jahr mit kleineren Wasserreserven als im Vorjahr, keinen nennenswerten Frost und einen vorgezogenen Vegetationszyklus – gelesen wurde um den 27. Juli, rund zehn Tage früher als sonst. Damit war die Ernte im Trockenen, lange bevor das Festland überhaupt an die Lese dachte.

Was hereinkam, war gesund, kraftvoll und trotzdem balanciert, und es war reichlich: zwanzig bis dreißig Prozent über der normalen Menge, insgesamt rund zweitausendsechshundert Tonnen. Zwischen den späteren Jahren, in denen auf Santorini die Menge zusammenbrach, wirkt das fast luxuriös. Der Vinsanto dieses Jahrgangs gilt als einer der stärksten seit langem. Sonnenbrand blieb ein Thema der Tieflagen; in der Höhe reifte es gleichmäßiger.

Kreta – 8,0

Das trockenste Jahr, das wir für die Insel führen: zweihundertdreiundvierzig Millimeter in Heraklion, neunundneunzig in Sitia, fünfhundertvier in Chania. Trockenheit ist auf Kreta kein Malus, solange der Speicher gefüllt ist und die Lese trocken bleibt, und 2016 war beides der Fall. Es gab kein Unwetter, kaum Krankheitsdruck und nichts, was zur Unzeit ins Reifefenster fiel.

Vidiano, Vilana, Thrapsathiri und Assyrtiko kamen sauber und reif herein, die spät reifenden Liatiko, Kotsifali und Mandilaria konnten in der trockenen Saison voll ausreifen. Ein Weingut der Insel nennt 2016 sein Meilensteinjahr, ein anderes spricht vom besten Traubenmaterial seit den neunziger Jahren, und derselbe Kritiker, der den Jahrgang für Griechenland insgesamt schwierig nennt, nennt ihn für Kreta „einen der besten Jahrgänge der letzten zwanzig Jahre". Die geleerten Wasserreserven wurden erst im Winter danach zum Thema.

Maroneia – 8,0

In der thrakischen Küstenebene an der Nordägäis lief 2016 ohne jedes Extrem. Auf einen milden Winter folgte ein für die Region kühler Sommer, und die Trauben erreichten volle Reife, ohne ihre Säure abzubauen. Volle Reife bei hohen Säuren ist die günstigste Kombination, die es gibt, und die Erzeuger der Region zählen das Jahr zu ihren besten. Der Wert gilt für die PDO Maroneia und die benachbarte PGI Ismaros, nicht für die weiter westlich gelegenen Betriebe der Ebene.

Der Nordosten – Drama 7,5 · Pangeon 7,5 · Epanomi 7,5

Drei Gebiete, drei verschiedene Landschaften, derselbe Wert, jeweils einen Punkt über dem Landesschnitt. Das Pangeon profitiert wie in fast jedem Extremjahr von Hanglage, Höhe und der Brise aus der Ägäis; Drama von einem Niederschlagsüberschuss, der in trockenen Jahren zum Vorteil wird.

In Epanomi am Thermaischen Golf ist der Ablauf genau dokumentiert: milder Winter, Austrieb am 20. März, Blüte am 9. Mai, von Ende Mai bis Anfang August kein Regen bei maßvollen Temperaturen. Der Augustregen kam dort, wo er nirgends schadete – er verzögerte den Lesebeginn und verbesserte die Reife, ohne dass die Reben je in Wasserstress geraten wären.

Xinomavro – Naoussa 7,0 · Goumenissa 6,0 · Amyndeon 5,0

Zwei Punkte Abstand zwischen den beiden äußeren Gebieten, die dieselbe Leitsorte führen und keine hundert Kilometer auseinanderliegen. Sie entstanden in zehn Tagen.

In Naoussa fiel der Septemberregen nur moderat aus, und der Xinomavro war um den 14. September gelesen. Die Weine wurden reif, rund und fleischig, eher füllig als streng gebaut – für eine Appellation, deren Ruf auf Gerbstoff und Struktur beruht, ist das ein solides und leicht untypisches Jahr. Die Weißen des Gebiets liegen gleichauf.

An den Südosthängen des Paiko, wo Goumenissa den Xinomavro mit Negoska verschneidet, war das Jahr bis in den Hochsommer sehr trocken. Dann kamen gegen Ende August intensive Regenfälle und eine besonders nasse erste Septemberdekade. Die frühen Sorten waren da schon herein, eine Woche vor dem üblichen Termin und unter guten Bedingungen, mit Zucker und Säure auf gutem Niveau. Die späten Sorten standen im Nass; die Erzeuger hofften auf eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, belegt ist sie nicht.

Das Hochland von Amyndeon auf sechshundert bis siebenhundertfünfzig Metern, das ohnehin später dran ist, wurde vom Starkregen am Monatswechsel deutlich stärker getroffen. Der späte Xinomavro stand darin, die Menge war groß, die Auslese entschied. Was früher reifte – die internationalen Sorten des Gebiets –, kam gut davon. Im Jahr darauf kehrt sich das Verhältnis um: Dann steht Amyndeon zwei Punkte über Naoussa.

Rapsani – Rot 6,5

Am Osthang des Olymp war es ein Jahr ohne Extreme. Bis Ende August reiften Xinomavro, Krassato und Stavroto harmonisch und mit sehr guter phenolischer Reife heran. Der Regen setzte erst nach der ersten Septemberwoche ein – ein anderes Fenster als der Starkregen, unter dem Amyndeon litt, und deshalb ohne Abschlag. Er fiel trotzdem in die Lese dreier spät reifender Sorten, und darüber gehen die Urteile auseinander. Für die übrigen Appellationen Thessaliens gilt der Wert nicht.

Attika – Rot 6,0 · Weiß 7,5

Der dritthöchste Weißwert des Jahrgangs, hinter Santorini und Maroneia, und aus demselben Grund wie auf der Insel: Savatiano kommt mit Trockenheit besser zurecht als fast jede andere weiße Sorte des Landes, und es war gelesen, bevor der Regen kam. Der Osterfrost fiel hier milder aus als auf dem Peloponnes.

Anderthalb Punkte tiefer stehen die Roten. Sie standen noch draußen, als die Feuchtigkeit einsetzte, und mussten selektiert werden.

Lokris

In der Landschaft am Nordeuböischen Golf kam das Jahr früh in Gang: Ein milder, trockener Winter und ein warmes Frühjahr zogen den Austrieb nach vorn, Juli und August wurden sehr heiß und trieben die Zuckerbildung, und der September blieb kühl mit wenig Regen. Gelesen wurde ab den ersten Augusttagen mit den Weißen, danach mit den Roten, und die Reife lief schneller ab als in den Jahren zuvor; Mitte September war alles im Keller. Die Trauben kamen sehr gesund herein, die Erträge fielen niedriger aus als im Vorjahr – vierhundert bis sechshundert Kilogramm je Stremma in der Höhe, siebenhundert bis tausend in der Ebene.

Anders als in Attika trennen sich die Farben hier nicht; beide stehen auf dem landesweiten Wert.

Peloponnes – Nemea 5,5 · Mantinia 5,0

Die Halbinsel trug beide Schläge des Jahres. Erst der Aprilfrost, dann Ende Juni Starkregen über Tegea und Zeugolatio, der die Moschofilero-Erträge um dreißig bis vierzig Prozent drückte, und schließlich der Regen zur Lese mit Botrytis in den tiefer gelegenen Parzellen um Ancient Nemea und Leondio.

Agiorgitiko ist dünnschalig, frost- und fäulnisanfällig, und es traf hier alles zusammen. Wer in Hang- und Höhenlagen gepflanzt hatte, konnte sehr gute Weine machen; in der Talsohle half nur rigorose Auslese im Weinberg. In Mantinia blieb nach Frost und Juniregen schlicht wenig übrig. Für den Rest der Halbinsel steht der Jahrgang bei 6,0.

Unsere Weine

Elf griechische Weine aus 2016 haben wir verkostet, von elf Erzeugern, jeden nur einmal. Der Median liegt bei 90 Punkten.

Von dem, was diesen Jahrgang groß gemacht hat, steht bei uns nichts im Keller: kein einziger Weißwein, keine Flasche von Santorini, keine aus Kreta. Zehn Rote und ein Rosé, und die Roten kommen fast alle aus den Gebieten, die über dem Landeswert lagen.

An der Spitze steht der Epifanis vom Metochi Mylopotamos vom Berg Athos, wahrscheinlich ein reinsortiger Limnio. Für den Athos führen wir keinen eigenen Jahrgangswert: Die Halbinsel ist Klosterland mit eigener Verwaltung, und was dort im Weinberg geschieht, steht in keinem Erntebericht. Knapp dahinter, aus dem Pangeon, mit 91 der Areti vom Ktima Biblia Chora, der erste Agiorgitiko, der je außerhalb Nemeas erzeugt wurde.

Dieser Areti ist der einzige Wein des Jahrgangs, für den wir einen echten Vergleich haben. Den 2013er hatten wir acht Jahre nach der Ernte mit 94 Punkten im Glas; den 2016er im selben Alter mit 91, mit viel Wacholder und einer leicht grünlichen Note. Das Pangeon steht 2013 einen halben Punkt höher als 2016. Eine Flasche belegt keinen Jahrgang, aber die Richtung stimmt überein.

Unsere beiden Xinomavro des Jahrgangs sind die beiden schwächsten Weine des Bestands: der Merhali von Kelesidi aus der PDO Naoussa mit 86 Punkten, dessen Tannin und Alkoholwärme dominierten, und mit 88 der SI-LA-VIE von Aidarini, ein reinsortiger Xinomavro von den Hängen des Paiko, der für die PDO Goumenissa qualifiziert wäre, enthielte er die vorgeschriebene Negoska. Seine Weinberge liegen höher als die der Appellation, für die wir 6,0 führen.

Vom Peloponnes stammen vier Weine, alle aus Herkünften, für die der halbinselweite Wert 6,0 gilt, und drei davon sind Bordeaux-Sorten. Der Pheidias vom Olympia Land Estate ist eine hälftige Cuvée aus Merlot und Agiorgitiko aus der PGI Ilia; wir haben ihn im selben Jahr wie den 2015er verkostet, und der jüngere war der frischere und vielschichtigere – 90 Punkte, während der 2015er seinen Zenit überschritten zu haben schien. Für die Halbinsel liegt der Jahrgangswert 2015 höher als 2016. Der Wein wird bewusst mehrere Jahre auf der Flasche gehalten, bevor er in den Verkauf geht.

Der dritthöchste Wein unseres 2016er-Bestands kommt ausgerechnet von der arkadischen Hochebene, dem Gebiet mit dem niedrigsten Wert dieses Jahrgangs: der Kalos Agros vom Ktima Kalogri mit 92 Punkten, eine Cuvée aus achtzig Prozent Cabernet Sauvignon und zwanzig Prozent Moschofilero. Nach sechs Jahren kam er rostbraun ins Glas und roch nach Trockenobst, schmeckte am Gaumen aber wie ein knackiger Weißwein. Die 5,0 für Mantinia ist der Rotwert des Gebiets, und mit achtzig Prozent Cabernet Sauvignon fällt dieser Wein tatsächlich darunter; der Moschofilero der Appellation steht bei 5,5 und macht hier den kleineren Teil aus.

Top 3 der eigenen Verkostungen

Rang 1 – 93 Punkte Metochi Mylopotamos Epifanis

Rang 2 – 92+ Punkte Nadir Winery Avus

Rang 3 – 92 Punkte Ktima Kalogri Kalos Agros

Alle Verkostungsnotizen aus 2016

· Aidarini SI-LA-VIE · 88

· Astir X Winery Mati Fortuna rot · 89

· Avantis Estate Princess · 91

· Dionysos Winery Orama rot · 89

· Kelesidi Merhali · 86

· Ktima Biblia Chora Areti rot · 91

· Ktima Kalogri Kalos Agros · 92

· Ktima Pavlidis Emphasis Agiorgitiko · 87

· Metochi Mylopotamos Epifanis · 93

· Nadir Winery Avus · 92

· Olympia Land Estate Pheidias · 90

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