Jahrgang 2008
heiße Nächte · sehr früh gelesen · überall gleich
Landesweit 6,0 von 10 · Sicherheit der Einstufung: mittel
Makedonien
Naoussa · PDO – Rot 6,5 · Weiß 6,0 (Sicherheit: mittel)
Mittelgriechenland
Attika · PGI – Rot 6,5 · Weiß 6,0 (Sicherheit: mittel)
Peloponnes
Mantinia · PDO – Rot 6,0 · Weiß 6,5 (Sicherheit: mittel)
Nemea · PDO – Rot 5,5 · Weiß 6,0 (Sicherheit: mittel)
Kykladen
Santorini · PDO – Rot 6,0 · Weiß 6,5 (Sicherheit: niedrig)
Kreta 6,0 · Pangeon 6,0 · Peloponnes außerhalb von Nemea und Mantinia 6,0 (jeweils als Gesamtwert ohne Farbtrennung)
Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wert dieser Seite liegt ein einziger Punkt. Kein anderer Jahrgang unserer Reihe ist so gleichmäßig, und der Grund ist kein guter: 2008 tat überall dasselbe.
Es war das zweite extrem heiße und trockene Jahr in Folge. Im Norden begann es gegenläufig: Ein kühles, nasses Frühjahr verzögerte Austrieb und Blüte, trieb aber das Wachstum und ließ größere Beeren entstehen. Dann kippte es. Juli und August wurden extrem heiß und trocken, an über fünfzig Tagen stand das Thermometer oberhalb von zweiunddreißig Grad, in der Spitze bei vierzig.
Das eigentliche Thema aber waren die Nächte. Sie kühlten nicht mehr ab, und wo die Nacht keine Pause bringt, laufen Zucker und Gerbstoff auseinander: Der Most wird süß, bevor die Kerne und Schalen reif sind. Das ist das Kernproblem heißer Jahre, und 2008 hat es in Reinform vorgeführt.
Naoussa – Rot 6,5
Eine Zahl beschreibt dieses Jahr besser als jeder Satz. Die Zeitspanne zwischen der halben Veraison und der Lese, für Xinomavro sonst rund sechzig Tage lang und im Vorjahr noch dreiundfünfzig, schrumpfte 2008 auf sechsunddreißig Tage. Zum ersten Mal überhaupt fiel sie unter vierzig. Eine spät reifende Sorte bekam die Hälfte der Zeit, die sie braucht.
Was daraus wurde, ist solides Mittelfeld. Die Farbe profitierte vom maßvollen Sommerstress, die großen Beeren aus der nassen Frühphase verlangten Ertragskontrolle, und die früh gelesenen, selektierten Höhenpartien lieferten sehr gute Qualität. Das Plateau von Amyndeon auf siebenhundert Metern hielt die Nächte kühler als das Umland – in diesem Jahr der entscheidende Vorteil.
Der Norden selbst ordnet den Jahrgang nüchtern ein: ähnlich 2005, besser als 2006, aber nicht so gut wie 2007.
Nemea – Rot 5,5
Der schwächste Wert der Seite, und er folgt direkt aus den warmen Nächten. Agiorgitiko hat eine dünne Schale und reagiert empfindlich auf die Entkopplung von Zucker- und Phenolreife; das Risiko waren alkoholreiche Weine mit unreifem Gerbstoff. Wer Balance wollte, musste sehr früh und parzellenweise lesen.
Die Saison begann mit niedrigen Wasserreserven und lief bis Juli normal, dann raste die Reife durch einen besonders trockenen August. Gelesen wurde ab dem 10. September, rund zwei Wochen früher als gewohnt und so früh, wie es dort niemand in Erinnerung hatte. An Niederschlag kamen etwa 515 Millimeter zusammen.
Wo die Höhe half – Mantinia und Santorini je 6,5 im Weiß
Die beiden weißen Spitzenwerte dieses Jahrgangs stehen dort, wo die Nacht noch kühlte. In Mantinia blieb der Moschofilero bei früher Lese frisch, auf Santorini hielt das Assyrtiko trotz ausgezehrtem Wasserhaushalt seine Säure und ergab konzentrierte, strukturierte Weine, die lange halten. Gelesen wurde dort schon im August.
In den warmen Tieflagen – Attika, Patras, die Sohle des Nemea-Tals – ging die Säure verloren. Der Lesezeitpunkt entschied über alles.
Unsere Weine
Fünf griechische Weine aus 2008 haben wir verkostet. Der Median liegt bei 95 Punkten, und diese Zahl beschreibt nicht den Jahrgang, sondern unseren Keller.
Alle fünf sind rot, alle fünf sind internationale Sorten, und vier davon stammen von zwei Gütern: dreimal der Etos Cabernet Sauvignon vom Ktima Biblia Chora aus dem Pangeon mit 95, 95 und 94 Punkten, dazu der Trilogia von Christos Kokkalis aus Ilia mit 96. Der fünfte ist der Domaine Gerovassiliou Red aus Epanomi mit 90.
Aus Naoussa und aus Nemea, den beiden Gebieten, an denen sich dieser Jahrgang entschieden hat, steht bei uns keine einzige Flasche. Aus alten Jahrgängen wird ohnehin selten das Typische geöffnet, sondern das, was sich lohnt.
Alle Verkostungsnotizen aus 2008
· Christos Kokkalis Trilogia · 96
· Ktima Biblia Chora Etos Cabernet Sauvignon · 94
· Ktima Biblia Chora Etos Cabernet Sauvignon · 95
· Ktima Biblia Chora Etos Cabernet Sauvignon · 95
· Ktima Gerovassiliou Domaine Gerovassiliou Red · 90
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