• Griechische Weine

Roditis –zwischen Massenware und Qualitätsprodukt

Die rotschalige Rebsorte Roditis, befindet sich in den letzten Jahren im Aufwärtstrend und lässt schaurige Erinnerungen an grausigen Retsina immer mehr verblassen. Die Rebsorte liefert vielerorts noch immer Masse – aber immer mehr Weingüter gehen kreative Wege, um das Potenzial dieser Trauben ganz neu auszuloten (siehe etwa auch hier).


Der Roditis 2019 vom Ktima Oinotropai leistet nun einen ganz gewaltigen Beitrag, um Skeptiker dazu zu bringen, der Roditis eine neue Chance zu geben. Zu diesen gehöre durchaus auch ich selbst. Dass ich mal einen Roditis-Wein hervorragend finden könnte, hätte ich bis vor kurzem nicht gedacht (für eine recht wohlwollende, aber eben nicht gerade enthusiastische Verkostungsnotiz siehe hier). Roditis erinnert mich meist an Fallobst, an überreife, ja sogar schon faule, Äpfel – und hat zugleich oft die Tendenz, etwas schal und wässrig daherzukommen. Bratapfel begegnet einem bei diesem Wein aus dem Herzen der Peloponnes durchaus auch – aber die malolaktische Gärung macht den Wein insgesamt so rund, dass man sich dazu gleich noch die passende Vanillesauce vorstellen muss. Für mich der ideale Wein für sonnige Herbsttage, eine Erinnerung an den Sommer inmitten des bunten Laubs. Ein eleganter Wein, der aber nicht eitel ist, sondern es einem leicht macht und einen umschmeichelt. Trotzdem hält er auch Geheimnisse für das geduldige Verkosten parat – wie etwa eine faszinierende Mineralik, der man erst im Laufe der Zeit auf die Schliche kommt. Ich kann Yannis Athanasakopoulos nur zustimmen, dass dieser Wein „one oft he most delicate wines you can taste from the Roditis variety“ ist. Entsprechend erscheinen die von ihm vergebenen 89 Punkte auch etwas knausrig. Auch als Roditis-Verächter bekenne ich mich dazu: Dies ist ein großartiger Wein, der 17,5 Punkte verdient. Ein Wein, welcher der Ursprungsbezeichnung PGI Messinien ganz neuen Glanz verleiht – und das für gerade mal 7€ in Griechenland! Eigentlich unglaublich.



Auch der Feggaropetra 2020 von der Andreou Winery (benannt nach den im Mondschein funkelnden Steinen des Weinbergs) zeigt eindrücklich wohin der Weg mit Roditis gehen kann. Die Cuvée von Roditis mit Moschofilero hat definitiv das Zeug, für die Peloponnes – zumindest für die Höhenlagen, die guten Moschofilero erlauben – wegweisend zu werden. (Das Weingut gehört zur Gemeinde Poros und damit zur Region Attika, obwohl es geographisch gesehen auf der Halbinsel liegt.) Denn hier kommt zitrische Frucht und Struktur der Roditis-Rebe hervorragend mit den floralen Noten des Moschofileros zusammen. Kein Wunder, dass der „Master of Wine“ Konstantinos Lazarakis diesen Wein des kleinen Guts für die Bussiness Class von „Aegean Airlines“ ausgewählt hatte. Nur eines stört – zumindest uns – momentan noch ziemlich: CO2. Erst nach einigen Tagen zeigt der Wein, was eigentlich in ihm steckt. (Bei entsprechendem Runterkühlen kann man das Kohlendioxid ebenfalls ausblenden – allerdings verliert der Wein dann jegliche florale Aromatik und erinnert vor allem an Blutorange und frisch eingekochte Erdbeeren.) Die jetzt schon hervorragenden 16,5 Punkte wird er in zukünftigen Jahrgängen sicher noch locker überbieten – ebenso wie den Preis von gerade mal um die 10€.



Im Vergleich zu diesem Wein ist auch interessant, zu sehen, was das Weingut KatrVin sich für seinen weißen Vodias 2020 überlegt hat. Hier kommt die Rotweinrebsorte Muscat de Hamburg ins Spiel, um der Roditis florale Noten beizumengen. Ein wenig Chardonnay macht diesen günstigen Einstiegswein dann aber zugleich eleganter, als man das erwarten würde. Zu kalt darf man ihn nicht genießen, sonst bleibt nur noch Litschi-Aromatik. Richtig gekühlt, ist dies aber ein erstaunlich komplexer Wein für seine Preisklasse – und verdient entsprechend sehr gute 16 Punkte, was ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis bei deutlich unter 10€ Einkaufspreis bedeutet.



In einer ähnlichen Preisklasse bewegt sich auch der weiße Avarinó 2020 der Nestor Winery. Trebbiano dominiert hier mit 70%. Trotzdem haben wir ihn mit in die Verkostung aufgenommen, da hier wiederum Moschofilero und Roditis beide als Verschnittpartner vertreten sind. Diesmal darf auch „PGI Peloponnes“ auf dem Etikett stehen. Positiv hervorzuheben ist, dass hier einem Einstiegswein mit Trebbiano durchaus mal eine mineralische Komponente zugemutet wird. Allerdings zeichnet sie sich weniger strukturell, durch ein angenehmes Schmirgeln, aus, sondern hinterlässt, zumindest frisch geöffnet, einen zumindest für manche unangenehmen mineralischen Beigeschmack. Im Wettstreit von floralen und fruchtigen Aromen überwiegt hier allerdings die exotische Frucht, vor allem Banane, was vielen gefallen wird. Und der Wein macht auch noch nach mehreren Tagen im Kühlschrank nicht schlapp. Für einen Wein, der auch in Deutschland für unter 5€ zu bekommen ist, kann man sich nicht mehr wünschen und muss daher sehr gute 15,5 Punkte geben.




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