• Griechische Weine

Avaton 2017 vom Ktima Gerovassiliou

Evangelos Gerovassiliou konzentriert sich im Hinblick auf autochthone Rebsorten logischerweise auf die von ihm wiederbelebte Malagousia, was den Weißwein angeht. Als rote Rebsorte hat er sich der Limnio (sprich: „Limnjó“) verschrieben. Ganz interessant: Erst kürzlich sah ich ein Video auf YouTube (im Fazit ab 2:10), in welchem nach der Verkostung von reinsortigem Limnio und Mavroudi spontan der Gedanke aufkam, man könnte daraus doch vielleicht eine ganze Kombination bekommen. Eine gute Idee, die auch Gerovassiliou Mitte der 1990er hatte, als er begann mit diesem Cuvée zu experimentieren, um dann auch noch Mavrotragano hinzuzufügen (seit 2017 im Verhältnis 60%, 20%, 20%). Aus dieser Zeit stammen auch die Rebstöcke, 2002 kamen die ersten Flaschen auf den Markt, seitdem wird an der Feinabstimmung gefeilt. Während im Hinblick auf autochthone Weißweinreben eine einzelne Sorte im Mittelpunkt steht, ist es bei den einheimischen Rotweinsorten ein Cuvée.


Der 2017er Avaton zeigt sich mit wunderbar klarer roter Frucht in der Nase, unterlegt von dezenten Salbeinoten. Am Gaumen kommt deutlich Nougat dazu. Eingebettet ist das Geschmackserlebnis in wunderbar feine Tannine, die weder ins übertrieben Seidige noch ins Pampige abdriften. Ein Wein, der sich fantastisch trinken lässt und Speisen ganz hervorragend begleitet. Nur im Abgang dominiert der Alkohol (14,5%) dann doch eine Spur zu sehr.



Wie soll man einen solchen Wein bewerten? Klar ist, dass Evangelos Gerovassiliou mit diesem Cuvée das Kunststück gelungen ist, eine schon im antiken Griechenland bekannte Rebsorte im Verschnitt mit noch obskureren griechischen Varianten zu einem Wein zu verschneiden, der ganz international daherkommt. Schon das Rubinrot schickt einen sofort in die Toskana – und jeder Schluck dann nochmals im Zickzack durch die alte Welt. Die Frage ist, ob und wie man das honorieren möchte. Einige, auch bei unserer Probe, sehen da die Eigenständigkeit verloren und wünschten sich ein klareres genuin griechisches Profil. Andererseits schnitt der Wein zugleich aber auch konsequent besser ab als andere Weine verschiedener Herkunftsgebiete, die es recht locker über die 90-Punkte-Marken schaffen. Und deshalb halten wir am Ende das Prädikat „großartig“ und 18 von 20 Punkte auch für sehr angemessen.

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