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Petrolo – Galatrona 2021

DOC Valdarno di Sopra
100% Merlot
Toskana, Italien
Rotwein | trocken
14% | Bio

Wenn der Château La Croix der ehrliche Maßstab war, dann ist der Galatrona von Petrolo die Ansage. Das merkt man schon beim Einschenken: Farblich eine ganz andere Nummer, unglaublich dicht im Glas. Wer die beiden Weine nebeneinander sieht, braucht keine Verkostungsnotiz, um zu wissen, dass hier ein anderer Anspruch im Spiel ist.

Petrolo ist ein kleines Familiengut im Val d’Arno di Sopra, einer Subzone östlich von Chianti, die sich mit internationalen Sorten einen Namen gemacht hat. Die Familie Bazzocchi-Sanjust erwarb das Anwesen in den 1940er Jahren; heute führt Luca Sanjust das Gut in dritter Generation, nachdem er 1993 seine Karriere als Künstler in Rom aufgab und nach Hause zurückkehrte. Galatrona, sein Flaggschiff, wurde erstmals 1994 abgefüllt: 100% Merlot aus einer Einzellage, die zwischen Ende der 1980er und Mitte der 1990er mit Bordeaux-Klonen niedriger Wuchskraft bepflanzt wurde. Rund 50.000 Reben stehen auf etwa zehn Hektar in Südost-Exposition auf ungefähr 300 Metern Höhe. Der Boden – tonig-lehmig mit Schiefer, Mergel und Sandstein – hält in den heißen toskanischen Sommern die Feuchtigkeit, die Merlot braucht. Seit 2016 ist das Gut biologisch zertifiziert und wird ohne Bewässerung bewirtschaftet.

Im Keller geht Petrolo einen bewusst zurückhaltenden Weg: Handlese mit Sortierung, spontane Vergärung mit eigenen Hefen in verglasten Zementtanks, sanfte manuelle Extraktion, malolaktische Gärung im Holz, dann 18 bis 20 Monate Ausbau in französischen Barriques und Tonneaux, davon etwa ein Drittel neu. Das ist kein Wein, der durch 100% Neuholz oder aggressive Extraktion beeindrucken will, sondern einer, der auf Frucht, Präzision und Terroir setzt.

Der Jahrgang 2021 war auch in der Toskana nicht einfach. Frühjahrsfrost und Sommerdürre senkten die Produktion bei Petrolo um rund 30 Prozent unter Normalniveau. Die Trauben, die es durch den Jahrgang schafften, erreichten aber eine optimale Reife – und das zeigen die Analysedaten: 14% Alkohol bei 5,89 g/l Gesamtsäure und pH 3,56. Damit liegt der 2021er analytisch sogar säurefrischer als die Jahrgänge 2019 und 2020 – eine Kombination aus Konzentration und Frische, die sich im Glas unmittelbar bemerkbar macht.

Und genau so schmeckt der Wein. Am Gaumen ist er absolut mundfüllend, mit feinstem Nougat und einem delikaten Wacholder, der dem Wein eine fast mediterrane Kräuternote verleiht. Das Holz ist wunderbar integriert – präsent, aber nie dominierend, was angesichts des moderaten Neuholz-Anteils nicht überrascht. Die Tannine sind fein, aber noch jugendlich, und hinter der dichten, dunklen Frucht steckt eine Frische, die dem Wein eine für Merlot ungewöhnliche Vertikalität gibt. 97 Punkte – einer der besten reinsortig ausgebauten Merlots der Welt, wie ich finde.

Einige Monate nach der Merlot-Verkostung habe ich im Dezember 2025 eine weitere Flasche geöffnet – diesmal neben dem Fattoria Le Pupille Saffredi 2022, einem Bordeaux-Blend mit leichtem Cabernet-Sauvignon-Übergewicht. Der Galatrona schlug sich hervorragend, besonders zu Beginn: so viel Frucht, so viel Kraft, mundumhüllende Fülle und ein wunderbarer blutiger Nachgeschmack. Außerdem erstaunlich viel Tannin – mehr, als ich in Erinnerung hatte. Ich hatte ihm etwas weniger Luft gegeben als dem Saffredi, was ihn anfangs jugendlicher und kraftvoller wirken ließ. Mit mehr Luft und steigender Temperatur zeigte dann der Saffredi seine Stärken und zog am Galatrona vorbei (98+ für den Saffredi). Galatrona bestätigt bei 97 Punkten – aber mit sehr viel Potenzial. Es würde mich nicht überraschen, wenn er eines Tages 99 Punkte erreicht.

Die internationale Kritik sieht das ähnlich: Falstaff vergibt 100 Punkte, James Suckling 98, Wine Enthusiast 97, Vinous 98, Decanter und Parker je 97 bzw. 97+. Dass dieser Wein nach wie vor für rund 100 Euro zu haben ist, grenzt angesichts der Preise für vergleichbar bewertete Bordeaux oder den berühmteren toskanischen Nachbarn Masseto fast an ein Versehen. Nach dem bescheidenen Maßstab aus Pomerol steht jetzt also ein Wein im Raum, der echte Weltklasse verkörpert. Die Frage ist nicht mehr, ob die griechischen Merlots den Pomerol schlagen können – das wäre zu einfach. Die Frage ist, wie nah sie an den Galatrona herankommen.

Verkostet: Februar 2025

Weitere Verkostungen dieses Jahrgangs:
Petrolo – Galatrona 2021 (97+, 2025)

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