Manousakis Winery — Nostos Syrah 2021
PGI Chania
100% Syrah
Kreta, Griechenland
Rotwein | trocken
14,5% | Bio
Trinkfenster: –2026
Kaum ein Wein spaltet so wie der Nostos Syrah von Manousakis. Yiannis Karakasis kürte den 2014er einmal zum Kandidaten für den besten Syrah Griechenlands, während Pavlos Gegas und Julia Harding die betont reduktive Stilistik regelrecht abstrafen: Gegas sah den 2017er bei 85, den 2018er bei 83 und den 2020er bei 87, Harding gab dem 2018er 14,5 und dem 2020er 16 von 20. Nostos heißt die Heimkehr, und mit diesem Wein kehrte Ted Manousakis nach Jahrzehnten in Amerika in sein kretisches Vatolakkos zurück, wo er die Rhône-Sorte Syrah biologisch und ohne Bewässerung anbaut.
Als Jahrgang war 2021 auf Kreta heiß und von Trockenheit gezeichnet, drei Hitzewellen ohne einen Tropfen Regen brachten kleine, konzentrierte Beeren mit weicher Säure. Damit liegt 2021 eine Stufe unter dem ausgewogenen, klassischen 2020er, und von so einem Jahr erwartet man eher Wucht und Reife als Finesse, mit dem Risiko, dass der Alkohol die Oberhand gewinnt.
Verkostet habe ich ihn gemeinsam mit zwei anderen Syrahs desselben Jahrgangs, dem australischen Penfolds St Henri und dem peloponnesischen Lacules; für gut fünfunddreißig Euro ist er der mit Abstand günstigste der drei. In der Nase ist er von den dreien der expressivste: gegrillte Tomate, Balsamico, Thymian, dazu Grapefruit. Am Gaumen wirkt er zunächst glatt, fast ein bisschen flach, das Tannin feiner und kräutriger als beim St Henri und weniger blickdicht. Dann aber dreht er die Reihenfolge um, der Nachhall ist stärker als der eigentliche Geschmack, austrocknend, doch auf angenehme Art, und die Grapefruit kehrt wieder, süßlich auslaufend, getragen von jener sehr reduktiven, herzhaft-erdigen Tiefe, an der sich die Geister scheiden. Man muss diese Stilistik mögen, und ich mag sie. Der interessanteste der drei ist er allemal, eleganter kam nur der Lacules daher.
Bemerkenswert ist, dass dieser Wein aus dem eigentlich schwächeren Jahr mehr aus sich macht, als der Jahrgang verspricht. Den besser beleumundeten 2020er, den Gegas mit 87 sogar über den 2017er stellte und den Harding auf 16 von 20 hob, fand ich neben diesem 2021er gröber und vom Alkohol erdrückt, während der 2021er die Hitze in Spannung und Interesse übersetzt. Den 2017er dieses Hauses hatte ich 2023, mit sechs Jahren, bei 96 Punkten notiert, weit über Gegas' 85; so sehr überzeugt mich der 2021er nicht ganz, aber trinken würde ich ihn jetzt. Für mich sind das 95 Punkte.
Verkostet: Mai 2026