top of page

Manousakis Winery – Nostos Syrah 2020

PGI Chania
100% Syrah
Kreta, Griechenland
Rotwein | trocken
14,5% | Bio

Kaum ein Wein spaltet so wie der Nostos Syrah von Manousakis, dem kretischen Gut, das Ted Manousakis nach seiner Rückkehr aus den USA gegründet und mit Rhône-Sorten auf den Hängen der Lefka Ori bei Vatolakkos bepflanzt hat – „Nostos" heißt Heimkehr, heute führt Tochter Alexandra das biologisch bewirtschaftete, nicht bewässerte Weingut. Yiannis Karakasis kürte den 2014er einmal zum Kandidaten für den besten Syrah Griechenlands, während Pavlos Gegas und Julia Harding die betont reduktive Stilistik regelrecht abstrafen. Gegas sah den 2017er bei 85, den 2018er nur bei 83 Punkten; den 2020er aber hob er auf 87, und Julia Harding zog von den mageren 14,5 von 20, die sie dem 2018er gegeben hatte, beim 2020er auf 16 von 20 nach.

Das passt zum Jahr, denn als Jahrgang war 2020 auf Kreta sehr gut, ausgewogen und klassisch: gesunde, reife Trauben aus einer warm-trockenen, aber problemlosen Saison, in der die Höhenlagen die Frische bewahrten, deutlich stabiler als das hitzegestresste 2021. Man dürfte hier also erwarten, dass der Wein locker mit dem 2021er mithält, wenn nicht sogar an ihm vorbeizieht.

Den 2017er hatte ich 2023, mit sechs Jahren, geliebt und mit 96 Punkten notiert, weit über den 85, die Gegas ihm gab. Umso gespannter war ich auf den kritikerseits gelobten 2020er, den ich nun in einer Vertikale neben dem 2021er verkostet habe. Und er hat mich nicht überzeugt. In der Nase kommt zwar etwas mehr Frucht durch als beim 2021er, am Gaumen aber drängt sich sofort der Alkohol nach vorn, brennend und dominierend im Abgang, dazu Holzkohle im zweiten Teil, im Antrunk ein wenig Curry, eher noch Silikon und Gummi. Die Frucht wird davon komplett verschüttet. Das Tannin ist großflächiger als beim 2021er und weniger animierend, es macht die Zähne pelzig, lädt aber nicht zum Trinken ein und gibt immer wieder diesen unangenehm reduktiven Tönen Raum. Gröber ist es obendrein, der Wein schmeckt nach mehr Extrakt, man merkt das Holz stärker, und im Nachhall bleibt sogar etwas Rosine, jene Überreife eben.

So sehr das Jahr und die Kritiker für ihn sprechen, hier kippt der Nostos für mich in genau die Richtung, in der ich die Skeptiker dieses Weins gut verstehen kann. Dass gerade Gegas mit 87 höher ging als beim 2017er, den ich mit 96 so mochte, leuchtet mir nicht ein. Bei rund 30 bis 33 Euro und 14,5 % Alkohol sind das für mich maximal 92, eher 91 Punkte.

Verkostet: Mai 2026

bottom of page