Lafazanis Winery — Geometria Agiorgitiko 2024
PGI Peloponnes
100% Agiorgitiko
Peloponnes, Griechenland
Rotwein | trocken
12,5%
Trinkfenster: –2029
Geometria ist die frische, holzfreie Agiorgitiko-Interpretation von Lafazanis aus dem antiken Kleones am Eingang zur Nemea-Zone, auch 2024 wieder als PGI Peloponnes etikettiert, weil ein Teil der Trauben aus der Hügelregion von Korinthia stammt. Der Stil ist unverändert, mit 24 Stunden Kaltmazeration, sechs Tagen Maischekontakt, kühler Gärung bei 18 °C und ganz ohne Fass. Für rund 10 € bleibt es ein Wein, der über Frucht, Linie und Trinkfluss laufen will, nicht über Holz.
In dieser Reihe hatte ich bisher zwei Jahrgänge selbst im Glas. Den 2020er, den ich für genau diese unholzige, trinkfreudige Stilistik mit 89 Punkten schätzte, und den 2023er, der die Idee zwar zeigte, am Gaumen aber zu flach und zu kurz blieb, sodass ich bei 88 Punkten landete. Die Fremdwertungen zeichnen ein ähnliches Auf und Ab. Der 2021er war der Liebling von 50 Great Greek Wines, der 2023er kam bei Decanter nur auf Bronze mit 88 Punkten, und der 2024er holte dort nun Gold mit 95 Punkten, die höchste Auszeichnung, die diese Linie bislang bekommen hat.
Der Jahrgang 2024 war in Nemea heiß, trocken, sehr früh und mengenarm, anders als das nasse, pilzgeplagte 2023, das die Reife empfindlich störte. Die Trockenheit hielt den Krankheitsdruck niedrig, sodass das wenige Lesegut oft gesund und konzentriert ausfiel. Genau das spiegelt die Decanter-Notiz, die beim 2024er nicht nur rote Frucht und Blüte nennt, sondern einen kalkig-mineralischen Kern, elegante Struktur, kakaoartiges Tannin und Granatapfelsäure, also jene strukturellen Begriffe, die dem 2023er gerade fehlten. Simos Georgopoulos vom FNL Guide blieb beim Peloponnese Wine Festival 2026 zurückhaltender, vergab 7,5 von 10 und nannte ihn eher dunkel und wenig intensiv, hob aber ebenfalls den persistenten Nachhall hervor.
Im Glas bestätigt sich der Granatapfel, den Decanter nennt, schon in der Nase. Am Gaumen ist der Wein deutlich dichter als der 2020er und der 2023er, mit einem recht groben, mürben Tannin, das sich bemerkbar macht. Das ist ein viel klassischerer Agiorgitiko, einer, der so auch aus Nemea selbst kommen könnte. Nur fehlt ihm gerade das Kühle, jener Feuerstein, der die früheren Jahrgänge für mich attraktiv machte.
Er korrigiert einige Schwächen des 2023ers, der Nachhall etwa ist nun etwas länger. Höher hinaus kommt er für mich trotzdem nicht, denn das grobe, mürbe Tannin und vor allem die fehlende Kühle halten ihn zurück. Damit liegen der schwierige 2023er und der gefeierte 2024er für mich gleichauf, nur aus entgegengesetzten Gründen, dem einen fehlt der Gaumen, dem anderen die Kühle. Die Differenz von sieben Punkten, die Decanter zwischen beiden zieht, ist in meinen Augen nicht zu rechtfertigen. Für mich sind das 88 Punkte.
Verkostet: Juni 2026