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Ktima Gerovassiliou – Avaton 2021

PGI Epanomi
Limnio, Mavrotragano, Mavroudi
Makedonien, Griechenland
Rotwein | trocken
14,5%

Der Avaton 2021 vom Ktima Gerovassiliou (PGI Epanomi, 14,5% vol). Die Cuvée besteht zum größten Teil aus Limnio und zu kleineren Teilen aus Mavrotragano und Mavroudi. Mavrotragano macht ja neuerdings auch jenseits von Santorini Karriere. Mavroudi ist eine wichtige, wenn auch genetisch oft sehr diffuse Rebsorte in Nordgriechenland. Der Stellenwert der Limnio-Rebsorte für Evangelos Gerovassiliou wird deutlich, wenn man bedenkt, dass der Winzer sie als rotes Gegenstück zur von ihm geretteten Malagousia auserkoren hat – auch wenn die gleich geformte Flasche in der Rotwein-Variante eben nicht reinsortig befüllt wird. In der Nase viele dunkle Beeren, aber auch viel Gewürze und Kräuter, dazu etwas Kirsche und eine Spur Kakao. Am Gaumen hat der Wein ein im vorderen Bereich des Mundes eher zurückhaltend Tannin. Alles spielt sich hinten am Gaumen ab. Dort kommen einige recht grüne Noten hervor und auch eine gewisse Bitterkeit, die momentan noch ziemlich stört. Im Abgang ist der Wein aber dann doch recht delikat – es kommen auch einige ätherische und blumige Aromen durch. 92 Punkte – aber auf jeden Fall noch einige Jahre liegen lassen. Er erscheint noch zu jung. Wird aus ihm noch mehr?
Generell bin ich bei den jungen Avaton-Jahrgängen etwas unsicher. Mir scheint, dass hier eine Tendenz vorliegen könnte, wie ich sie sonst von den Syrahs bzw. Syrah-basierten Weinen von Gerovassiliou kenne: zu viele kantige grüne Noten, die viel Reife erfordern und es schwer machen, den perfekten Zeitpunkt zu erwischen. Teils überschreiten die Weine ihren Höhepunkt, ehe sie ihre ungestüme Jugendlichkeit ablegen.
Ein weiterer Datenpunkt: Bei einer separaten Verkostung im Dezember 2025 hatte ich den Avaton 2020 im Glas (14% vol), der sich sehr leicht trinkt und von viel Nougat geprägt war – aromatisch runder als der 2021er, aber ebenfalls noch bei „nur“ 92+ Punkten, weil das Tannin noch sehr vordergründig ist.
Eher gegen die These, dass aus dem 2021er noch viel wird, spricht der Avaton 2017 (ebenfalls 14,5% vol) als Fallstudie. Wir hatten ihn zuletzt 2021 verkostet und dort, im zarten Alter von nur vier Jahren, bereits mit 94 Punkten ausgezeichnet. Damals zeigte er sich mit wunderbar klarer roter Frucht in der Nase, unterlegt von dezenten Salbeinoten. Am Gaumen kam deutlich Nougat dazu, eingebettet in wunderbar feine Tannine, die weder ins übertrieben Seidige noch ins Pampige abdrifteten. Ein Wein, der sich fantastisch trinken ließ – nur im Abgang dominierte der Alkohol dann doch eine Spur zu sehr. Vier Jahre später, bei der Verkostung im Frühjahr 2025, hatte sich der Wein erstaunlich stark verändert. Von den damals so attraktiven Nougat-Noten hat sich sehr viel aufgelöst. Die Nase ist jetzt deutlich enger auf rote Früchte fokussiert, dazu etwas vegetabile Noten wie Rote Bete und leicht bittere Anklänge von Orangenzeste oder Kumquat. Am Gaumen fällt eine extreme Konzentration an Eukalyptus-Aromen auf, wie ich sie bei griechischen Weinen selten erlebt habe – man würde da am ehesten noch an einen Cabernet aus Australien denken. Insgesamt deutlich weniger aggressiv als der 2021er, allerdings auch nicht mehr ganz so filigran wie bei der Erstbegegnung. Der Alkohol bleibt relativ spürbar. Letztlich 92 Punkte – der Wein hat sich nicht in die erhoffte Richtung weiterentwickelt.
Allerdings: Einige Tage nach der Verkostung habe ich nochmal nachprobiert, um zu sehen, wie sich die Weine mit Sauerstoff entwickeln. Beim 2017er kommt mit viel Luft das Nougat tatsächlich wieder zurück. Aber er zeigt schnell oxidative Noten und wird zügig zur schlechteren Wahl – rutscht auf 90 Punkte ab. Der Avaton 2021 hingegen ist jetzt nicht mehr ganz so streng und fordernd. Er zeigt seinen Wacholder, seine Brombeere, seine gute Struktur. Es gibt also durchaus Grund zur Hoffnung, dass er in einigen Jahren noch auf 93 oder 94 Punkte klettern wird.

Verkostet: April 2025

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