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Kechris Winery – Tear of the Pine 2024

Retsina Traditional Appellation
100% Assyrtiko
Makedonien, Griechenland
Weißwein | trocken
13,5%

Diese Retsina habe ich im Juni 2026 nicht allein ins Glas bekommen, sondern am selben Tag neben dem 2022er der gleichen Linie – jenem Kechris Tear of the Pine, den Decanter zum Best in Show gekürt und mit 97 Punkten geadelt hat, den ich selbst allerdings nur bei 91 sah. Diese gemeinsame Verkostung ist der eigentliche Prüfstein für den 2024er, und ich nehme das Ergebnis vorweg: Für mich hat der 2024er im Moment klar die Nase vorne vor dem legendären 2022er. Ob ich den 2022er womöglich einfach zwei Jahre zu spät probiert habe, kann ich nicht ausschließen – aber im direkten Vergleich fällt die Entscheidung leicht.

Der Tear of the Pine ist ein Retsina, geführt als „Appellation by Tradition", und zwar in der ganzen Serie mit derselben Kuriosität – die Trauben stammen aus Goumenissa, aber die dortige PDO Goumenissa ist eine rote Xinomavro-Negoska-Appellation, in der ein weißer Assyrtiko-Retsina schlicht nicht laufen kann. Genau da liegt für mich der Kern meiner These: Wer etwas Erfahrung mit Retsina hat und nicht komplett baff ist, dass die Basis hier zu 100 Prozent Assyrtiko und nicht Savatiano ist, für den ist es eigentlich keine Frage, welcher der beiden Weine der bessere ist. Eleni Kechri behandelt das Harz nicht als Konservierungsmittel, sondern wie Holz – als aromatisch-strukturelles Element, das während der Fassgärung bei rund 15 Grad zugesetzt wird; dazu Kaltmazeration und sechs Monate auf der Feinhefe mit regelmäßiger Bâtonnage.

Als Jahrgang war 2024 in Makedonien ein Extremjahr: das wärmste, mit härtester Dürre und der frühesten Lese überhaupt. Gerade die Weißen hatten es schwer, weil die Hitze Säure und Frische unter Druck setzte und nur sehr frühe Lese die Aromatik retten konnte. Umso bemerkenswerter, dass der 2024er 7,5 g/l Gesamtsäure hält, gegenüber 6,5 g/l im 2023er – eine Leistung in so einem Hitzejahr, und sie deckt sich mit meinem Eindruck, dass der 2024er im Moment klar die Nase vorne hat.

In der Nase glänzt der 2024er mit ätherischem, aber nicht schwerem Harz, das an das helle, harzige Grün frisch ausgetriebener Kieferntriebe erinnert. Zugleich ist der Assyrtiko aromatisch präsent, mit viel Frucht. Dieses Wechselspiel, dieser Reigen – anders kann ich es nicht nennen – setzt sich am Gaumen fort: Mal tritt die Säure des Assyrtiko in den Vordergrund, mal macht das Harz mit Minze auf sich aufmerksam. Vor allem aber von der Textur her ergänzen und „spielen" Harz und Wein miteinander. Und das ist genau das, was mir beim 2022er fehlte – dort vermisste ich Textur, Cremigkeit und Frucht, und er drohte ins Wässrige zu kippen. Hier passiert das Gegenteil: Das Zusammenspiel trägt den Wein.

Bestätigt sieht sich meine hohe Einschätzung durch die Thessaloniki Wine & Spirits Trophy 2026, wo der 2024er mit Gold und 96 Punkten ausgezeichnet und als „Best Retsina" zum Kategoriesieger gekürt wurde. (Nicht zu verwechseln mit dem Decanter-Best-in-Show – das war der 2022er.) Für mich ist das ein wirklich großer Retsina, und bei rund 20 Euro ist er dafür sehr, sehr erschwinglich. Ich vergebe 93 Punkte.

Verkostet: Juni 2026

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