Jima Winery — Dame Rouge III 2021
Day 18
90% Merlot, 10% Cabernet Franc
Epirus, Griechenland
Rotwein | trocken
14,5%
Nach all der Konzentration und Kraft noch ein Wein, der zeigt, dass griechischer Merlot auch ganz anders geht. Die Jima Winery in Kalomodia bei Arta, nur wenige Kilometer vom Ambrakischen Golf entfernt, ist ein Familienbetrieb, gegründet vom Önologen Panagiotis Jimas und seiner Frau Kristy Karagiannidou. Jimas trägt das WSET Diploma – unter griechischen Winzern eine Seltenheit, und man merkt es seinen Weinen an. Das Gut produziert aus Merlot und Cabernet Franc gleich zwei sehr unterschiedliche Cuvées: Die Odyssey 2021 (85% Merlot, 15% Cabernet Franc, 13,4% Alkohol, 90+ Punkte) ist die fruchtbetontere, zugänglichere Variante – ein Wein, der in früheren Jahrgängen unter dem Namen Âge d’Or lief und mir im Jahrgang 2020 noch etwas besser gefiel. Die Dame Rouge ist das andere Extrem: ambitionierter, experimenteller, kompromissloser.
Die Dame Rouge III ist in mehrfacher Hinsicht der Ausreißer dieser Verkostung. Die Trauben – 90% Merlot und 10% Cabernet Franc – stammen aus Block 13, einer winzigen Parzelle von gerade einmal 0,45 Hektar auf kalkreichem Tonboden mit marinen Fossilablagerungen. Gepflanzt 2013 sind das mit Abstand die jüngsten Reben in unserem Vergleich – erst acht Jahre alt zum Zeitpunkt der Lese 2021, während Lacules auf über 40 und Hatzimichalis auf über 20 Jahre zurückblickt. Und die Höhenlage: 3,3 Meter. Praktisch Meeresniveau. Wo der Emperor auf 850 Metern thront und die übrigen Weine zwischen 300 und 350 Metern liegen, steht die Jima-Parzelle fast am Wasser, gekühlt nur durch die Brisen vom Ambrakischen Golf.
Was die Dame Rouge von allem anderen in dieser Verkostung unterscheidet, ist die Machart. Ein Teil der Merlot-Trauben wird nach der Handlese am 5. September im Schatten getrocknet – Appassimento-artig, um Aromen, Tannine, Zucker und Säure zu konzentrieren. Diese angetrockneten Trauben werden dann dem bereits vergorenen frischen Wein zugesetzt, worauf eine zweite Gärung einsetzt. Der vergorene Saft wird anschließend in einer vertikalen Korbpresse von den Stielen getrennt; die Gärung läuft in einem neuen Eichenfass bis zum folgenden Februar weiter. Im Dezember 2022 wird unfiltriert und ohne jede weitere Behandlung abgefüllt; danach bleibt der Wein bis November 2023 im Weingut. Das ergibt, zusammengenommen, einen Ausbau über zwei Kalenderjahre – für ein Weingut dieser Größe ein erheblicher Aufwand.
Bei den Analysedaten zeigt sich das Ergebnis: 14,5% Alkohol, 6,4 g/l Gesamtsäure bei pH 3,8. Die Säure liegt damit über dem Galatrona und dem Hatzimichalis, nur der Emperor hat noch mehr. Für einen teilweise angetrockneten Merlot ist das bemerkenswert straff – hier entsteht kein süßlich-opulenter Amarone-Stil, sondern etwas Eigenständiges.
Im Glas dann ein Wein, der sofort in eine andere Richtung geht. In der Nase fällt eine geradezu drastische Menge Leder auf, darunter reife Kirschen und Pflaumen. Am Gaumen ein sehr feines Tannin, das dem Wein Eleganz verleiht und jede Brachialität nimmt – nach den Kraftdemonstrationen von Lacules und den wuchtigen Tanninen des Emperor eine willkommene Abwechslung. Viel Olivenpaste im Geschmack, langer Nachhall. 93+ Punkte. Ein Wein, der mit mehr Luft wahrscheinlich noch besser gezeigt hätte und der seine Fans vor allem unter jenen finden wird, die bei 14,5% auch mal einen filigraneren Merlot suchen. Wer eine der wenigen Hundert Flaschen hat, sollte ihr noch Zeit geben – ab diesem Jahr kann man es sachte probieren.
Generell bräuchte die Dame Rouge noch deutlich mehr Flaschenreife. Letzten Sommer hatte ich den Dame Rouge IV aus dem Jahrgang 2023 geöffnet, und das war eindeutig zu früh – es fühlte sich an wie eine Fassprobe. Dasselbe gilt für die Odyssey III und den reinsortigen Cabernet Franc 2023 von Jima. Diese Weine haben enormes Potenzial, aber sie brauchen Geduld. Man sollte die Beherrschung nicht auf die Konsumenten abwälzen, und ich wünsche der Jima Winery, dass sie mit der Qualität ihrer Weine bald genug Umsatz macht, um auf längere Flaschenreifung vor der Freigabe setzen zu können.
Verkostet: Februar 2025