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Domaine Hatzimichalis — Merlot Alargino 2021

PGI Atalanti
100% Merlot
Mittelgriechenland, Griechenland
Rotwein | trocken
14,5%
Trinkfenster: –2051

Wenn es einen einzelnen Wein gibt, an dem sich die Geschichte des griechischen Merlot erzählen lässt, dann ist es der Merlot Alargino von Domaine Hatzimichalis. 1973 gründete Dimitris Hatzimichalis sein Weingut im Atalanti-Tal in Mittelgriechenland – einem Landstrich zwischen dem Parnass und dem Euböischen Golf, dessen kühle Querströmungen den Reben in den Sommernächten die Erholung geben, die sie in diesem Klima brauchen. Hatzimichalis war eines der ersten griechischen Weingüter, das internationale Sorten neben einheimischen Trauben pflanzte, und das allererste, das Merlot sortenrein auf die Flasche brachte – beginnend mit dem Jahrgang 1989. Das ist keine Fußnote. Es bedeutet, dass die Geschichte des griechischen Merlot hier beginnt.

Den Merlot Alargino begleite ich seit mehreren Jahren, und die Vertikale, die sich dabei ergeben hat, gehört zu den aufschlussreichsten Erfahrungen, die ich mit griechischem Wein gemacht habe. Dabei war mein erster Kontakt mit Hatzimichalis-Merlot eher ernüchternd: Der Merlot Yataki 2017, die Einstiegsvariante des Guts, konnte mich mit seinen 86 Punkten und einem brandigen Alkohol-Abgang nicht überzeugen. Umso größer die Überraschung, als ich dann den Alargino kennenlernte – eine völlig andere Welt. Der 1992er – den ich erst 2025 im Glas hatte, also über dreißig Jahre nach der Lese – war Berichten zufolge der erste griechische Wein überhaupt auf der IWC-Top-100-Liste. Mit nur 12% Alkohol zeigte er sich immer noch frisch und saftig, mit dichten Himbeeraromen, verwoben mit Pilz und Erde, und weichen, aber noch spürbaren Tanninen: 93 Punkte und ein Wein, der problemlos bis 2030 halten dürfte. Der 2004er war dann der bisherige Höhepunkt meiner Alargino-Erfahrung: Leder, Lakritze, Feuerstein, Graphit, Brombeere, eine großartige Säure – auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung. 95 Punkte. Der 2011er überraschte mit einer ganz anderen Geschichte: Anfangs Pilze und Unterholz, aber über mehrere Tage eine bemerkenswerte Verbesserung, mit den für reifen Hatzimichalis-Merlot typischen schwarzen Oliven-Aromen und einer Komplexität, die den 2020er sogar übertraf. 94+ Punkte. Der 2020er schließlich zeigte eine helle Farbe, erinnerte an einen Pomerol aus einem heißen Jahr – Kirschen, Marzipan, kräftige, aber fein geschliffene Tannine, herausragender Abgang. 93 Punkte, mit Luft nach oben. Was diese Vertikale zeigt: Der Merlot Alargino ist kein Wein, der im ersten Jahr alle Karten ausspielt. Er braucht Zeit, und er belohnt sie.

Technisch ist der Alargino dem Galatrona näher verwandt, als man denken würde: Auch er ist ein unbewässerter, niedrig ertragender Einzellagen-Merlot – die Trauben stammen aus der Lage „Alargino“ in Zygos, was „die am weitesten entfernte“ bedeutet, auf 320 bis 350 Metern Höhe, mit nur 3.500 kg/ha Ertrag. Die Gesamtsäure von 5,8 g/l ist nahezu identisch mit dem Galatrona (5,89 g/l), und die Höhenlage ist vergleichbar. Beim Holzausbau aber ein klarer Kontrast: Wo Petrolo auf 18 bis 20 Monate mit nur einem Drittel Neuholz setzt, wählt Hatzimichalis 12 Monate in ausschließlich neuen französischen 228-Liter-Barriques, gefolgt von weiteren 12 Monaten Flaschenreife im unterirdischen Keller vor der Freigabe. Bei 100 Prozent Neuholz entscheidet die Fruchtkonzentration des Jahrgangs darüber, ob das Holz den Wein erdrückt oder ihm den richtigen Rahmen gibt.

Im Glas zeigt sich der 2021er recht expressiv in der Nase, mit viel Kirschmarmelade – dichter und einladender als der etwas verschlossenere 2020er im selben Alter. Am Gaumen dann Sanddorn und Marzipan, ein guter Nachhall, und ganz am Ende schleicht sich noch eine dezente Pflaumennote hinter dem Sanddorn ein. 93+ Punkte – auf dem gleichen Niveau wie der 2020er. Beide werden eines Tages 95 Punkte erreichen, davon bin ich überzeugt. Interessant ist aber, dass der 2021er nach ungefähr vergleichbarer Zeit seit der Lese bereits eine Spur besser integriertes Holz zeigt als der 2020er im gleichen Stadium. Für einen Wein mit 100 Prozent Neuholzanteil ist das ein gutes Zeichen. Leonidas Hatzimichalis sagte im August 2021, die Lese habe wegen der Hitze etwa zehn Tage früher als üblich begonnen und 2021 sei ein exzellenter Jahrgang – die Konzentration und Reife im Glas geben ihm Recht.

Mit nur 3.000 Flaschen und einem Preis deutlich unter dem des Galatrona nimmt der Merlot Alargino in der griechischen Weinlandschaft eine singuläre Position ein: ein Pionier-Wein mit über drei Jahrzehnten dokumentierter Alterungsfähigkeit, den die internationale Kritik bislang weitgehend ignoriert. Die Vertikale spricht für sich.

Verkostet: Februar 2025

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