Diamantakis Winery – Diamantopetra weiß 2025
PGI Kreta
50% Vidiano, 50% Assyrtiko
Kreta, Griechenland
Weißwein | trocken
13,5%
Der Diamantopetra weiß ist der im Holz ausgebaute Weiße von Diamantakis, eine Cuvée aus 50 Prozent Vidiano und 50 Prozent Assyrtiko, abgefüllt als PGI Kreta. Der Name heißt sinngemäß „Diamantstein“. Die rote Diamantopetra ist die ältere der beiden. Der erste weiße Jahrgang war 2014, auf den Markt kam er 2015. Das Familiengut haben die Brüder Zacharias, Ioannis und Michalis Diamantakis 2007 gegründet. Es liegt nahe dem Kloster Agios Georgios Gorgolainis. Heute bewirtschaften sie 15 Hektar auf 30 Parzellen. Zacharias hat in Athen Önologie studiert und verantwortet den Keller. Der Familie zufolge erprobte Diamantakis den Assyrtiko 2010 zunächst auf einer kleinen Terrasse. Daraus wurden der Assyrtiko-Anteil dieser Cuvée und der reinsortige Petali Assyrtiko.
Die Trauben stammen aus den Lagen Koumi und Spartias bei Kato Asites im Regionalbezirk Heraklion. Sie liegen auf 400 bis 670 Metern, sind nach Nordosten ausgerichtet und stehen auf kalk- und tonhaltigen Böden mit Kalkstein, unter dem Einfluss der Meereswinde aus der Ägäis. Gepflanzt wurden die Reben 2006 und 2010. Laut Datenblatt liegt der Ertrag bei 7,5 Tonnen je Hektar. Beide Sorten werden getrennt vinifiziert. Die Gärung bei 15 bis 17 Grad beginnt im Edelstahl und endet im Eichenfass. Ausgebaut wird der Wein drei Monate auf der Feinhefe, mit Bâtonnage. Das Holz ist zu 80 Prozent französische und zu 20 Prozent amerikanische Eiche, die Hälfte davon neu. Vom 2025er wurden 20.000 Flaschen gefüllt, deklariert bei 13,5 Prozent Alkohol. Laut Datenblatt hat der Wein 6,4 g/l Gesamtsäure bei pH 3,33. Im Jahrgang 2024 waren es 6,0 g/l, im Jahrgang 2023 7,05 g/l.
Verkostet habe ich den 2025er im Oktober 2026 in einer Weißweinprobe zu Vidiano und Assyrtiko mit acht Weinen. Dort stand er an fünfter Stelle, zwischen den beiden Sortenweinen desselben Hauses, dem reinsortigen Diamantakis Vidiano 2025 und dem Petali Assyrtiko 2025. Alle drei hatten wir parallel im Glas, und das mit Absicht. Vor Jahren hat uns dieser Wein irritiert, weil er mehr Säure aufwies als der pure Assyrtiko. Bei einer Verkostung 2023 lag die Cuvée in der Wertung klar vorn. Der Diamantopetra 2021 bekam 93 Punkte, der Petali Assyrtiko 2021 90 und der Vidiano 2021 87. Den Diamantopetra 2021 habe ich mit rund zwei Jahren notiert, bei 13,0 Prozent Alkohol. Er hatte eine elegante Nase und eine ausgewogene Säurestruktur, der dezente Eichenholzausbau war perfekt eingebunden. Damals schrieb ich von einem großartigen kretischen Weißwein. Der 2025er war bei der Probe gut ein Jahr alt. Julia Harding MW hat ihn im August 2026 für JancisRobinson.com verkostet und beschreibt eine würzige, zedrige Holzprägung. Andreas N. Androulidakis beschrieb ihn im Oktober 2026 bei Cantina (Protothema) mit dichter Textur, ausgeprägter Säure und einem langen Nachhall.
Die Cuvée in der Mitte lässt sich mit den beiden Sortenweinen nicht ganz vergleichen, weil sie durch ihr Holz etwas auszugleichen vermag. Tatsächlich hat man aber das Gefühl, dass das Holz ganz schön arbeiten muss. Ein fordernder Wein. Schon in der Nase ist das Holz recht präsent, mit recht viel Vanille und dazu ein paar exotischen Aromen. Bei der Hälfte neuer Fässer und einem Fünftel amerikanischer Eiche mag die Vanille nicht überraschen. Im Antrunk ist der Wein dann sehr präsent. Im Nachhall aber ist er ein klein wenig enttäuschend, zu geradlinig aufs Holz zugeschnitten.
Die Rollen der Sorten waren an diesem Abend vertauscht. Der reinsortige Vidiano war der wilde. Er hatte eine hefige Nase, im Abgang das typisch Kalkige, Aprikose und eine beinharte Säure. Er war mir zu kantig und lag bei 90 Punkten. Der Petali Assyrtiko war der zahme. Er war weich, mit Banane und Honig und gefühlt weniger Säure, der süffigste der Weine, und lag bei 91 Punkten. Die Cuvée hat nicht so viel Zug wie der Assyrtiko und ist nicht von solch brachialer Gewalt wie der Vidiano. Auch im Nachhall ist sie dem Vidiano nicht ebenbürtig. Deswegen reicht es für mich nur zu 90 Punkten.
Damit hat sich das Verhältnis gegenüber der Probe von 2023 umgedreht. Damals lag die Cuvée drei Punkte vor dem Assyrtiko. Jetzt liegt sie einen Punkt dahinter und gleichauf mit dem Vidiano, der in Griechenland deutlich weniger kostet. Dass Holz in einem Weißen auch anders wirken kann, zeigte in derselben Probe der Kir-Yianni Single Block Tarsanas 2023. Dort war es fantastisch eingebunden, und ich sah ihn bei 93 Punkten. Gut gemacht ist der Diamantopetra trotzdem, wirklich gut gemacht. Dem roten Diamantopetra (2021, 89 Punkte) ist er keine Frage überlegen. Er kostet rund 18 Euro in Griechenland. Vom Charakter aber ist er ein Zwischenstück zwischen dem zahmen Assyrtiko und dem wilden Vidiano des Hauses und damit irgendwo auf der Strecke geblieben. Für mich sind das 90 Punkte.

Verkostet: Oktober 2026
Andere Jahrgänge:
Diamantakis Winery – Diamantopetra weiß 2021 (93, 2023)