Boutari – Grand Reserve Naoussa 1993
PDO Naoussa
100% Xinomavro
Makedonien, Griechenland
Rotwein | trocken
13%
Der Boutari Grande Reserve Naoussa 1993 ist reinsortiger Xinomavro mit 13 Prozent Alkohol, damals noch als OPAP klassifiziert, heute wäre es die PDO Naoussa. Boutari wurde 1879 von Ioannis Boutaris in Naoussa gegründet, die Kellerei in Stenimachos steht seit 1978. Dieser Jahrgang stammt noch aus der Zeit vor 1996, als Yiannis Boutaris das Familienunternehmen verließ und danach mit Kir-Yianni seinen eigenen Weg ging. Genau diesen 1993er stellte Boutari am 7. Februar 2013 in London beim Circle of Wine Writers vor, eine Präsentation, die das Haus zusammen mit Konstantinos Lazarakis MW organisierte. Meine Flasche habe ich ersteigert.
Verkostet habe ich ihn im Oktober 2026, 33 Jahre nach der Lese, gemeinsam mit drei weiteren Boutari-Weinen, dem Cava 2020 (86 Punkte), dem Grande Reserve 2013 (85 Punkte) und dem Cava 1976 (70 Punkte).
Die Erwartung, die fremde Verkostungen an diesen Wein setzen, ist hoch. 2016 gab Mark Squires im Wine Advocate dem 1993er 92 Punkte, in derselben Runde kam der 1990er auf 93 und der 2011er ebenfalls auf 92. Simon Woolf nannte ihn 2015 auf TimAtkin.com ein herausragendes Reifebeispiel, eine gereifte Naoussa mit erhaltener Frucht. Richard Hemming MW hatte ihn 2013 für JancisRobinson.com als deutlich tertiär beschrieben, und Hayley Hamilton Cogill zog im D Magazine 2012 den Vergleich zu einem gereiften Barolo. Allein Alder Yarrow fiel 2011 bei Vinography zurückhaltender aus, mit rund 8 von 10 und einem bereits trocknenden Tannin.
Im Glas war er natürlich nicht mehr ganz so blickdicht wie der 2013er und zeigte schon leicht bräunliche Reflexe. In der Nase aber dann noch erstaunlich frisch, mit durchaus einigem an Unterholz, dazu noch etwas Tomate, die durchkommt, und Lavendel, ordentlich Lavendel. Am Gaumen überzeugte zunächst die Struktur tatsächlich, so wie beim 2013er. Das Tannin ist griffig und hat nicht eingebüßt. Dazu ein sehr gutes Spiel aus Säure und Süße, wie Kaffee im Abgang. Dem trocknenden Tannin, das Yarrow 2011 beschrieb, steht in meinem Glas ein griffiges Tannin gegenüber – eine andere Flasche, 15 Jahre später.
Der Grande Reserve 2013 schien mir dagegen schon über seinem Zenit zu sein, mit viel Tabak und wenig Frucht, und bekam von mir nur 85 Punkte. Der zwanzig Jahre ältere 1993er war noch erstaunlich frisch und liegt zwei Punkte vorn. Der Cava 1976, der Älteste der Runde, lag mit 70 Punkten deutlich dahinter, mit recht bräunlicher Färbung und einer recht unangenehmen Säure, wo der 1993er noch dieses sehr gute Spiel aus Säure und Süße zeigt. Unter den vier Weinen dieser Verkostung trägt der 1993er mit 87 Punkten die höchste Wertung.
Auch in meiner Boutari-Grande-Reserve-Reihe hat der 1993er damit die höchste Wertung. Der 1987er litt bei der Xinomavro-Masterclass 2024 mit rund 37 Jahren unter Korkproblemen und kam nur auf 84 Punkte, der 2013er bleibt bei 85. Gereifte Naoussa habe ich in beide Richtungen erlebt – die Tsantali Reserve Naoussa 1992 kam bei derselben Masterclass mit rund 32 Jahren und einem überraschend frischen Gaumen mit perfekt erhaltenen Tanninen auf 92 Punkte, während die Naoussa der Winzergenossenschaft 1988 mit rund 36 Jahren ihren Höhepunkt klar überschritten hatte und bei 85 lag.
Nach 33 Jahren ist das sehr beachtlich. Einen Marktpreis für den 1993er gibt es nicht, die aktuelle Linie kostet rund 20 Euro in Griechenland. Für mich sind das 87 Punkte.

Verkostet: Oktober 2026