Tsantali — Nemea Reserve Epilegmenos 1993
PDO Nemea
100% Agiorgitiko
Peloponnes, Griechenland
Rotwein | trocken
12%
Der Tsantali Nemea Reserve Epilegmenos 1993 (PDO Nemea, 100% Agiorgitiko, ca. 12%) stammt von einem der prägendsten Namen des modernen griechischen Weinbaus – und zugleich einem der großen Exporteure, die in den 1980ern und 1990ern griechischen Wein international sichtbar machten – einem, der im Januar 2026 für bankrott erklärt wurde. Das Öffnen einer über dreißig Jahre alten Tsantali-Flasche hat damit auch etwas Wehmütiges. Die „Epilegmenos"-Bezeichnung (Reserve) bedeutete nach den damaligen griechischen Regeln mindestens drei Jahre Gesamtreife, davon mindestens sechs Monate im Holz und sechs in der Flasche – also kein Marketingbegriff, sondern ein regulatorisches Versprechen. Alte Tsantali-Weine haben uns auf diesem Blog schon öfter überrascht: Der Reserve Naoussa 1992 kam 2024 auf 92 Punkte, und bei Rapsani haben wir gesehen, dass Reserve und Grande Reserve bei Tsantali wirklich einen enormen Unterschied machen können. Würde es beim Agiorgitiko nun also auch so sein? Hinzu kommt: Pavlos Gegas gab dem Evangelos Tsantalis Agiorgitiko Nemea 2000 – einem nur sieben Jahre jüngeren Wein aus demselben Haus – 2022 stolze 94 Punkte und beschrieb Waldboden, Trüffel, alte Kaffee- und Schokoladennoten bei erstaunlich heller Säure und vollständig aufgelösten Tanninen. Von daher durchaus hohe Erwartungen – und in der Tat ist der Wein auch deutlich dichter als der Boutari, mit erheblich mehr Extrakt. In der Nase relativ gut erhalten: eingekochtes Obst, eingekochte Pflaumen. Am Gaumen nicht ganz die klassische Schärfe von überlagertem Agiorgitiko, die einen sonst gleich anspringt, sondern etwas mehr verteilt, was das Ganze angenehmer macht. Allerdings kommt eine ganz leichte Bitternote hinzu, die dem Wein leider schadet, und ganz am Schluss auch eine kleine Pappigkeit im Nachhall. Es sind diese vielen kleinen Schwächen, die jeweils zu Punktabzug führen: In manchen Phasen des Genusses könnte der Wein durchaus bei 90 Punkten liegen, aber er zeigt in jeder dieser Phasen beim Verkosten dann eben doch die entsprechenden kleinen Schwächen. Deswegen leider nur 84 Punkte. Ein Wein, dem man mehr wünschen würde. Wer eine besser gelagerte Flasche hat, hat vielleicht mehr Glück. Vielleicht haben wir auch einfach den optimalen Trinkzeitpunkt verpasst – der lag, wenn man sich an Gegas' 94 Punkten für den 2000er nach 22 Jahren orientiert, womöglich irgendwann um 2015.
Verkostet: Juni 2024