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Torosidis – V diano 2025

Nature Defines the Rules

100% Vidiano
Thrakien, Griechenland
Weißwein | trocken
12,5% | Bio

„V diano“ steht auf der Front, dazu ein auffälliges Insekt, „Nature defines the rules“ und „single variety organic wine“. Das Wort Vidiano sucht man auf der Flasche vergeblich, obwohl der Wein im Verkauf des Guts schlicht so heißt und zu 100 Prozent aus dieser Sorte besteht. Der Grund liegt in der Herkunft. Torosidis sitzt in Peteinos im Regionalbezirk Xanthi in Thrakien. Der Ort gehört verwaltungstechnisch zur Gemeinde Abdera, liegt aber nur etwa fünf Kilometer von der Stadt Xanthi entfernt. Das Gut legt Wert darauf, dass das nicht das etablierte Weinbaugebiet um Abdera ist. Peteinos liegt außerhalb der Zone, die eine geschützte geografische Angabe tragen darf, der Wein läuft also als Sortenwein ohne geschützte Herkunft. Bei sortenreinen Weinen dieser Kategorie erlaubt das griechische Recht nicht, bestimmte Sorten auf das Etikett zu schreiben, darunter Assyrtiko, Xinomavro, Malagouzia und eben Vidiano. Cuvées aus mehreren Sorten dürfen die Namen tragen. Übrig bleiben „V diano“ und der Hinweis auf eine einzige Sorte. Das Insekt geht nach der Erzählung des Erzeugers auf eine Begegnung im eigenen Weinberg zurück und soll für Biodiversität und die biologische Bewirtschaftung stehen.

Oh, dieses kleine Weingut, wie es mir Kopfzerbrechen bereitet hat. Der Erzeuger beschreibt den Betrieb selbst als ausgesprochen klein. Inhaber ist Efstathios „Stathis“ Torosidis, der 2013 die ersten Reben pflanzte. Den ersten Wein für den Verkauf gab es aus der Ernte 2020, abgefüllt im Frühjahr 2021. Seit 2023 ist der Betrieb biologisch zertifiziert, zuvor arbeitete er nach den griechischen Standards der integrierten Produktion. Eine eigene Kellerei hat Torosidis nicht, vinifiziert wird in einer Partnerkellerei der Region. Wie mir der Inhaber schrieb, kommt bei keinem seiner Weine ein Fass zum Einsatz. Auch dieser ist im Edelstahl vergoren und ausgebaut, ohne Holz. Technische Datenblätter gibt es keine, weil man sich, so Torosidis, in einer Phase des Experimentierens und ständiger Versuche befinde.

Vidiano stammt ursprünglich von Kreta. Bei Torosidis kam die Sorte in der Pflanzphase 2017 bis 2019 in den Boden, zusammen mit Malagouzia, Limnio und Syrah, nach Angabe des Erzeugers genau in dem Jahr, in dem Vidiano erstmals für Thrakien zugelassen wurde. Zuvor floss sie bei Torosidis nur in Cuvées, 2025 ist der erste Jahrgang der reinsortigen Abfüllung. Damit spielt Vidiano im Haus drei Rollen. Im Syrah Vidiano 2023 ist die Sorte zu 25 Prozent mit der roten Traube gemeinsam vergoren, in der weißen Cuvée 2024 stehen 55 Prozent Malagouzia, 35 Prozent Vidiano und 10 Prozent Chardonnay, und hier steht Vidiano allein.

Verkostet habe ich den V diano im Oktober 2026, rund ein Jahr nach der Lese, als Muster des Guts. Er war der letzte von sechs Torosidis-Weinen, die ich gemeinsam probiert habe. Zuerst kamen die beiden anderen Weißen, die Cuvée Malagouzia Vidiano Chardonnay 2024 und der Viticulturist Malagouzia 2025. Dann folgte der Syrah Vidiano 2023, der mir einfach die Sprache verschlagen hat. Danach gab es zwei Rosés, den Limnio Syrah 2024 und den halbtrockenen Limnio Malagouzia 2023, beide interessant, aber nicht ganz beeindruckend. Zum Abschluss dann dieser Wein.

Im Glas ist er ganz eindeutig der dunkelste Wein des Tages, und mit der Gefälligkeit der beiden anderen Weißen hält er definitiv nicht mit. In der Nase neben der Quitte durchaus Lösungsmittel. Am Gaumen dann eine brachiale Säure und eine mundfordernde Fülle. Das Gut selbst beschreibt den Wein als körperbetont mit ausgewogener Säure, ich habe die Säure als brachial erlebt. Nur 12,5 Prozent Alkohol, aber eine Präsenz, die niemanden kalt lässt. Und er wird wirklich besser, je länger man ihn im Glas hat, ein Wein, der mit der Zeit selbst Skeptiker überzeugt.

Torosidis ist für mich der Newcomer des Jahres. Der V diano kostet rund 9 Euro in Griechenland, im Sortiment des Guts ist das bereits das obere Ende. Für mich sind das 90 Punkte.

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Verkostet: Oktober 2026

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