Oinotropai Winery – Red Monk 2024
PGI Messinien
100% Carignan
Peloponnes, Griechenland
Rotwein | trocken
13,3%
Trinkfenster: 2029–2034
Anfang Juni 2026 saß ich bei den Kapopoulos' auf dem Ktima Oinotropai in Zevgolatio unweit von Kalamata, und nach dem Nomade Chardonnay kam der Wein, der mich hier seit Jahren am meisten umtreibt: der Red Monk. Zwei Jahrgänge kenne ich bereits, und beide habe ich hoch bewertet – dazu gleich mehr. Der Name ist eine Hommage daran, dass dieser Wein einzigartig, ganz allein unterwegs ist – der einzige rote Carignan Griechenlands, im Moment und wohl noch für einige Zeit – , der beständig seinen Weg geht, einen Weg an die Spitze des griechischen Weins. Für mich einer der aufregendsten Roten des Landes, gerade weil er so untypisch ist. Früher lief er als „Roes Carignan", 2018 als „Roes Carignan Vieilles Vignes"; seit einigen Jahren heißt dieselbe winzige Alt-Reben-Parzelle nun Red Monk.
Und die ist tatsächlich etwas Besonderes: ein kleiner, wurzelechter, ungepfropfter Block von rund 0,4 Hektar mit etwa vierzigjährigen Carignan-Reben, ohne Bewässerung und ohne Düngung bewirtschaftet, abgefüllt als 100 % Carignan unter der PGI Messinien. Carignan ist in Griechenland eine echte Rarität, und Vasilis und Maria Kapopoulos ziehen aus diesem Fleckchen einen Wein, der stilistisch quer zu allem steht, was man von der Region erwarten würde.
Denn als Jahrgang war 2024 auf dem Peloponnes das heißeste und trockenste Jahr der jüngeren Reihe. Eine Juli-Hitzeglocke mit über 40 °C an zwölf Tagen trieb die Reife so weit voran, dass so früh gelesen wurde wie nie – nicht, weil die Trauben unreif gewesen wären, sondern um dem davoneilenden Zucker zuvorzukommen und Säure und Frische zu retten. Aus der Hitze und den kleinen, konzentrierten Beeren kamen dennoch vielerorts wuchtige, tanninstarke Weine mit Überreife- und Alkoholrisiko, die Kellerzeit brauchen; im Vorteil waren alte, tief wurzelnde Stöcke – wie dieser Block. Genau dagegen stellt sich dieser Carignan: schlank abgefüllt mit 13,3 %, aufrecht und frisch. Das passt zur klaren Entwicklungslinie des Guts, das den Alkohol Jahrgang für Jahrgang zurückgenommen hat: 2018 noch 15,5 %, 2021 dann 14 %, jetzt 13,3 %.
Der 2024er hat mich sofort mit einem umwerfenden Bouquet betört – ein Wein, dem man wirklich einmal nur nachriechen möchte, ein ganzer Strauß an Früchten, unterlegt von appetitlichen kräutrigen Noten. Am Gaumen zeigt er faszinierende Säure und sehr solides Tannin, das noch etwas weicher werden und mehr Platz für die Aromen im Nachhall machen darf. Und schön ist auch, was fehlt: die Schokolade, die man sonst bei wuchtigeren Weinen dieser Art – etwa aus Merlot – in Griechenland oft bekommt.
In meiner eigenen Vertikale reiht sich der 2024er ein. Den Roes Carignan Vieilles Vignes 2018 habe ich im Dezember 2022 mit vier Jahren bei 94 Punkten gesehen: die 15,5 % Alkohol nicht versteckt, untypisch nussige Aromen, aber trotzdem gute Säure, ordentlich Frucht und ein langer Abgang – damals im Direktvergleich mit dem chilenischen Kult-Carignan Vigno. Simos Georgopoulos gab diesem 2018er 9 von 10, Pavlos Gegas 90 Punkte. Den Red Monk 2021 habe ich 2025 ebenfalls mit 94 bewertet: mit moderateren 14 % zugänglicher und fruchtbetonter, üppig und erfrischend, mit schöner Säure und guter Komplexität – die klare Abkehr vom nussig-hochprozentigen 2018er. Der 2024er führt diese Reise mit 13,3 %, seiner Säure und dem Verzicht auf jede Schokoladigkeit konsequent weiter.
Bei rund 16 € ist das ein Wein, den man im Keller belohnt sieht: jetzt schon trinkbar, aber am besten erst nächstes Jahr; ich könnte mir gut vorstellen, dass er sich ab 2029 in voller Blüte zeigt, und ein Fenster bis 2034 sollte allemal drin sein. Testen muss man das bei diesen Weinen natürlich noch – und ich hoffe, irgendwann über gereiftere Flaschen berichten zu können. 93+ Punkte.

Verkostet: Juni 2026