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Oinotropai Winery – Nomade Chardonnay 2025

PGI Messinien
100% Chardonnay
Peloponnes, Griechenland
Weißwein | trocken
13%
Trinkfenster: –2030

Anfang Juni 2026 habe ich das Ktima Oinotropai in Zevgolatio unweit von Kalamata besucht, ein kleines Boutique-Gut in der messenischen Ebene, das rund 30.000 Flaschen im Jahr keltert. Das Winzerehepaar Vasilis und Maria Kapopoulos hat mich sehr herzlich empfangen, und ich durfte einige faszinierende Einblicke gewinnen. Der Betriebsname verweist auf die Oinotropen, jene Gestalten aus dem Dionysos-Mythos. Ein Wort zur Etikettenkunde vorab: Was heute „Nomade Chardonnay" heißt, lief früher als „Roes"-Chardonnay – derselbe Wein, umbenannt. Das Gut hat das schon einmal so gehandhabt, als der „Roes" Merlot-Rosé seit 2022 zum „Ombre" wurde.

Der Wein ist ein reinsortiger Chardonnay aus der ΠΓΕ Μεσσηνία und stammt von Reben, die weder bewässert noch gedüngt werden – 65 Stremmata auf Tonboden, mit ausgeprägter Tag-Nacht-Amplitude und der kühlenden ionischen Brise. Ausgebaut wird mit Fasseinsatz; für den 2025er nennt Oinognosia sechs Monate Fass, während ältere Jahrgänge zwischen vier und fünf Monaten lagen, teils in amerikanischer Eiche. Bemerkenswert finde ich den Alkoholverlauf dieses Guts: Beim Chardonnay steht die verkostete Flasche bei 13 %, und dieselbe Tendenz nach unten zeigt der hauseigene Carignan, der von 15,5 % im 2018er auf 14 % im 2021er zurückging. Kursierende Handelsangaben von 14,2 oder 14,5 % sind veraltete Kopien.

Als Jahrgang gilt der 2025er auf dem Peloponnes als gesund und vielversprechend, mit lebendiger Säure, gerettet durch ein kühleres, hitzefreies Reifefenster vor der Lese; die belastbaren Daten stammen aber aus Nemea, Mantinia und Patras, während die küstennahe Kalamata-Ebene deutlich wärmer liegt – die Folie taugt hier also nur grob.

Der Chardonnay ist ganz frisch aus dem Markt gekommen, und das merkt man ihm an. In der Nase viel Banane, dazu frischere exotische Früchte. Am Gaumen belebend, mit noch recht viel CO2, sehr guter Säure und exzellentem Grip. Ein Kuss vom Holz, aber gar keine Schwere. Genau diese Machart schätze ich bei griechischen Chardonnays: die, die aufs Holz nicht verzichten, aber eben auch keine schweren Brummer werden. Mehr davon!

Stilistisch reiht sich der 2025er in die kleine Vertikale ein, die ich von diesem Wein kenne. Den Roes-Chardonnay 2018 habe ich 2022 im Alter von vier Jahren mit 93 Punkten bewertet – charmante, klare Frucht, Bratapfel, ein laktischer, an Vanillesauce erinnernder Ton und ein langer Kokos-Karamell-Nachhall ohne Misstöne. Der Roes-Chardonnay 2019, 2022 mit drei Jahren verkostet, kam bei mir auf 92 Punkte, expressiver und aromatisch etwas vorn, aber auch eine Spur harscher als der 2018er. Extern sah Wine Vein den 2018er bei 89.

Preislich liegt der Wein in Griechenland bei rund 14,50 bis 15,45 Euro. Trinken lässt er sich jetzt schon, doch ich würde ihm ruhig noch ein halbes Jahr geben, bis sich die jugendliche Kohlensäure und die Unruhe gelegt haben; danach hält er problemlos bis 2030. Mit dem Reserve-Potenzial nach hinten kommt er bei mir auf 92+ Punkte – auf dem Niveau des 2019ers, aber mit Luft nach oben.

Verkostet: Juni 2026

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