Lacules Estate – Syrah 2021
PGI Messinien
100% Syrah
Peloponnes, Griechenland
Rotwein | trocken
14,5%
Trinkfenster: 2031–2056
Lacules ist ein Winzertraum mit österreichischer Handschrift. Angestoßen hat ihn Friedrich „Fritz" Gruber, ein niederösterreichischer Architekt und Kellerbauer, der das Küstengrundstück in Koroni an der messenischen Küste 1995 als Bezahlung für einen Kellerbau bekam; heute führen es seine Tochter Barbara Gruber mit ihrem WSET Diploma und Jörg Salchenegger, ein promovierter Chemiker, ganz bewusst ohne externen Önologen. Der Syrah wächst hier reinsortig bis auf sechsundzwanzig Schritte ans Meer heran und reift zur Hälfte in neuem französischem Holz. René Gabriel bewertet die Lacules-Syrahs im Weinwisser seit Jahren in den höchsten Tönen – 2016 mit 19/20, 2017 und 2018 mit je 18/20, 2020 wieder mit 18/20 und den 2021er mit 19/20 –, und für um die sechzig Euro ist das ein ernsthafter Wein.
Als Jahrgang war 2021 im Peloponnes ein Extremjahr: Eine historische August-Hitzewelle trieb die Temperaturen ohne kühlenden Wind auf über fünfundvierzig Grad, was die Reife blockierte und ungleichmäßig machte, die Säure weich hielt und den pH-Wert hochtrieb. Yiannis Karakasis nannte es „das Jahr des Önologen", weil nur präzise Handarbeit ein Spitzenrot herausholen konnte, und die Balance- wie Alterungsfähigkeit vieler peloponnesischer Rotweine steht seither in Frage. Diese Einschätzung stammt freilich vom binnenländischen Nemea und seinem Agiorgitiko; Koroni liegt am Meer, und die Brise mildert die Hitze spürbar ab. Wie präzise hier gearbeitet wurde, zeigt die gestaffelte Handlese: die Parzelle direkt am Meer kam schon am 11. August in den Keller, der Koroni-Weingarten am 27. August, Nea Koroni erst am 12. September. Genau diesen 2021er hatte ich schon einmal im Glas, im August 2024 mit drei Jahren, und ihm damals 96 Punkte gegeben – mit Kumquats und viel Kompaktheit, seinerzeit von mir als weniger alterungsfähig als der 2019er eingeschätzt.
Diesmal verkostete ich ihn in einem Flight aus drei Syrahs des Jahrgangs 2021, gemeinsam mit dem australischen Penfolds St Henri und dem kretischen Nostos. Der St Henri ist der dichteste und marmeladigste der Runde, der Nostos mit seiner Grapefruit-Note der interessanteste – und der Lacules der eleganteste der drei, pure Eleganz sogar, was ich für diese Kategorie von Weinen bemerkenswert finde. Und doch tut er sich gerade schwer: Er ist im Moment sehr verschlossen, ein bisschen zu jung. In Nase und Geschmack zeigt er eine deutlich malzige Note, die manche am Tisch wahrnahmen und andere nicht. Der Alkohol spielt vorne die erste Geige, sodass man das Tannin erst bemerkt, wenn der Schluck schon weg ist und es auf der Zunge nachwirkt. Über den Abend öffnet er sich, wird fruchtiger, und die Vanille des halben Neuholzes kommt durch, die vorher noch nicht da war. Dicht und marmeladig wie der St Henri ist er nicht, das will er auch nicht sein – im Kern ein runder Wein, der mit Tannin und Geschmack spielt. Frischer als heute war er 2024 wohl.
Bei aller momentanen Verschlossenheit bleibe ich ganz ruhig. Vom 2018er, den ich 2023 mit 98+ bewertet und einem einmonatelangen Terrassentest ausgesetzt habe, weiß ich, dass diese Syrahs nahezu unzerstörbar sind – die Reserven sind da. Für mich sind das 94 Punkte, mit einem dicken Plus. Am besten legt man ihn noch einmal fünf Jahre weg; das Trinkfenster sehe ich von 2031 bis 2056.

Verkostet: Mai 2026
Weitere Verkostungen dieses Jahrgangs:
Lacules Estate – Syrah 2021 (96, 2024)
Andere Jahrgänge:
Lacules Estate – Syrah 2018 (98+, 2023)
Lacules Estate – Syrah 2019 (94, 2023)