Lacules Estate – Rosé 2025
Grenache, Merlot, Augoustiatis
Peloponnes, Griechenland
Roséwein | trocken
14,5%
Lacules Estate liegt in Koroni an der Lacules Bay in Messenien, ein kleines Gut von rund fünf Hektar, gegründet 2013; Barbara Gruber, mit WSET Diploma und einer Station beim kalifornischen Weingut Blankiet, führt es gemeinsam mit dem promovierten Chemiker Jörg Salchenegger. Dieser Rosé ist bei mir der erste Wein des Hauses in dieser Farbe, und er hat eine hübsche Entstehungsgeschichte: 2024 gab es den ersten Rosé überhaupt, entstanden fast zufällig aus einem Kellerexperiment. Nach dem Entrappen zog man im Saignée-Verfahren Most ab, der schon nach wenigen Minuten Schalenkontakt eine intensive Farbe angenommen hatte; kurz war er sogar als Schaumwein für die Familie gedacht, blieb dann wegen Duft, Beere und Kraft ein stiller Rosé, und die winzige Menge war schnell weg. Der 2025er ist der zweite Jahrgang und damit die bewusste Bestätigung dieses Stils.
Das Weingut vermarktet ihn offen als „Rosé für Rotweinliebhaber", näher am Rotwein als am blassen Sommertyp. Und genau deshalb dachte ich zunächst an das, was man in Griechenland allgemeinhin als Kokkinokrasi bekommt, den einfachen roten Hauswein – aber weit gefehlt. Im Glas steht ein glitzernder, dunkler Rosé, auf jeden Fall eine Augenweide. In der Nase ist er sehr aromatisch, rotfruchtig, mit einem Anflug von Banane; er verspricht schon leichte Süße, dazu viel Erdbeere und ein klein wenig Minze.
Am Gaumen dann unglaublich viel Schmelz und eine unglaubliche Süße für einen so trockenen Wein – Fruchtsüße, dazu eine leichte, animierende Bitternote und ein langer Nachhall. Dieses Paradox ist kein Zufall: Der Produzent gibt nur etwa 1,6 g/l Restzucker an und erklärt die wahrgenommene Süße selbst mit reifer Frucht, Extrakt und Textur. Dazu passt die Machart. Die Gärung lief etwas wärmer als beim klassisch kühl vergorenen, blassen Rosé, und der Wein reifte sieben Monate in gebrauchten Barriques mit regelmäßiger Bâtonnage – bewusst gebrauchte Fässer, damit das Holz die Frucht nicht überlagert. Der Blend stammt aus alten Grenache- und Merlot-Reben sowie neu gepflanztem Augoustiatis; die genauen Anteile veröffentlicht das Gut nicht. Auf der Flasche stehen 14,5 % Alkohol. Wichtig für den Genuss: nicht zu kalt trinken.
Ein richtiges Leckerli, und die Flasche war unglaublich schnell leer. Ich will ehrlich sein: Wenn man lange nichts in dieser Art hatte, kann so ein Wein bei einem durchaus auch noch deutlich höher stehen. Als Jahrgang war 2025 auf dem Peloponnes vielversprechend und gesund, mit stetiger Reife und lebendiger Säure, gerettet durch ein kühleres, hitzefreies Reifefenster vor der Lese und Nordwinde, trotz Frost und Hagel Ende März und einem heißen Juli – wobei das vor allem für Nemea, Mantinia und Patras gilt und sich auf die Küste bei Koroni nur grob übertragen lässt.
Mit rund 24 € rangiert er auf dem Niveau des The Chord und deutlich unter den sortenreinen Estate-Weinen um 51 bis 56 €; ein Boutique-Wein in kleiner Menge. Man kann ihn als Essensbegleiter trinken – oder einfach als Nachtisch, falls man mehr will als nur einen Schluck Süßwein. 93 Punkte.

Verkostet: Juli 2026